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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Männertrip
Von Carsten Baumgardt
Wenn es eine Hollywood-Konstante zu geben scheint, dann die: Vertraut verkauft sich. Und da gefühlt alle denkbaren Sequels abgedreht, in Vorbereitung oder gar in Reboot-Therapie sind, müssen die großen Studios eben neue Wege erschließen, um jede noch so minimal innovative Tendenz überschau- und kontrollierbar zu halten. Nicholas Stollers romantische Komödie „Nie wieder Sex mit der Ex" war 2008 ein mittlerer Überraschungshit, die Geschichte aber damit auch definitiv ausgereizt. Etwas Besonderes hatte der Film aber dennoch: die Figur des Rockstars Aldous Snow, der in seinen wenigen Szenen allen Mitstreitern die Show stahl. Und so tritt Stoller folgerichtig mit einem Spin-Off rund um den abgedrehten britischen Rocker an. Sex, Drugs & Rock N‘ Roll, dafür soll „Männertrip" stehen. Die Lifestyle-Umsetzung im Komödienformat ist dabei aber trotz teils guter Gags zu unverbindlich und mainstreamlastig, um wirklich aufhorchen zu lassen.

Aldous Snow (Russell Brand) steht samt Band Infant Sorrow auf dem Zenit seines Schaffens. Dann begeht er den folgenschweren Fehler, sich als Weltverbesserer zu inszenieren. Das lächerliche Album „African Child" wird ein katastrophaler Flop („The worst thing for Africa since Apartheid") und schickt Snows Karriere auf eine jahrelange Talfahrt. Nebenher geht die Ehe mit Popstar Jackie Q (Rose Byrne) in die Brüche; Snow flüchtet sich mehr denn je in Drogen und Alkohol. Bei seiner Plattenfirma in Los Angeles treibt der extrovertierte Boss Sergio (P. Diddy alias Sean Combs) seine Mitarbeiter an, den Laden mit bahnbrechenden Ideen neu zu beleben. Der unscheinbare Frischling Aaron Green (Jonah Hill) wagt sich aus seinem Schneckenhäuschen und schlägt vor, zum zehnjährigen Jubiläum von Snows legendärem Live-Album ins Greek Theatre nach Los Angeles zurückzukehren – Millionenumsatz garantiert! Sergio ist begeistert und gibt Aaron die Chance seines Lebens, während der daheim mit seiner Freundin Daphne (Elisabeth Moss) vor dem Aus steht. Die Krankenschwester bekommt eine berufliche Chance in Seattle und will umziehen. Beide trennen sich – so halbwegs. Aaron fliegt nach London und soll Snow innerhalb von 72 Stunden pünktlich zum Revival-Konzert in L.A. abliefern. Aber der Rockstar pflegt seine Allüren und hält Aaron von der ersten Minute an auf Trab: Der Geleitschutz muss mitsaufen, um Aldous bei Laune zu halten...

Der schräge Brite Russell Brand („Die Girls von St. Trinian", „Bedtime Stories") ist in den vergangenen Jahren zur Marke geworden – etwa wie Sacha Baron Cohen als Borat. Auch Brand ist eine Art Kunstfigur, die der Moderator, Komiker und Schauspieler seit vielen Jahren genüsslich pflegt. Trotz Mainstream-Annäherungen hat er sich etwas Anarchisches bewahrt. Einen Tag nach den Terroranschlägen des 11. Septembers erschien der damalige MTV-Moderator in Osama-Bin-Laden-Verkleidung auf der Arbeit und wurde prompt gefeuert. Er war heroinsüchtig, beleidigte Promis - und schaffte den Sprung in die Schauspielerei. Mit seiner Nebenrolle in „Nie wieder Sex mit der Ex" konnte er nun auch in Hollywood Aufmerksamkeit erregen. Mit „Männertrip" wiederholt Brand seinen Auftritt – in epischer Spielfilmlänge. Seine Extravaganz ist gewaltig und eine der großen Stärken der Komödie. Er reißt jede Szene an sich. Immer wenn Brand auf der Leinwand mit einem seiner Co-Stars interagiert, passiert etwas Verrücktes. Natürlich ist seine Figur in der Tiefe ihres Herzens verzweifelt und einsam. Es ist Brands Charisma zu verdanken, dass diese Erkenntnis nicht in der allgemeinen Kalauerei untergeht. Er kann sich seine Extratouren und Gemeinheiten leisten, ohne Gefahr zu laufen, die Zuschauer gegen sich aufzuhetzen.

Aber Snow hat auch seine Schattenseiten. Laut Drehbuch ist er ein Live-Fast-Die-Young-Rockstar der ersten Kategorie. Die Musik jedoch, die Brand übrigens persönlich eingesungen hat, spricht eine andere Sprache. Es wird behauptet, dass dieser Kerl ein Rockgott sei, doch musikalisch ist er mehr Ronan Keating als Jim Morrison; da harmonieren Anspruch und Wirklichkeit einfach nicht. Das ließe sich sogar als feine Ironie auslegen, wäre „Männertrip" nicht so offenkundig auf Mainstream gebürstet. Propagiert wird ein selbstzerstörerisches Leben haarscharf am Abgrund, präsentiert wird nur die zahme Lightversion. Selbst ein Dreier von Aldous, Aaron und Daphne gerät in der Umsetzung seltsam antiseptisch und artet so zu einer Predigt aus. Diese Übermoral raubt dem Film einiges seiner Wildheit und kostet gleichzeitig Authentizität. Im Lauf des Films hat jede Figur ihre Lektion zu lernen. Rock N‘ Roll sieht anders aus. Hier regiert eine geradezu spießbürgerliche Moral.

Jonah Hill („Superbad", „Beim ersten Mal") hat bereits im Original mitgespielt, kurioserweise aber in einer anderen Rolle. Sein Aaron Green ist zunächst einmal eine Überraschung. Der schwergewichtige Hill, der bisher stets auf den sonderbaren Sidekick festgelegt war, spielt eine erstaulich gradlinige, ehrliche Figur. Ihn in einer „normalen" Rolle zu sehen, hat etwas für sich. Seiner mainstreamig-berechenbaren Hollywood-Typologie zum Trotz ist er die gute Seele des Films. Auch seine Leinwand-Freundin Elisabeth Moss („Mad Men", „The West Wing") ist geerdet genug, um für ernste Momente zu sorgen, während Rap-Star Sean Combs („Monster´s Ball") permanent Over The Top chargiert und eine nur zaghaft variierte Version seiner selbst gibt. Für eines der kleinen Highlights sorgt Colm Meaney („Con Air", „Gesetz der Rache") als Snows egoistischer Vater. In diesen Szenen hat „Männertrip" Bodenhaftung und Ehrlichkeit - Eigenschaften, die oft unter dem Ballast der Konzept-Komödie verloren gehen. Denn über weite Strecken ist alles einer einzigen, simplen Ausgangsidee untergeordnet. Der ganzen Nebengeräusche beraubt, bleibt von der Story nicht viel übrig: Ein Rockstar soll innerhalb von drei Tagen an einen bestimmten Ort gebracht werden, ist aber zu selbstverliebt, diese einfache Aufgabe ohne Murren zu erfüllen.

Im besten und wahrhaftigsten Moment des Films sagt Aaron zu seinem Kompagnon: „Nothing you say makes any sense." Mit dieser Zeile erreicht „Männertrip" im Auge des Hurrikans seinen analytischen Kern von universeller Wahrheit, indem das Rockstar-Dasein seines höheren Sinns beraubt, demaskiert und ad absurdum geführt wird. Doch derartige Glanzlichter sind rar in „Männertrip". Denn Nicholas Stoller ist nicht Judd Apatow (der „Männertrip" produziert hat). Die Leichtigkeit, mit der Apatow Nonsens auf einem gesellschaftspolitischen Nährboden gedeihen lässt, geht Stoller in seinem zweiten Kinofilm ab. Die einzelnen Szenen, die durch diverse Cameos – von „Sarah Marshall" Kristen Bell über Christina Aguilera und Pink bis zu Metallica-Drummer Lars Ulrich – aufgepeppt werden, sind stets besser als das Gesamtpaket und die Wege von Lacher zu Lacher mit Leerlauf und Belanglosigkeiten gefüllt - anders als bei Apatow. Der Geschichte fehlt der übergreifende Fluss, der die Elemente zusammenhält.

Fazit: Das „Nie wieder Sex mit der Ex"-Spin-Off „Männertrip" hat viele gute Ideen und einige bemerkenswert lustige Szenen. Aber im Endeffekt fehlt der Komödie eine spannende Geschichte, die all die Kalauer zusammenbringt. So bleibt der Film am Ende bravouröses Stückwerk mit viel Licht und viel Schatten. Eine Komödie, die so gerne ein typischer Judd-Apatow-Film wäre, es aber schlicht nicht ist...
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