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    Moon
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Moon
    Von Julian Unkel
    Eine enge Bindung zu 2001 - Odyssee im Weltraum scheint bei Duncan Jones in der Familie zu liegen. Bereits sein Vater hat seinen Durchbruch zum Teil Stanley Kubricks Meisterwerk aus dem Jahr 1968 verdanken. Von dem Film inspiriert, schrieb David Bowie den Song „Space Oddity“, der sich zu seinem ersten großen Hit entwickeln sollte und somit den Grundstein für den Erfolg des Thin White Dukes legte. Seinem Spielfilmdebüt diente Duncan Jones, auch bekannt unter dem Namen Zowie Bowie, nun ebenfalls „2001“ als Inspirationsquelle. Mit „Moon“ gelingt dem bereits als Werberegisseur erfolgreichen Jones intelligentes Science-Fiction-Kino, das sich offen bei seinen Vorbildern bedient, den direkten Vergleich mit diesen aber dennoch nicht scheuen muss.

    In der nahen Zukunft ist die Energiekrise kein Thema mehr. Die Firma Lunar hat auf der Mondrückseite eine Raffinerie errichtet, die beinahe vollautomatisch das auf der Erde seltene, zur Kernfusion benötige Helium-3 abbaut. Lediglich zur Wartung der Anlage ist noch ein Mensch vonnöten. Seit fast drei Jahren übernimmt Sam Bell (Sam Rockwell) diesen Job. Nur der Roboter Gerty (im Original gesprochen von: Kevin Spacey) leistet ihm Gesellschaft, mit seiner Frau Tess (Dominique McElligott) und seiner jungen Tochter Eve (Kaya Scodelario) hält er nur über aufgezeichnete Videobotschaften Kontakt. Mit dem Ende seines Vertrages steht die Rückkehr zur Erde an. Doch in den verbleibenden Tagen auf dem Mond häufen sich merkwürdige Vorkommnisse: Sam bekommt Halluzinationen, Gerty reagiert auf seine Fragen abweisend, bei einem Unfall verliert er Teile seines Gedächtnis. Beginnt Sam nach Jahren der Einsamkeit durchzudrehen – oder hat man ihm nicht die ganze Wahrheit über seinen Job auf dem Mond erzählt...

    Das heutige Science-Fiction-Kino setzt vor allem auf bildgewaltiges Spektakel, egal ob die Filme nun Star Trek oder Sunshine heißen. „Moon“ hat mit diesen Filmen nur wenig gemein. Mit einem Budget von gerade einmal fünf Millionen Dollar gedreht, spielt der Film bis auf wenige Ausnahmen innerhalb einer kargen, sterilen Raumstation. Außerdem konzentriert sich Geschehen die meiste Zeit nur auf einen einzigen Darsteller und es werden handgemachte Modelle anstatt computergenerierter Krawalleffekte verwendet. Gerade dadurch hebt sich der Film so wohltuend ab. Jones inszeniert ruhig und subtil und erleichtert den Einstieg in die bisweilen recht schwermütige Geschichte durch lakonischen Humor. Besondere Anerkennung verdient sich auch der Score von Aronofsky-Stammkomponist Clint Mansell (The Wrestler, The Fountain), der vom treibenden Titelthema bis zum konstanten, sonoren Hintergrundrauschen seinen Teil zur erstklassigen Atmosphäre beiträgt und sich neben den weit bekannten Requiem For A Dream-Kompositionen zu Mansells besten Arbeiten zählen darf.

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    Dennoch fällt es vergleichsweise schwer zu beschreiben, was „Moon“ denn nun exakt auszeichnet, ohne allzu viel vorwegzunehmen. Nachdem im ersten Akt stimmungsvoll Sams Umgang mit seiner Isolation im Vordergrund steht, kommt bereits nach einer halben Stunde der große Twist des Films (der im Trailer leider schon zu deutlich angekündigt wird), infolgedessen „Moon“ erst seine wahren Stärken ausspielen kann. Sams weiteres Schicksal nutzt Jones zur Reflexion existenzialistischer Fragen nach dem Wesen und Wert von Emotionen. So liefert der Film eine Vielzahl interessanter Ansätze, lässt aber auch genug offen und erspart dem Zuschauer so die eigene Denkarbeit nicht. Den philosophischen Tiefgang eines „2001“ mag „Moon“ letztlich nicht ganz erreichen, dennoch handelt es sich bei Jones‘ Zukunftsvision endlich einmal wieder um Science-Fiction-Unterhaltung, die nicht nur die Augen, sondern auch den Verstand herausfordert.

    Gelingen kann ein nahezu vollständig auf eine Person ausgerichteter Film natürlich nur mit dem passenden Darsteller. Sam Rockwell (Per Anhalter durch die Galaxis, Confessions Of A Dangerous Mind) war von Beginn als Hauptdarsteller eingeplant und bekam von Jones und Autor Nathan Parker die Rolle auf den Leib geschneidert – und das hat sich ausgezahlt. Gerade in der zweiten Filmhälfte offenbart Rockwell mit seinem äußerst facettenreichen, glaubwürdigen und intensiven Spiel sein oftmals unter Wert verkauftes Talent und trägt den Film dadurch mühelos im Alleingang. Kevin Spacey (Sieben, American Beauty) hat als Sprecher des eindeutig von HAL 9000 inspirierten, aber nie zu einem Plagiat verkommenden Gerty maßgeblichen Anteil daran, dass auch der Roboter zu einer sehr interessante Figur avanciert. Die stets ruhige, fast schon aufdringlich freundliche Stimme lässt Gerty lange Zeit unberechenbar erscheinen, was die ihm innewohnenden Fragen (Auf welcher Seite steht Gerty nun wirklich? Hat die Maschine in all den Jahren gar ein Gewissen entwickelt?) noch spannender macht. Dennoch ist „Moon“ in erster Linie eine Rockwell-One-Man-Show, die dieser ohne jeden Tadel meistert.

    Anzulasten ist „Moon“ nur eine Schwäche dramaturgischer Natur. Nachdem der große Plot-Twist bereits sehr früh erfolgt ist, herrscht noch einige Zeit Verwirrung über das, was hier wirklich vor sich geht. Im Schlussakt klingt der Film aber eher langsam aus und steuert auf ein zwar konsequentes, aber auch weitestgehend überraschungsfreies Ende zu. Ein weiterer Twist oder zumindest ein größerer emotionaler Konflikt wäre hier sicher wünschenswert gewesen. Davon abgesehen aber liefert Duncan Jones reifes, anspruchsvolles Science-Fiction-Kino. Nach eigener Aussage befindet sich Jones übrigens bereits in den Planungen für eine Fortsetzung, die an die Ereignisse aus „Moon“ anknüpft. Der Bowie-Sprössling hegt den Wunsch, insgesamt drei Teile zu drehen. Nach der Sichtung des Erstlings kann man sich diesem Wunsch nur anschließen: Gerne mehr davon!
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