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Männer, die auf Ziegen starren
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Männer, die auf Ziegen starren
Von Björn Becher
„Männer die auf Ziegen starren“: Alleine der Titel des Kinoregiedebüts des Schauspielers und Produzenten Grant Heslov verspricht Aberwitz pur. Und wenn Heslov dann nicht nur Kumpel und Produktionspartner Clooney als Schauspieler zur Verfügung steht, sondern auch so illustre Namen wie Jeff Bridges, Ewan McGregor, Kevin Spacey und Stephen Lang den Cast bereichern, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Spätestens die ersten Trailer versprachen eine Satire, die ihresgleichen sucht. Diese Erwartungen werden allerdings nicht ganz erfüllt. Die wahre Geschichte um den Versuch des US-Militärs, Soldaten mit übersinnlichen Fähigkeiten auszubilden, ist ein dankbares Futter für eine Satire, und „Männer die auf Ziegen starren“ tatsächlich ein sehr kurzweiliges, höchst amüsantes Vergnügen mit etwas politischem Unterbau. Das erhoffte Meisterwerk in der Kategorie von Clooneys Regie-Debüt Geständnisse - Confessions Of A Dangerous Mind ist es aber nicht geworden.

Als Kleinstadtreporter Bob Wilton (Ewan McGregor) den bei seiner Mutter wohnenden Frühpensionär Gus Lacey (Stephen Root, Ein verlockendes Spiel) interviewt, ist er überzeugt, einen Verrückten vor sich zu haben. Lacey behauptet, vom Militär in Fähigkeiten wie Gedankenlesen, durch Wände gehen und dem Töten durch Blicke geschult worden zu sein. Zu absurd, um wahr zu sein. Doch Wilton wird bald eines Besseren belehrt: Als ihn seine Frau (Rebecca Mader, serie,Lost) verlässt, geht er als Journalist in den Nahen Osten, um über den Irak-Krieg zu berichten. Doch er bekommt keinen Zugang zu den Truppen und ist dazu verdammt, in einer Kuwaiter Hotelbar abzuhängen. Dort trifft er auf Lyn Cassady (George Clooney), den er aus Laceys Erzählungen kennt. Cassady gilt als bester Mann einer geheimen, parapsychologisch geschulten Militäreinheit unter Führung des Hippie-Ausbilders Bill Django (Jeff Bridges). Der Jedi-Krieger und Supersoldat beschließt, den jungen Journalisten zu einer ultra-geheimen Operation in den Irak mitzunehmen…

„Männer die auf Ziegen starren“ ist eine Adaption des gleichnamigen Sachbuchs des britischen Journalisten Jon Ronson. Da sie aus einer Fülle von skurrilen Ereignissen und Interviews besteht, basiert das filmische Ergebnis aber nur vage auf dieser Vorlage. Drehbuchautor Peter Straughan musste also eine ganz eigene Story entwickeln. Dazu schrieb er einfach die lustigsten Episoden aus dem Buch heraus und ersann sich dann eine Geschichte, um diese zu verbinden. Dass sich der Film praktisch von einem skurrilen Ereignis zum nächsten hangelt, merkt man diesem durchaus an. Die skurrilen Begebenheiten, die Wilton nach dem Zusammentreffen mit dem Supersoldaten Cassady widerfahren, sind urkomisch. Die Szenen dazwischen sind hingegen oft unnötig. Neben dem Hauptplot haben Autor und Regisseur noch eine zweite Erzählebene eingebaut. Verortet in den Siebzigern und Achtzigern zeigen sie, wie Jeff Bridges‘ Charakter Bill Django nach einer Nah-Tod-Erfahrung der Frage nachgeht, inwieweit sich Kriege mit „Love & Peace“ gewinnen ließen. Schließlich gründet er protegiert von einem enthusiastischen Brigadegenerals (Stephen Lang) die Abteilung „New Earth Army“, in der Cassady und andere künftige Supersoldaten ausgebildet werden. Auch dieser Handlungsstrang wartet mit einer Fülle aberwitzigster Szenen auf.

Schon bei New York für Anfänger stand Autor Straughan vor der schwierigen Aufgabe, ein Buch, das aus amüsanten Anekdoten besteht, zu einer stringenten Filmgeschichte auszubauen. Das gelang ihm nur bedingt, weil er zu viel wollte und die Handlung in das Schema einer romantischen Komödie presste. Bei „Männer die auf Ziegen starren“ hat er nun zumindest teilweise aus seinen Fehlern gelernt. Der Road-Movie-Part ist weitestgehend storyfrei, Clooney und McGregor stolpern einfach von Szenario zu Szenario: sie werden entführt, geraten ins Kreuzfeuer von konkurrierenden privaten Sicherheitsfirmen oder drohen in der Wüste zu verdursten. Erst gegen Ende, wenn die Erzählungen beider Zeitebenen zusammenlaufen, gibt es ein wenig mehr Handlung und der im aus Nachrichtenbildern zusammengeschnittenen Intro angedeutete politische Subtext wird aufgegriffen. Allerdings macht Straughan erneut das Problem der Wiederholung zu schaffen. Zu viele der absurden Ereignisse, die aus Cassadys vorhandenen oder nicht vorhandenen übersinnlichen Fähigkeiten resultieren, ähneln sich. Erst setzt er das Auto gegen den einzigen Stein in der Wüste, um wenig später das neue Auto über die einzige Landmine zu steuern. Es ist dem Regisseur, der großartigen Kameraarbeit von Oscar-Preisträger Robert Elswit (There Will Be Blood) und der musikalischen Untermalung von Rolfe Kent (Sideways, TV-Serie serie,Dexter) sowie einigen Achtziger-Jahre-Hits (vor allem „More Than A Feeling“ von Boston) zu verdanken, dass die Witze nicht allzu repetitiv wirken.

Absolut verlassen kann sich Heslov auf seine Schauspielerriege. George Clooney ist sowieso immer großartig, wenn er sich selbst auf die Schippe nimmt. Sein Auftritt mit Old-School-Schnautzer, weit aufgerissenen Augen und bedeppertem Blick erinnert an seine Zusammenarbeiten mit den Coen-Brüdern bei Burn After Reading und O Brother, Where Art Thou?. An die Kooperation mit den Spezialisten für schräge Figuren aus Minnesota erinnert auch der Auftritt von Jeff Bridges. Bill Django ist der „Dude“ aus The Big Lebowski mit mehr Energie und einer Militäruniform. Ewan McGregor (Illuminati, Trainspotting) hat den undankbarsten Part, da er im Gegensatz zu seinen Mitspielern nicht auf die Pauke hauen darf. Umso höher ist es ihm anzurechnen, dass auch die lustigen Momente seiner durch das Szenario stolpernden Figur funktionieren. Es ist schon amüsant, dass der Obi-Wan aus George Lucas‘ „Star Wars“-Prequel-Trilogie keine Ahnung hat, was Jedi-Krieger sind. Kevin Spacey (Superman Returns, American Beauty) streut als Unsympath wunderbar sarkastische Spitzen, während Stephen Lang, der in James Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora noch den Prototyp eines harten Militärs gegeben hat, nun genau dieses Image persifliert.

„More of this is true than you believe.“ - aus dem Vorspann

Fazit: Wie viel Wahres an den geschilderten absurden Situationen dran ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, ist aber auch unerheblich, solange sie von einem derart spielfreudigen Cast präsentiert werden. Da machen dann auch einige Drehbuchschwächen nicht mehr allzu viel aus.
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