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The Hole - Wovor hast du Angst?
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Hole - Wovor hast du Angst?
Von Jan-Thilo Caesar
Joe Dante schuf mit Filmen wie „Gremlins", „Die Reise ins Ich" oder „Meine teuflischen Nachbarn" einige der populärsten Filme der 80er Jahre - danach wurde es ruhig um den Regisseur. Jetzt meldet er sich mit dem bereits 2009 abgedrehten „The Hole - Wovor hast du Angst?" aus der Versenkung zurück und setzt dabei auf Altbewährtes, was sich gleichermaßen als Fluch und Segen entpuppt. So überzeugt der familienfreundliche Gruselspaß mit seiner stimmigen, atmosphärischen Inszenierung, die unverkennbar die Handschrift des Regie-Altmeisters trägt und ein wenig der Magie des fantastischen Films auf die Leinwand zurückholt, die in der modernen Kinolandschaft längst zur Rarität geworden ist. Anderseits setzt Dante bei der Handlung seines ersten Kinofilms nach „Looney Tunes: Back in Action" von 2003 auf zahlreiche allzu bewährte Muster und Figurenentwürfe.

Die alleinerziehende Mutter Susan Thompson (Teri Polo) zieht mit ihren zwei Söhnen, dem kleinen Lucas (Nathan Gamble) und seinem älteren Bruder Dane (Chris Massoglia), in eine ruhige amerikanische Vorstadt. Nachdem die kleine Familie gerade aus Brooklyn weggezogen ist, kann sich vor allem Dale nur mühsam an das Kleinstadtleben gewöhnen – bis die beiden Jungs im Keller des Hauses auf eine Falltür stoßen, die ein scheinbar bodenloses Loch verschließt. Zusammen mit der hübschen Nachbarstochter Julie (Haley Bennett) versuchen sie herauszufinden, welches Geheimnis sich hinter der mysteriösen Bodenluke ins Nichts verbirgt und stoßen dabei auf ihre eigenen, verborgenen Abgründe...

Mit „The Hole – Wovor hast du Angst?" liefert Joe Dante nach langer Leinwand-Abstinenz einen sympathischen Genrebeitrag, der mit seinem altmodischen Konzept eine willkommene Abwechslung zu aktuellen Horrortrends darstellt. Auf plakative Foltereinlagen und Blutfontänen wird verzichtet, stattdessen bietet der Film jugendfreie Gruselkost in einer fantasievollen Verpackung. Dante gelingt es, der simplen Geschichte eine schauerliche Atmosphäre zu verleihen und sorgt mit wenigen, aber dafür wohl platzierten Schockmomenten für Spannung. Dazu tragen vor allem viele handgemachte Effekte bei, wie die angriffslustige Clownspuppe, die es auf den kleinen Lucas abgesehen hat und direkte Konkurrenten wie „Chucky" schon fast harmlos aussehen lässt. Die Jungdarsteller der drei Protagonisten verkörpern ihre Rollen überzeugend. Insbesondere der 13-jährige Nathan Gamble sticht hervor, der mit „Der Nebel", „The Dark Knight" und „Marley & ich" schon beachtliche Leinwand-Erfahrung sammeln konnte.

Trotz allem ist Dantes neuester Streich alles andere als eine Genrerevolution. Das liegt vor allem Mark L. Smiths Skript, in dem er weder den Figuren, noch dem Handlungsort ein Eigenleben zugesteht und das oft allzu vorhersehbar ist. Die zerrüttelte Kleinfamilie, die in eine neue Stadt zieht; die angespannte Beziehung zwischen den Brüder oder die ersten Erfahrungen mit der Liebe – alles wirkt bekannt und oberflächlich. Vielversprechende Ansätze sind dabei durchaus vorhanden, etwa der von Bruce Dern verkörperte kauzige Vorbesitzer des Hauses, bleiben jedoch weitestgehend ungenutzt und verpuffen so einfach. Gegen Ende gewinnt der Film an Fahrt, doch der Abstieg in die surreale Düsterwelt des Abgrunds hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die herrlich abstrakten Bilder erinnern daran, wie bedrohlich die Welt aus Kinderaugen wirken kann, durchbrechen aber die schaurige Grundstimmung etwas und überzeugen auf technischer Seite nur in wenigen Momenten.

Obgleich „The Hole – Wovor hast du Angst?" fast ohne einen Tropfen Blut auskommt, fallen manche Sequenzen dann doch etwas zu gruselig für ein ganz junges Publikum aus. Bei alteingesessenen Horrorhasen wird sich hingegen eher ein wohliges Nostalgiegefühl einstellen, als Gänsehaut – sofern man 80er-Horror wie „The Gate" oder „The Monster Squad" etwas abgewinnen kann. Wer bereits „Trick or Treat" mochte, der wird auch hier nicht enttäuscht werden. Joe Dante hat mit „The Hole" einen soliden Familien-Gruselfilm abgeliefert, der durch seine gelungene Umsetzung bis zum Schluss unterhält, dabei aber auffällig wenig Neues zu bietet hat.
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