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Halloween II
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Halloween II
Von Björn Helbig
Der sprichwörtliche Schwarze Mann hat viele Namen und unzählige verschiedene Gesichter. Wenn er aber im Slasherfilm in Erscheinung tritt, dann ähneln sich diese Reinkarnationen meist sehr: Nur mit einem rudimentären persönlichen Hintergrund ausgestattet, metzelt er sich durch eine beliebige Personengruppe – gerne dürfen es Teenager sein. Ein Meisterwerk dieses Genres schuf John Carpenter (Dark Star, Die Klapperschlange) mit seinem Film Halloween - Die Nacht des Grauens. Sein Antiheld Michael Myers, der Inbegriff des Bösen, war in diversen Fortsetzungen nicht totzukriegen – die Qualität von Carpenters Vorlage wurde allerdings nicht gehalten und sie nahm von Sequel zu Sequel ab. Die Talfahrt fand erst mit Rob Zombies Halloween ein Ende: Mit der Öffnung der Perspektive auf die persönliche Vorgeschichte des Killers Myers gelang dem Regisseur eine gewagte Neuinterpretation des Stoffes. „Halloween 2“ schließt nun nahtlos an den Vorgänger an, ohne dabei aber dessen Qualität zu erreichen.

„Halloween 2“ schließt nahtlos an den Vorgänger an. Mit Hilfe von Doctor Loomis (Malcom McDowell) kann Laurie Straud (Scout Taylor-Compton) dem maskierten Killer Michael Myers (Tyler Mane) in der Halloween-Nacht schwer verletzt entkommen. Als der Krankenwagen, der den ebenfalls verletzten Michael ins Hospital bringen soll, einen Unfall hat, nutzt dieser die Gelegenheit, tötet die beiden Fahrer und flieht. Ein Jahr später: Laurie lebt inzwischen bei Lee Brackett (Brad Dourif), dem Dorfpolizisten von Haddonfield. Sie konnte die dramatischen Vorfälle nicht verarbeiten und ist ein psychisches Wrack. Doctor Loomis hingegen hat sich in der Zwischenzeit zu einem arroganten Geschäftsmann entwickelt, der kaltherzig sein Buch über Michael und dessen Opfer vermarktet. Kurz vor Halloween taucht der Killer plötzlich wieder auf und macht sich auf den Weg nach Haddonfield, um sein blutiges Werk fortzusetzen...

In „Halloween 2“ geht es von Anfang an hart zur Sache. Rob Zombie macht in Sachen Gewalt wieder einmal keine Kompromisse und bleibt seiner persönlichen Vision konsequent treu, wobei er vor weiteren Änderungen gegenüber Carpenters inzwischen klassischem Vorbild nicht zurückschreckt. So ist Michael Myers nicht mehr eine geradezu übernatürliche Verkörperung des Bösen schlechthin, die überall auftauchen kann, wie es ihr gerade beliebt, sondern ein blutrünstiger Berserker, der bei aller Brutalität immer noch ein Mensch ist. Wenn er nicht gerade mordend durch Haddonfield zieht, ist er gezwungen als Obdachloser unterzutauchen. Auch sein Gegenspieler Doctor Loomis hat – nicht nur im Vergleich zum Original, sondern auch gegenüber Zombies eigenem Vorgänger – eine Wandlung durchgemacht. Aus dem intelligenten Philanthropen ist ein geldgeiler Geschäftsmann geworden, der den Fall Michael Myers literarisch ausschlachtet und nicht schlecht daran verdient.

Die Besetzung des ersten Teils konnte zum Glück größtenteils auch für den zweiten Teil gewonnen werden. Für die Rolle des Sam Loomis wurde wieder Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange, Doomsday) verpflichtet. Ebenfalls erneut mit dabei ist Brad Dourif (Herr der Ringe, The Wild Blue Yonder), der wie im Vorgänger Sheriff Lee Brackett spielt. Beide bieten eine gewohnt professionelle Leistung, während Scout Taylor-Compton (An American Crime, Obsessed) wie schon im ersten Teil blass bleibt. Sheri Moon Zombie (Grindhouse, Haus der 1000 Leichen) ist abermals als Michaels Mutter zu sehen, wobei ihre Auftritte etwas unglücklich geraten sind. Der erwachsene Killer Michael Myers wird abermals von Tyler Mane (X-Men, Joe Dreck) gemimt, der zwar hinter seiner (halb zerfetzten) Maske wenig Entfaltungsmöglichkeiten hat, aber dafür eine ungeheure physische Präsenz allein durch seinen Körperbau ausstrahlt. Lediglich Draeg Ferch, der im Vorgänger den jungen Michael spielte, ist durch Chase Wright Vanek ersetzt worden, was dem Film aber nicht schadet.

Viele Szenen sind für sich genommen gut inszeniert, aber bis auf die genannten Änderungen bewegt sich der zweite Teil in bekannten Genre-Gewässern und folgt dem slashertypischen Ablauf. Lediglich durch die manchmal nicht ganz kitschfreien Traumsequenzen, in denen Michael Myers seiner Mutter begegnet und durch die Visionen der ebenfalls heftig traumatisierten Laurie hebt sich „Halloween 2“ ein Stück von vielen vergleichbaren Filmen ab. Das ist allerdings nicht nur positiv zu bewerten. Denn hierdurch kommt wieder eine übernatürliche Ebene ins Spiel – und gerade der Verzicht auf eben diese Elemente hatte Zombies ersten Teil so interessant gemacht. Und wenn Michaels Mutter plötzlich auch in Lauries Träumen auftaucht, dann ist der Grund dafür weder besonders originell noch verträgt er sich gut mit der in Teil 1 vorgenommenen Erdung der Halloween-Geschichte. Immerhin verleiht Zombie dem Ganzen zum Schluss noch einmal einen interessanten Dreh, wenn Traum und Realität verschmelzen. Auch wenn er hier einiges von dem vielversprechenden Ansatz des Vorgängers durch psychologischen Mummenschanz zunichte macht, sorgt er mit seinem düsteren, halluzinogenen Stil, der an seine Inszenierung von „Haus der 1000 Leichen“ erinnert, gerade am Ende noch einmal für ein paar fiebrige Momente.

„Halloween 2“ zeichnet sich weder durch Originalität aus noch ist er in irgendeiner anderen Weise herausragend, aber er ist ein ehrliches, durchaus persönliches Stück Kino. Seine radikalen Gewaltdarstellungen wirken genauso wenig aufgesetzt wie diverse schwarzmagische Symbole oder andere düstere Elemente aus Rob Zombies Heavy-Metal-Welt. Während etwa den Fortsetzungen aus der „Saw“-Reihe leicht anzumerken ist, dass die widerwärtigen Folterszenarien plump berechnend aneinandergereiht werden, scheint Zombie in seinen Stoffen zu leben. Natürlich überschreitet auch er immer wieder die Grenzen des Erträglichen, aber anders als in den Torture Porns der vergangenen Jahre wirkt hier nichts aufgesetzt, nichts ist Attitüde oder billiges Zielgruppenkalkül – was die Intensität der gezeigten Gewalt noch einmal erhöht. So ist „Halloween 2“ kein wirklich guter Film, aber Zombie bietet uns erneut eine authentische und schonungslose Vision des Bösen.

Fazit: Rob Zombie gelingt es mit der Fortsetzung seines „Halloween“-Reboots nicht, das Niveau des Vorgängers zu halten und sich deutlich vom Mittelmaß des Slasher-Genres abzusetzen. Für Freunde des Regisseurs und für alle, die es härter mögen, ist „Halloween 2“ aber durchaus empfehlenswert. Menschen mit weniger starken Nerven oder eingefleischte Fans von John Carpenters Ur-„Halloween“ werden dagegen erneut Probleme mit Zombies Version des Stoffes haben.
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