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Dare - Hab' keine Angst. Tu's einfach!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Dare - Hab' keine Angst. Tu's einfach!
Von Asokan Nirmalarajah
Wie schnell ein Stern am Hollywood-Himmel doch verblassen kann! Vor einigen Jahren noch wurde Emmy Rossum als großes Nachwuchstalent gehandelt. Der erste Leinwandauftritt der jungen Schauspielerin in der Independent-Produktion „Songcatcher" brachte ihr 2000 Lob vom Branchenblatt Variety ein, 2003 spielte sie bereits Sean Penns ermordete Tochter in Clint Eastwoods „Mystic River" und 2004 sollte ihr endgültiger Durchbruch zum Star folgen. Doch sowohl mit Roland Emmerichs Katastrophenfilm „The Day After Tomorrow", als auch mit Joel Schumachers Musical „Das Phantom der Oper" konnte die damals 18-jährige Rossum ihre Hollywood-Position trotz des kommerziellen Erfolgs nicht weiter ausbauen. Mit dem Jugend-Drama „Dare" sucht sie nun wieder die Nähe zum Independentkino. Und siehe da: Sie blüht auf – bis ihr ein anderer Nachwuchsstar die Schau stiehlt. Im Spielfilmdebüt des Kurzfilmregisseurs Adam Salky – einem frischen, unkonventionellen, dabei aber nur bedingt geglücktem Highschool-Drama, das seine Premiere 2009 in Sundance hatte und seitdem auf internationalen Queerfilm-Festivals zu sehen war – ist TV-Darsteller Zach Gilford („Friday Night Lights") der eigentliche Star.

Alexa Walker (Emmy Rossum) ist eine Musterschülerin aus gutem Hause, die von nichts mehr begeistert ist als vom Theaterunterricht, wo sie um die Rolle der Blanche Dubois in einer Aufführung von Tennesse Williams' Stück „Endstation Sehnsucht" wirbt. Doch ihre Begeisterung für die Schauspielerei wird gebremst durch ihren unenthusiastischen Bühnenpartner Johnny Drake (Zach Gilford), dem hübschen Schulrebell. Als dieser von Alexas großem Vorbild, dem örtlichen Theaterstar Grant Matson (Alan Cumming), nach einer Probe für seine natürliche Ausstrahlung gelobt wird, während sie als blasse, da jungfräuliche Bühnenpräsenz kritisiert wird, platzt ihr der Kragen. Auf der Suche nach mehr Lebenserfahrung als Grundlage für ihre Schauspielkunst besucht sie nach einem radikalen Umstyling eine von Johnnys Partys im Hause seiner reichen Eltern und verführt ihn mit Alkohol und kurzem Rock zum Sex. Die Leidenschaft zwischen Alexa und Johnny, die sich bald auch auf der Schulbühne zeigt, irritiert wiederum Alexas besten Freund Ben Berger (Ashley Springer), der heimlich in Johnny verliebt ist und alles daran setzt, den sexuell noch unentschlossenen Johnny zu einem homosexuellen Abenteuer zu verführen...

Dass „Dare" auf einem gleichnamigen, 16-minütigen Kurzfilm des Regisseurs von 2005 basiert, überrascht nicht, tut sich der recht kurzweilige, aber dramaturgisch etwas unausgegorene Film doch schwer damit, seine dürftige Handlung über 92 Minuten Laufzeit zu strecken. So wird in der Langfilmfassung der Geschichte, die die Original-Besetzung des Kurzfilms mit einigen etablierteren Nachwuchsstars aus Film und Fernsehen austauscht (darunter auch Rooney Mara, die bald als Lisbeth Salander in David Finchers „Verblendung" zu sehen sein wird), auch viel Raum für Introspektion eingeräumt. Das ist zunächst einmal keine schlechte Idee, besteht das Konzept hinter dem Film doch darin, dem Zuschauer einige stereotype Figuren (die übereifrige Streberin, den schweigsamen Rebell und den schüchternen Außenseiter) vorzustellen und sie dann zunehmend komplexer und widersprüchlicher auszuformulieren.

So wird die Erwartungshaltung des Zuschauers positiv gestört und es entstehen attraktive neue Beziehungsdynamiken zwischen den durchweg gut gespielten Figuren, die sich nicht so einfach festlegen lassen. Aus der Streberin wird ein sexy Vamp, aus dem Rebell ein verlorener Junge und aus dem Außenseiter ein aggressiver Casanova. Sicherlich hat man das alles schon mal – und um einiges besser fotografiert, geschrieben und inszeniert – in ähnlichen Coming-of-Age-Filmen wie „Der Eissturm", „American Beauty" oder „Donnie Darko" gesehen, wo der Blick hinter den Vorhang der amerikanischen Suburbs ganz andere Formen des Begehrens offen legt. Das schwerwiegendere Problem von Adam Salky besteht aber darin, dass er früh mit den Klischees des Teenfilms bricht und dann nicht mehr weiß, was er mit seinen auf einmal vielschichtigeren Figuren anstellen soll.

Überhaupt wirkt der Film wie die überlange Pilotfolge zu einer TV-Serie, von der nicht klar ist, welche Geschichte sie eigentlich erzählen soll. Denn der Wettbewerb zwischen den zunehmend farblosen Freunden Alexa und Ben um Johnnys Hosenstall ist nur bedingt interessant, während gerade Johnny, sehr charismatisch und gefühlvoll gegeben von Zach Gilford, eine Verwundbarkeit an den Tag legt, die mitunter herzzerreißend sein kann. Alexa und Ben schlagen so lediglich vom Stereotyp der sexuell unerfahrenen Einzelgänger in das hormongesteuerter, experimentierfreudiger Teenager um. Unterm Strich ist „Dare" ein solide gespieltes Jugenddrama, das ansprechend beginnt, dem aber zu schnell die Luft ausgeht. Zach Gilfords einfühlsames Spiel lohnt einen Blick, der Rest des Films begnügt sich leider nur mit jugendlicher Nabelschau ohne erhellende Erkenntnisse über das Erwachsenwerden.
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