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    Mumien 3D - Geheimnisse der Pharaonen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Mumien 3D - Geheimnisse der Pharaonen
    Von Julian Unkel
    Aus der Filmgeschichte sind Mumien nicht mehr wegzudenken. Wer einmal die großen Ikonen des klassischen Horrorkinos aufzählt, wird neben Frankensteins Monster und Nosferatu unweigerlich auch Boris Karloffs Darstellung des Hohepriesters Im-Ho-Tep in Karl Freunds „Die Mumie“ hinzuzählen müssen. Und spätestens seit den beiden sehr erfolgreichen Die Mumie-Filmen von Stephen Sommers – zusammen spielten beide Teile weltweit um die 900 Millionen Dollar ein, im August startet in Deutschland der dritte Teil Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers – sind Mumien auch einem Mainstream-Publikum vertraut. Daher erscheint auch der Schritt, mit „Mumien 3D – Geheimnisse der Pharaonen“ eine Mumien-Dokumentation in die IMAX-Kinos, wo doch sonst vor allem massentaugliche Naturdokus laufen, zu bringen, nicht mehr so ungewöhnlich. Doch leider krankt Keith Meltons Film an einigen Schwächen, die wohl gerade auf die Wahl des 3D-Formats zurückzuführen sind.

    „Mumien 3D – Geheimnisse der Pharaonen“ beginnt um 1250 v. Chr. zur Zeit des Pharaos Ramses II., genannt der Große, unter dessen Herrschaft das Alte Ägypten seine Hochzeit erreichte und der in seiner 66 Jahre währenden Regentschaft in ganz Ägypten zahlreiche Tempelanlagen, darunter den weltbekannten Felsentempel von Abu Simbel, errichten ließ. Der Film erzählt hier, warum und wie die alten Ägypter die Mumifizierung überhaupt durchgeführt haben. Danach folgt ein Sprung in die Gegenwart zu der DNS-Expertin Dr. Angelique Corthals und dem berühmten Ägyptologen Dr. Bob Brier, dem es 1994 als erstem Menschen seit mehr als 2000 Jahren gelang, eine Leiche nach der altägyptischen Methode zu mumifizieren. Gemeinsam erhoffen sie sich nicht nur, das Wissen über das Alte Ägypten zu vergrößern, sondern anhand der in den Knochen gespeicherten DNS der mumifizierten Ägypter auch medizinische Fortschritte zu erreichen. Im letzten Drittel geht es schließlich zurück ins späte 19. Jahrhundert zum deutschen Ägyptologen Emil Brugsch, der zufällig Bekanntschaft mit Grabräubern macht, die zuvor im Tal der Könige auf eine besondere Grabkammer gestoßen sind, die neben zahlreichen anderen Pharaonen auch den einbalsamierten Leichnam von Ramses II. enthält…

    Biographie von Ramses II., Dokumentation über den Prozess der Mumifizierung und die Ziele der Mumienforschung, Abenteuergeschichte um Grabräuber im 19. Jahrhundert – für eine IMAX-typische Laufzeit von rund 40 Minuten nimmt sich „Mumien 3D“ sehr viel vor. Zwar können alle drei Episoden mit interessanten Fakten aufwarten, Platz zur Entfaltung bekommt aber leider keine von ihnen. Exemplarisch dafür steht der kurze Abschnitt rund um Dr. Angelique Corthals. Da einige der mumifizierten Ägypter an Malaria gestorben sind, befindet sich in den Knochen auch die DNS der Krankheitserreger. Durch einen Vergleich mit den DNS-Sequenzen der heutigen Malariaparasiten will Corthals nun neue Erkenntnisse über die Evolution der Krankheit sammeln, was dabei helfen soll, einen Impfstoff gegen Malaria zu finden. Doch genau dabei belässt es der Film auch schon – wie denn der derzeitige Forschungsstand ist und welche Probleme den Forschern noch im Wege stehen, wird nicht erwähnt. Auch der eigentliche Prozess der Mumifizierung wird nur sehr knapp und oberflächlich angesprochen. Aus inhaltlicher Sicht wäre es wohl besser gewesen, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren – oder aber auf das 3D-Konzept zu verzichten, um eine längere Laufzeit gewährt zu bekommen.

    Auf der anderen Seite geht man ja nicht nur ins IMAX-Kino, um etwas zu lernen – hier zählen vor allem die Bilder, und auf diesem Gebiet enttäuscht „Mumien 3D“ gewiss nicht. Ägypten bietet mit seinen Pyramiden, Tempelruinen, Sandwüsten und den riesigen Felsformationen im Tal der Könige genug Material für eindrucksvolle Bilder, die von Kameramann Reed Smoot optimal eingefangen werden. Auch einige mit Schauspielern gedrehte Massenszenen, beispielsweise das Begräbnis von Ramses II., bleiben in Erinnerung. Die zahlreichen Computereffekte, etwa wenn Aufbau, Verfall und Ausgrabung des großen Tempels von Abu Simbel im Zeitraffer gezeigt werden, wirken sehr realistisch. Lediglich die peinliche Szene, in der ein schwach animiertes Fabelwesen auf die Zuschauer zuspringt (ein Effekt, der inzwischen wohl in jedem 3D-Film zu finden ist), hätte man sich sparen können. Untermalt werden die Bilder von einem ägyptisch angehauchten Orchestral-Soundtrack, der zwar nicht wirklich originell daherkommt, aber auf jeden Fall passend ist.

    Besonders interessant für Cineasten dürfte „Mumien 3D“ durch die Wahl des Sprechers werden: Kein geringerer als Schauspielikone Christopher Lee, der bereits 1959 in „Die Rache der Pharaonen“ eine Mumie verkörpert hat, führt mit angenehm tiefer und ruhiger Stimme durch den Film. Das allerdings ist ein kleiner Bonus, den nur die Originalversion für sich beanspruchen kann. In der deutschen Synchronfassung fungiert hingegen Dagmar Heller, die deutsche Stimme von Barbra Streisand und Mia Farrow, als Erzählerin.

    In seinen besten Momenten kann „Mumien 3D – Geheimnisse der Pharaonen“ durchaus Interesse vermitteln und bietet einen ordentlichen Einstieg in die Thematik. Wer sich aber tiefergehende Informationen erhofft, wird von dem inhaltlich oberflächlichen Film enttäuscht werden – die schicken Bilder entschädigen dafür nur bedingt.
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