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Alien Teacher
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Alien Teacher
Von Jan Hamm
Lehrer sind Aliens! Auf diese Idee ist wohl jeder Schüler irgendwann schon einmal gekommen. In Robert Rodriguez Teen-Horror Faculty ist aus der düsteren Vorahnung bereits Gewissheit geworden. Aufgeflogen ist der außerirdische Lehrkörper damit aber noch lange nicht. Zumindest laut Ole Bornedals „Alien Teacher“, dem dänischen Update in Sachen scholarem Grusel. Leider kann der Däne, dessen Thriller „Nightwatch“ ein feines Gespür für Hochspannung aufwies, sich einfach nicht für ein Zielpublikum entscheiden: „Alien Teacher“ langweilt Erwachsene mit einem arg konstruierten Plot, während er für Kinder streckenweise viel zu düster ist. Schade drum, denn mit Paprika Steen (Okay) und Ulrich Thomsen (Adams Äpfel) opfert er zwei der fähigsten dänischen Schauspieler an ein unausgereiftes Drehbuch. Nebenbei nutzt Bornedal sein Setting, um die alte Horrorfilm-Weisheit „Keiner glaubt dir, bis er das Monster selber sieht“ weiterzudenken: Eltern, hört auf eure Sprösslinge! Das verleiht „Alien Teacher“ immerhin eine zugleich augenzwinkernde und pädagogische Note.

Der kleine Carl (Jonas Wandschneider) hat seine Mutter bei einem Autounfall verloren, glaubt aber fest daran, dass sie von oben herab weiter über ihn wacht. Mit seinem Vater Jesper (Ulrich Thomsen, The International, Hitman) versucht er, in einer dänischen Kleinstadt in die Normalität zurückzufinden. Was dann aber auf einer Hühnerfarm außerhalb der Stadt vom Himmel segelt, ist alles andere als beruhigend: ein Alien, das sich postwendend einen Wirtskörper (Paprika Steen) schnappt, um sich als Vertretungslehrerin Ulla unters Volk zu mischen. Ihr Ziel? Das Gefühl der Liebe kennenzulernen, das ihrer kriegerischen Spezies fremd ist, weshalb auch deren Selbstvernichtung kurz bevorsteht. Doch Carl und die anderen Schüler der sechsten Klasse kommen der Herkunft der Neuen auf die Schliche. Aber können die Kinder ihre Eltern von der seltsamen Geschichte überzeugen, bevor sie als Versuchskaninchen auf einem galaktischen Labortisch enden?

Wie heißt es doch so schön: „Gut geklaut ist halb gewonnen“. „Alien Teacher“ ist einer der zahllosen Belege, dass entliehene Versatzstücke alleine keinen fertigen Plot ergeben. Die Alien-Prämisse ist „Faculty“ entnommen, der seinerseits bereits beim Klassiker Die Körperfresser kommen abschaute. Das Motiv der Außerirdischen, die bei den Menschen nach einem Rezept zur Heilung ihrer Brutalität suchen, reproduziert Dark City. Doch Bornedal und Co-Autor Henrik Prip adaptieren diese Ideen bloß als Ausgangslage für ihren Film, statt sie auszuerzählen. Nicht, dass die Kinder erst schrittweise hinter das Geheimnis der Vertretungslehrerin kommen müssten! Hysterisch fegt Ulla durch die Unterrichtsstunden und demonstriert ihre Übermacht mit sichtbarem Genuss. Ob sadistische Gedankenlektüre in den Schülerköpfen oder herausgekreischter Vortrag über die bewundernswerte Kraft der Liebe - dass die gute Frau vom Teufel geritten wird, ist augenblicklich ersichtlich. Unheimliche Atmosphäre kommt so nicht auf.

Um die Bedrohlichkeit der Dame zu unterstreichen, wird mächtig geklotzt. Mit einer silbern schimmernden Metallkugel, die Ulla stets bei sich trägt, lassen sich Menschen duplizieren und steuern. Irgendwie muss sie ihr Umfeld ja unter Kontrolle bringen, wenn das Missionsbudget schon nicht mehr für ein paar schleimige Assistenten gereicht hat. Da Multitasking dem Alien trotz Hyperintellekt fremd ist, steht dabei entweder das Duplikat oder die Frau Lehrerin selbst still. Beste Voraussetzung also, um von einem listigen Schüler auf frischer Tat ertappt zu werden. Darwins Theorie vom Überleben der Anpassungsfähigen scheint noch nicht in die Tiefen des Alls vorgedrungen zu sein, anderenfalls wäre die Aliendame mit ihrem hochsensiblen Auftrag vielleicht etwas vorsichtiger. So ist es für die neugierige Kindesschar auch kein Problem, ihre Adresse herauszufinden und in ihren Unterschlupf einzudringen.

In der Folge dominieren entkräftete Farben und lange Schatten. Auf dem Speiseplan des Ungetüms stehen Huhn und Mensch gleichermaßen. Und wenn das Alien mal sein wahres Gesicht zeigt, schlängeln sich direkt meterlange Tentakel aus dem Schlund. Sein junges Publikum bedrängt „Alien Teacher“ in solchen Momenten mit zu düsteren Bildern, während Sci-Fi-Horror-Gestählte weiter mit Abstrusitäten gelangweilt werden. So gestaltet Ulla ihre verfallene Behausung pünktlich zur Ankunft der inzwischen leicht misstrauischen Eltern zum gemütlichen Familienheim um. Einmal mehr verweist „Alien Teacher“ auf „Dark City“ und die Fähigkeit des Tunings, mit dessen Hilfe sich die Realität via Willenskraft verändern lässt. Insbesondere hier fädelt Bornedal einen Appell ein, genauer auf die Erlebnisberichte von Kindern zu achten. Denn allzu leicht lassen sich die versammelten Eltern von Schein und Etikette blenden und damit von der drohenden Gefahr ablenken.

Während das Studium menschlicher Emotionen in „Dark City“ noch maßgeblichen Anteil am Plot hatte, lässt „Alien Teacher“ völlig offen, wie Ulla das Geheimnis der Liebe assimilieren will - und welches Schicksal ihren irdischen Opfern damit eigentlich blüht. Eine durchdachte Story sieht anders aus. Dementsprechend ziellos wirkt auch das Schauspiel von Paprika Steen und Ulrich Thomsen. Steen versucht, ihre unfertige Figur durch lustig anzuschauendes Overacting auszubessern. Thomsen, der mit seiner Kollegin bereits in vielen dänischen Produktionen gemeinsam vor der Kamera stand, wirkt hingegen gelangweilt. Weder den Verlust seiner Gemahlin, noch die naive Anbiederung an die schicke Vertretungslehrerin transportiert er glaubhaft.

Am Ende bleiben Steens Stand-Up-Comedy, ein paar schick fotografierte, düstere Bilder und eine Reihe filmischer Querbezüge. Kinoformat erreicht der Streifen damit zu keinem Zeitpunkt. Immerhin ist Bornedals unentschlossener Schulausflug selbstironisch genug, um nicht peinlich zu wirken. Als gut gemeinter Ratschlag in Spielfilmlänge funktioniert „Alien Teacher“ noch, da Eltern und Schulpsychologen mit ihrer vermeintlichen Pädagogenweisheit amüsant vorgeführt werden. Die Qualität der zitierten Vorbilder erreicht die dänische Alienmär aber nicht einmal im Ansatz.
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