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    Red Dawn
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Red Dawn
    Von Robert Cherkowski
    Kaum ein Actionfilm der 80er Jahre hat die Gemüter so erregt wie John Milius‘ antikommunistische Kriegs-Phantasie „Die rote Flut". Als faschistisch, gewaltverherrlichend und volksverhetzend wurde Milius' Mär vom fiesen Russen, der eine Invasion in „God‘s own Country" startet und von einer aus All-American-Boys und -Girls bestehenden Partisanen-Gruppe aus den USA zurückgeschlagen wird, seinerzeit bezeichnet. Auch wenn man dem nicht wirklich widersprechen kann, war „Red Dawn" mit seiner Mischung aus Western-Mythen und Kalter-Krieg-Propaganda anderen politisch rechten Filmen seiner Zeit deutlich überlegen. Leider hat Hollywood den inzwischen zum Kultfilm gewordenen „Red Dawn" nicht einfach Kultfilm sein lassen, sondern im seit Jahren grassierenden Wahn, alles was einen halbwegs verruchten, kultigen oder berüchtigten Ruf hat, neu zu verfilmen, wurde der langen Reihe von Remakes auch ein neuer „Red Dawn" hinzugefügt. Was früher schwer verdaulich, kontrovers und kantig war, wurde von Ex-Stuntman Dan Bradley („Spider-Man 3", „Crank") zu einem ebenso flachen wie fragwürdigen Rechts-außen-Actioner modernisiert, der alles andere als kultverdächtig ist.

    Auch wenn die Welt sich durch Krisen, Konflikte und Aufrüstung an den Rand des Abgrundes manövriert hat, scheint das Leben im amerikanischen Hinterland noch in Ordnung zu sein. Nach dem Irak-Krieg kehrt der Veteran Jed (Chris Hemsworth) in sein Elternhaus zurück, wo sein junger Bruder Matt (Josh Peck) mit den örtlichen Football-Recken der „Wolverines" auf dem Feld rangelt, neben dem Cheerleaderinnen schwungvoll die Hüften kreisen lassen. Mit dem gemütlichen Treiben ist es jedoch bald vorbei: Nach einem nächtlichen Stromausfall, bei dem sich noch niemand etwas denkt, fallen am Morgen Nordkoreaner über die Stadt her und übernehmen die Kontrolle. Jed und Matt können den Schergen von Captain Cho (Will Yun Lee) dennoch entkommen, ihre Freunde einsammeln und sich in die nahegelegenen Wälder zurückziehen. Von dort formieren sie eine schlagkräftige Widerstandsarmee, mit der sie ihr Land zurückerobern wollen. Ein erbitterter Kampf entbrennt...

    Dass Dan Bradleys Milius-Remake schon in der Konzeption gravierende Denkfehler aufweist, merkten die Macher erst in der Post-Produktion: Ursprünglich waren es chinesische Aggressoren, die in Amerika einmarschierten, aber das wäre für die Vermarktung des Films in China, einem immer wichtiger werdenden Markt, mehr als problematisch gewesen. Kurzerhand wurden die Bösen daher zu Nordkoreanern, zu Angehörigen eines Volks also, das man hassen darf, ohne sich Marktchancen zu verbauen. Hier wird also einerseits versucht, einen Film nach den Spielregeln von Kalter-Kriegs-Propaganda zu drehen, andererseits bemüht man sich um (wirtschafts-)politische Korrektheit. Wo das Original offen hurrapatriotisch war, offenbart sich das Remake bereits als fauler Kompromiss, bevor es überhaupt begonnen wurde.

    Doch zunächst das Gute: Als stumpfer Action-Klopper mit einem gerüttelt Maß an unfreiwilliger Komik ist „Red Dawn" recht unterhaltsam. Nach einer knappen Exposition, in der die eindimensionalen Figuren skizziert werden, geht es bereits nach zehn Minuten richtig los. Ähnlich wie bei Zack Snyders „Dawn of the Dead"-Remake wird das Chaos auch hier aus der Sicht ganz normaler Männer und Frauen gezeigt. Wenn Jed und sein Bruder am Morgen von Erschütterungen aus dem Bett getrieben werden und beim ersten Schritt aus ihrem Haus einen von Fallschirmen verdunkelten Himmel erblicken, reißt es einen augenblicklich ins Geschehen. Wenn sich jedoch kurz darauf ein Haufen von Kids zusammenfindet, die aussehen, als wären sie vom Set von „Beverly Hills, 90210" in die Anfangsszene von „Der Soldat James Ryan" gestolpert und nach einer kurzen Montage zu Super-Partisanen mutieren, die reihenweise Nordkoreaner über den Jordan schicken und trotz der Präsenz von Mord, Tod, Terror und Schmerz nie ihr Zahnpastalächeln verlieren, runzelt man doch die Stirn.

    Mit der Besetzung des Originals, in der sich (spätere) Stars der 80er wie Patrick Swayze, Jennifer Grey oder Charlie Sheen tummelten, kann das Remake aus heutiger Sicht zwar nicht ganz mithalten, doch die Darsteller sind nicht das Problem: Als bulliger tough guy mit Irak-Erfahrung überzeugt Chris Hemsworth („Thor"), auch Josh Peck („The Wackness") als sein verweichlichter Bruder, der erst noch lernen muss, als Führungspersönlichkeit zu bestehen, zeigt eine gute Leistung. Um sie tummeln sich ein paar fesche Girls wie Adrianne Palicki („Legion") und Isabel Lucas („Transformers – Die Rache", „Krieg der Götter"), die das Kriegsspiel aufhübschen. Was fehlt, ist ein guter Bösewicht. Will Yun Lee („Total Recall") als fieser nordkoreanischer Major hat einfach zu wenig Charisma, um einen überzeugend niederträchtigen Strolch abzugeben.

    Der Krieg fällt hier im Übrigen geradezu erschreckend unblutig aus. Möglicherweise wird noch ein „Unrated Director‘s Cut" mit härteren Szenen auf dem Heimkino-Markt erscheinen, doch in der Kinofassung ist dieser Untergrundkampf ein geradezu klinisch anmutender Spaziergang. Zwar wird immer wieder behauptet, dass der Partisanenkampf eine grausige, entbehrungsreiche und traumatische Erfahrung sei, gezeigt wird es jedoch nie. Der Krieg wird als Abenteuerspielplatz für Hartgesottene gezeigt, auf dem Jungen zu Männern reifen. In solchen Momenten wirkt „Red Dawn" wie Militär-Pornografie nicht weit entfernt von John Waynes „Grünen Teufeln". Ein Film wie „Red Dawn" zeigt, wie Propaganda gestern und heute funktioniert. John Milius‘ Original-„Red Dawn" ist bis heute umstritten, Dan Bradleys Remake ist unumstritten mehr als fragwürdiger Humbug.

    Fazit: Als überdrehter und oft unfreiwillig komischer Actiontrash ist „Red Dawn" gewiss einen Blick wert. Bei auch nur etwas genauerem Hinsehen entpuppt er sich allerdings als offen militaristisches Machwerk.
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