Mein FILMSTARTS
    Venom
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Venom
    Von Antje Wessels
    Der Plan, dem in seinen Comics bisweilen ziemlich blutrünstig auftretenden Venom einen eigenen Kinofilm zu spendieren, existiert bereits seit 2007: In dem damals noch als Spin-Off von Sam Raimis „Spider-Man“-Trilogie angedachten Projekt sollte erneut Topher Grace in die Rolle des Marvel-Antihelden schlüpfen. Aber nach den mauen Kritiken für „Spider-Man 3“ lehnte der „Die wilden Siebziger“-Star lieber ab. Nach dem Reboot „The Amazing Spider-Man“ im Jahr 2012 wurden die Rufe nach einem Venom-Comeback wieder lauter, zumal Sony sogar ein eigenes Spider-Man Cinematic Universe plante, in dem neben der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft vor allem die Superbösewichte im Mittelpunkt stehen sollten. Aber es kam wieder anders – und nach den enttäuschenden Reaktionen auf „The Amazing Spider-Man 2“ schloss Sony schließlich einen Bund mit den Marvel Studios, um Spider-Man einen Platz bei den Avengers und damit im Marvel Cinematic Universe (MCU) zu sichern.

    Nach dem Erfolg von Spider-Mans Gastspiel in „The First Avenger: Civil War“ und dem Solo-Abenteuer „Spider-Man: Homecoming“ wuchs bei Sony erneut das Vertrauen in einen „Venom“-Film. Aber selbst wenige Wochen vor dem Kinostart hagelte es wieder kritische Schlagzeilen, weil sich die US-Freigabe ab 13 Jahren in den Augen vieler Fans mit dem rauen Ton der Vorlage nicht vereinbaren ließe. Regisseur Ruben Fleischer hat mit dem düster-eleganten Crime-Drama „Gangster Squad“ bereits sein Händchen für erwachsenere Stoffe bewiesen, in „Venom“ setzt er allerdings eher auf das ironische Augenzwinkern aus seinem Genre-Kulthit „Zombieland“. Das geht auf Kosten der Ambivalenz: Aus dem moralisch widersprüchlichen Anti-Helden Eddie Brock, der von einem außerirdischen Organismus in seinem Körper dazu gezwungen wird, ziemlich brutale und mehr als fragwürdige Dinge zu tun, wird im Kino ein Superheld, dessen schlecht rasiertes Gesicht eine dunkle Seite andeuten soll, die sich dann aber trotz Köpfe-Abbeißen nie wirklich materialisiert.

    Eddie Brock (Tom Hardy) ist ein ebenso gewissenhafter wie draufgängerischer investigativer Reporter. Auf der Suche nach einer neuen Story kommt er den fragwürdigen Machenschaften der Life Foundation auf die Spur: Der Wissenschaftler Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) experimentiert mit einem außerirdischen Organismus und opfert dabei sogar Menschenleben. Als sich die verängstigte Mitarbeiterin Dr. Dora Skirth (Jenny Slate) hilfesuchend an Eddie wendet, wird der Reporter selbst zum Wirt für einen außerirdischen Symbionten, der sich Venom nennt und in günstigen wie ungünstigen Momenten immer wieder die Kontrolle über Brocks Körper übernimmt. Drakes Handlanger machen fortan Jagd auf Eddie, der gemeinsam mit seiner Ex-Freundin Anne (Michelle Williams) versucht, das Wesen irgendwie wieder loszuwerden. Aber Venom scheint sich in seinem neuen Gastkörper sehr wohl zu fühlen und denkt gar nicht daran, Eddie wieder freizugeben…


    Vor allem in der ersten Stunde nehmen sich die Macher noch angenehm viel Zeit, um ihren unkonventionellen Helden als engagierten Journalisten einzuführen, der auch schon mal heimlich den Laptop seiner Freundin durchsucht, um an eine gute Story zu kommen. Und wenn sich Brocks dann bei einer bemerkenswert brachial inszenierten Verfolgungsjagd mit seinem neuen Untermieter arrangieren muss, läuft dabei nicht nur Tom Hardy („The Revenant“) zu körperlicher und komödiantischer Höchstform auf. Die inneren Dialoge zwischen Brocks und Venom, die sich ständig um die Hoheit über den Körper balgen, kommen zwar leider recht kurz, sorgen aber immer wieder für angenehm trockenen Witz. Auch das Skript findet hier eine stimmige Balance aus treffsicherer Situationskomik, spektakulären Actionszenen (Venom ist quasi ein Schutzengel auf Acid) und der schleichenden Bedrohung, die von dem unberechenbaren Parasiten aus dem All ausgeht.

    Obwohl die Marvel Studios - im Gegensatz zu den neuen „Spider-Man“-Solofilmen – nicht in die Produktion von „Venom“ involviert waren, orientiert sich Ruben Fleischer offensichtlich am immer auch humorigen Tonfall der Marvel-Blockbuster. Zugleich reizen die Macher die Möglichkeiten eines PG-13-Ratings aber durchaus aus: So düster und – zumindest in Andeutungen - brutal war bislang kein Film aus dem MCU. Und ja, Venom darf seinen Opfern auch in der jugendfreien Fassung die Köpfe abbeißen. Allerdings kollidieren der leichtfüßige Tonfall und die derbe Inszenierung in der zweiten Filmhälfte zunehmend: Denn nach einer zwar nicht ganz vorlagengetreuen, aber immerhin launig erzählten Originstory überspringt der Film praktisch seinen kompletten zweiten Akt, um direkt in ein Finale überzugehen, das so ganz ohne Vorbereitung vor allem aus unübersichtlichem Getöse und unterdurchschnittlichen CGI-Effekten besteht.

    Dabei wäre es der zweite Akt gewesen, in dem Brock und Venom alle Zeit der Welt gehabt hätten, um sich über die Vorherrschaft im Körper zu zanken. Stattdessen wird der eigentlich zentrale Konflikt in der jetzigen Fassung in einigen wenigen, vornehmlich lustigen Szenen abgehandelt. Die Abgründigkeit und Ambivalenz der Doppelfigur Brock/Venom bleibt dabei fast vollständig auf der Strecke: Ja, er bringt ein paar Menschen um, aber auch wirklich nur, wenn er ganz, ganz sicher ist, dass sie es auch verdient haben. Die Frage, ob es sich nun um einen Helden oder einen Anti-Helden handelt, stellt sich im Kino im Gegensatz zu den Comics gar nicht erst.

    Und wenn es schließlich darum geht, die Pläne des größenwahnsinnigen Drake zu vereiteln, dann bleibt der Bösewicht derart blass und seine Motivation derart austauschbar, dass der finale Kampf alles andere als ein abschließendes Highlight darstellt. So ganz ohne einen emotionalen Zugang sehen wir auf der Leinwand lediglich, wie CGI-Figuren gegeneinander kämpfen – und ob nun gerade Venom oder sein Widersacher die Oberhand gewinnt, lässt sich auch nicht wirklich sagen. Marvel hat ja bekanntermaßen eh ein Bösewicht-Problem – aber Drake ist da noch mal ein deutlicher Ausreißer nach unten.

    Fazit: „Venom“ hat eine große Stärke: Tom Hardy, der vor allem im inneren Widerstreit mit seinem außerirdischen Parasiten einen wunderbar trockenen Humor an den Tag legt. Aber dieser Teil des Films kommt genauso zu kurz wie die Ambivalenz der Titelfigur, die beim Sprung von den Comicheften auf die Kinoleinwand zugunsten eines austauschbaren Superhelden-Blockbusters geopfert wurde.
    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    • Die neuesten FILMSTARTS-Kritiken
    • Die besten Filme aller Zeiten: Usermeinung
    • Die besten Filme aller Zeiten: Pressemeinung

    Kommentare

    • _kaphoon_
      Alter, das ein oder andere Komma bitte weglassen. Da solltest du nochmal nachlesen. Ich zähle bis zu 12 Kommatas zuviel.
    • Piet
      das ist allerdings eine facepalm sache. sich anzumaßen die qualität einer synchro bewerten zu können OHNE das original gehört zu haben und dem gegenüber dann ignoranz unterstellen.double, triple, MONSTERFACEPALMweißt du, guck dir doch synchros an soviele du willst, aber maß dir dann nicht an dich über die zu erheben die eine OV bevorzugen und zu 100% verstehen, indem du ein bespiel bringst in dem es keine brauchbare OV gibt weil von vorneherein so konzipiert.aber gratualtion auch an deine 4 likermayday we're sinking
    • Davud
      Sascha E - Ich kann dir nur vollkommen Recht geben. Den Film Venom anzuschauen hat sich zu 100% gelohnt. Es ist jtz schon einer meiner Lieblingsfilme. Und nur weil ernichts mit der eigentlichen Story zu tun hat, Sprich alles verändert wurde, heißt es nicht dass der film schlecht ist. Vllt ist ja die Original Story schlecht. Ich finde den Film aufjedenfall perfekt gelungen und konnte daran nichts aussetzen.P.S. an die die den Film nicht mögen weil die Story, Charaktere etc verändert wurden: mich stört es nicht da ich den Film als ein Einzelfilm sehe. Sprich als ein neues Universum dessen Grundidee von früher stammt. (Bitte nicht halten wenn ich falsche Aussagungen mache, kenne mich mit Dem Charakter Venom nicht gut aus. Meine Informationen stammen nur aus dem Kontext des Artikels und es kann sein dass ich etwas falsch verstanden habe. Wir wollen doch erwachsen bleiben)
    • Hans H.
      Tja. Da fragt man sich, wieso Hardy solch eine Rolle angenommen hat. Der Trailer war besser als der gesamte Film.
    • Herbert
      Die Marvel Filme sind der größte rotz. Punkt aus.
    • Shusher
      Die 2,5-Kritik ist in Ordnung und der Film ist wirklich kein Sahnestück aber mMn auch nicht annähernd so schlecht, wie ihn die allgemeine Pressekritik und die Leute hier machen. Ja die erste Hälfte ist unglaublich dünn und langatmig, die Charakterzeichnung von Brock völlig zu kurz gekommen, aber die zweite Hälfte entschädigt doch etwas. Ich glaube auch, dass dem Film eine düsterere Herangehensweise gut getan hätte, aber das kann in der Fortsetzung ja noch kommen.Tom Hardy ist eben einfach ne Wucht, der kann wohl alles spielen und sorgt auch für die ein oder anderen Lacher (vor allem ganz am Ende). Also insgesamt verbesserungswürdig, aber auch kein kompletter Reinfall.
    • Micha
      Unter'm Strich wenig spannend und noch weniger unterhaltsam. Der vorhandene Humor wirkt erzwungen und ist selten wirklich amüsant. Mit Tom Hardy hat man versucht, aus Scheiße Gold zu machen. Wird nicht klappen.
    • Kein_Gast
      Nope
    • Bruno Derbär
      Klingt nicht als hättest du Ahnung hälst du für nen guten Einstieg in den Dialog mit Andersdenkenden?. Vielleicht solltest du mal ein wenig mehr Selbstreflexion üben.
    • Gravur51
      Der Film IST imo so schlecht, wie ihn die meisten machen. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen. Ich dachte nur, vielleicht ist der Film so schlecht, dass er fast schon wieder unterhaltsam ist. Und tatsächlich im Mittelteilist er stellenweise ganz witzig, praktisch immer da, wenn Hardy mit Venom interagiert und zurechtkommen muss. Doch damit hat es sich. Der Anfang ist dermassen schlecht und klischeebeladen, dass ich fast einschlief. Michelle Williams ist eine Zumutung. Riz Ahmed fand ich ganz okay, bis auf den völlig drecksschlechten Schluss, wo eh alles schei##egal war. Zur after credit scene kann ich nur hoffen, gibt es keine Fortsetzung. Ich möchte eigentlich nicht, dass sich Schauspieler, auf die ich was gebe, lächerlich machen werden. Diese Gefahr bestünde bei einer Fortsetzung. Der ganze dritte Akt ist symbolisch für was falsch läuft in dem Film: ein einziges Flickwerk, das ist ein Film, bei dem ich das Gefühl hab, dass man nichtmal VERSUCHT hat einen halbwegs guten Film zu machen. Wäre ich Ruben Fleischer würd ich mich schämen sowas unfertiges auf Millionen loszulassen. Hardy ist der einzige, der sich sichtbar Mühe gibt. Eine Verfolgungsjagd ist gut inszeniert, der Rest war anhand von Gangster Squad und den Jesse Eisenberg Mistfilm (30 Minutes or less) erwartungsgemäss vergessenswürdig inszeniert. Eine filmische Katastrophe, nichtmal wert sich darüber aufzuregen.
    • Kein_Gast
      Es wurden nie brutale Szenen gedreht. Es wird auch nie eine Uncut Version oder ähnliches geben.
    • Bruce Wayne
      Stimmt schon. Ich meinte damit eher die Verwendung in der heutigen Zeit.
    • darkarth
      Slapstick ist ja definiert. Insofern muss man das nicht noch für sich selbst tun. Und gerade die beiden achten ja auch drauf, es gemäß des jeweiligen Filmes nicht zu übertreiben.
    • Bruce Wayne
      Hm. Kommt immer darauf an, wie man Slapstick definiert. Theoretisch würde jeder Melissa McCarthy/Kevin James fliegt auf die Fresse, weil sie fett sind-joke als Slapstick zählen. Leute welche die Essenz dieser Comedy-Form noch verstehen, sind bsp. Sam Raimi oder Jackie Chan. Und auf diese Form von Slapstick hoffe ich einfach mal ;D
    • darkarth
      Slapstick wird für meinen Geschmack heutzutage leider viel zu inflationär und undurchdacht genutzt, sodass es als Kompensation für eine schlechte oder kaumvorhandene Story herhalten muss. Genau wie übermäßiges CGI.Für beides gilt die Regel weniger ist mehr.
    • Bruce Wayne
      Ne, das CGI in JL ist mitunter das Schlechteste, welches ich in den letzten Jahren gesehen habe. Da stimmte einfach gar nichts. Außerdem ein großer Overload. Venoms VFX sehen zwar auch unfertig aus, aber sie sorgen für interessante Texturen und Rigging-Animationen. Allein schon die Tatsache, wie man Hardy mit dem Symbionten verbindet, erfordert Ewigkeiten von Spezialarbeit im Compositing-Prozess. Da steckt wirklich viel kreative Freiheit drin. Bei JL hingegen sind nicht ansatzweise so komplexe Darstellungen zu verarbeiten, wenn du mich fragst (Detailverliebtheit?). Snyder hat meist ein gutes Händchen fürs CGI. Watchmen sah bsp. großartig aus. Leute wie er und Tim Miller verstehen die Feinheiten dieser Arbeit.
    • Kein_Gast
      Zunächst mal: Kündige ihm die Freundschaft :DIch sehe ja viel Passion in Snyders CGI. Sind wir ehrlich Sucker Punch war unrund was die Effekte angeht. Aber Detailverliebt und schön. Ähnlich wie in Watchman. BvS war auch hübsch wie Sau :D und selbst bei JL sieht man seine Handschrift. Okay. Die ganzen Ranken und Arme und der Rot-Ton waren bisschen to much. Aber Freude hat ich trotzdem dran.Die Venom-Trailer sahen mager getrickst aus... Und lieblos.
    • Kein_Gast
      Was? Okay... :D wollt nicht das jemand weinen muss. Sorry.Aber um ernst. Was für aggressiv? Ich führe einen Dialog mit Bruce Wayne....
    • Kein_Gast
      Ja, weiß ich.Ich gebe hier lediglich ernsthafte Kritiken von mir und suchen nebenbei noch den Dialog mit Andersdenkenden. Weiß nicht wieso du dich jetzt angegriffen fühlst.P.s. Spaß bei einem Film zu empfinden ist ein Gefühl. Klar spielen Gefühle bei Filmen eine Rolle.... Wäre schlimm wenn nicht.
    • Bruce Wayne
      Stimmt wohl. Aber solange der Streifen mich wenigstens auf einer Weise unterhält (gerne auch durch Slapstick), sehe ich mein Kinoticket nicht als verschwendet an.
    Kommentare anzeigen
    Back to Top