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The Art Of War 2: Der Verrat
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
The Art Of War 2: Der Verrat
Von Björn Becher
Was macht ein einstiger Actionheld, den kaum jemand mehr sehen will? Er dreht einfach eine Fortsetzung zu einem Film aus erfolgreicheren Zeiten. So dachte auch Wesley Snipes, dem seit Blade: Trinity im Jahr 2004 (fast) kein Kinofilm mehr gelang und der seitdem die Leiter im Direct-to-DVD-Geschäft immer weiter hinabklettert. Wo Unstoppable noch recht ansehnlich war, ging es bis zum vorläufigen Tiefpunkt The Contractor stetig bergab. Auch eine einmalige Rückkehr in die US-Kinos mit Tony Giglios „Chaos“, der in Deutschland zu recht direkt in den Videotheken verschwand, brachte die Karriere nicht wieder in Schwung. Deshalb wurde nun ein alter Charakter hervorgekramt, nämlich jener Superagent Neil Shaw, den Snipes schon 2000 an der Seite von Donald Sutherland in „Art Of War“ verkörperte, um die Karrieretalfahrt zu stoppen. „Art Of War“ war zwar kein enormer Kassenerfolg, aber immerhin ein unterhaltsamer Thriller, dessen Fortsetzung heute zumindest den einen oder anderen Dollar verspricht. Unterstützung bekommt Snipes beim Sequel von dem deutschen Regisseur Josef Rusnak, der zwar „The Contractor“ verbrochen hat, aber dennoch als optimaler Partner erscheint. Denn Rusnak hat seine nach dem Riesenflop „The 13th Floor“ fast beendete Karriere wieder zum Laufen gebracht. Mit Filmen wie dem Horror-Remake It's Alive (in Zusammenarbeit mit Altmeister Larry Cohen) und einem kommenden Romy-Schneider-Biopic ist er mittlerweile wieder gut im Geschäft. So kann er Snipes zeigen, wie man sich wieder zurückkämpft – auch wenn „Art Of War 2: Der Verrat“ deutlich macht, dass es für Snipes noch ein langer, beschwerlicher Weg zu alter Klasse ist.

Neil Shaw (Wesley Snipes) hat sich nach seinem vorgetäuschten Tod aus dem Geheimagentenbusiness zurückgezogen. Er ist nun unter neuem Namen als Actionberater im Filmgeschäft tätig. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein. Erst teilt ihm sein enger Freund Tim (Winston Rekert) mit, dass sein einstiger Martial-Arts-Lehrer „Mutter“ (Clifford W. Stewart) bei einem Raubüberfall ums Leben kam. Bei dessen Beerdigung erfährt Shaw, dass „Mutter“ eine hübsche und selbstständige Tochter (Athena Karkanis) hat, die ihm gleich eröffnet, dass sie glaubt, ihr Vater musste sterben, weil er Shaws wahre Identität kannte. Anschließend eröffnet ihm Filmstar Garret (Lochlyn Munro) zudem, dass er plant, in die Politik zu wechseln und für den Senat zu kandidieren. Doch er wird mit den Bildern einer Sexorgie erpresst. Und dann versucht auch noch jemand, Shaw umzubringen. Das Handy des Killers führt Shaw auf die Spur von Attentätern, die die resolute, immer wieder gegen die Waffenlobby wetternde Senatorin Carlson (Rachel Hayward) aus dem Weg räumen wollen. Shaw warnt die Politikerin und findet sich kurz darauf inmitten einer breit angelegten Verschwörung wieder, bei der sich korrupte Senatoren, FBI, CIA und Waffenmagnat Sallas (Michael Phenicie) als seine Widersacher entpuppen…

„Art Of War 2“ ist mal wieder ein Film mit einer interessanten Entstehungsgeschichte. Der Vorgänger wurde von dem Filmstudio Franchise Pictures (Der blutige Pfad Gottes, Driven, Ballistic) produziert, das aufgrund des katastrophalen Flops „Battlefield Earth“ und eines langwierigen Prozesses mit einer deutschen Beteiligungs-AG 2004 Bankrott anmelden musste. Sony Pictures schnappte sich daraufhin die Rechte an „Art Of War“, da dieser als perfekter Film für ein Direct-to-DVD-Sequel erschien. Doch das Studio hatte die Rechnung ohne den Star gemacht: Wesley Snipes hatte einfach keine Lust. So wurde 2006 schließlich ein Sequel mit „Naughty By Nature“-Rapper Anthony „Treach“ Criss (Feast, Today You Die) in der Hauptrolle gedreht. Doch just bevor dieses veröffentlicht wurde, trat Snipes wieder auf die Bildfläche. Sein Aufsehen erregender Steuerprozess und die daraus resultierenden Millionennachzahlungen an den Staat veranlassten ihn zu einer Meinungsänderung, so dass er plötzlich doch wieder Lust auf „Art Of War 2“ hatte. So wurde das bereits fertiggestellte Sequel erst mal wieder in den Giftschrank gepackt und wird nun erst nach der Veröffentlichung des Snipes-Nachfolgers im Herbst 2008 unter dem Titel „Intervention“ in den amerikanischen Videotheken landen.

„Art Of War 2: Der Verrat“ wirkt dann im Ergebnis auch ein wenig wie (vor-)schnell hingeschludert. Das Drehbuch von Jason Bourque und Keith Shaw krankt an allen Ecken und Enden. Dass der Zuschauer größtenteils nur Standardkost serviert bekommt, wäre zu verschmerzen, mehr darf im Direct-to-DVD-Actionbereich auch nicht erwartet werden. Aber wieder mal meinen die Autoren, ihr Durchschnittskonstrukt unbedingt mit überraschenden Wendungen und großen Clous aufplustern zu müssen. Dabei reißen sie im Finale die komplette Geschichte ruck zuck ein, um eine 180-Grad-Drehung unterbringen zu können. Auf Plausibilität wird dabei nicht geachtet. Ohne unnötig zu spoilern, hier nur soviel: Erscheint es logisch, dass ein paar Verschwörer, die noch wissen, dass der beste, brutalste und zielstrebigste Agent, den Amerika je hatte, doch noch lebt, diesen nur aus seinem freiwilligen Ruhestand holen, um ihm einen Mord anzuhängen? Nein, natürlich nicht, denn ihnen müsste klar sein, dass dieser ihnen dann das Leben schwer machen wird, zumal ihr ach so toller Plan auch ohne die Beteiligung von Shaw 1A funktioniert hätte. Auch der erste Teil basiert auf einem sehr wackeligen Plotkonstrukt, das Sequel toppt dies aber gnadenlos. Auf großartige Bezüge zum Vorgänger verzichten die Autoren übrigens völlig. Der Charakter hat den gleichen Namen, wird wieder zum Opfer eines (sehr ähnlich angelegten) Komplotts und die „Kunst des Krieges“ („Art Of War“) des chinesischen Kriegsstrategen Sun-Tzu wird – wenn auch sehr gezwungen und zusammenhanglos - erneut zitiert. Das wars. Wer sich fragt, was etwa aus Shaws Flamme geworden ist, wird keine Antworten erhalten. Im Endeffekt hätte der Film genauso gut oder schlecht funktioniert, wenn Snipes Charakter Heinz Müller geheißen hätte.

Gegen die auch vor dem Finalclou eher maue und ziemlich berechenbare Story von der Stange mühen sich Regisseur Josef Rusnak und Star Wesley Snipes mit allen Kräften. Rusnak ist dabei zugute zu halten, dass er dem Film einen ansprechenden Look verpasst. Statt vor irgendwelchen B-Movie-Kulissen in Osteuropa wurde in Kanada gedreht, was Rusnak nutzt, um mehrfach die Skyline von Vancouver gekonnt ins Bild zu setzen. Das lässt „Art Of War 2“ teurer aussehen, auch wenn es der Regisseur mit seinen technischen Spielereien und Zeitlupen bisweilen auch übertreibt. Gerade bei den Martial-Arts-Sequenzen gefällt der Actioner aber weitestgehend. Hier und da ist er mal zu schnell geschnitten oder die Action findet im Halbdunkeln statt, aber größtenteils passt die Inszenierung. Das liegt auch an Wesley Snipes, der motivierter als noch in seinen vorherigen Werken wirkt. Außerdem ist er fitter als das Gros anderer B-Movie-Veteranen. Der Support-Cast wurde mit respektablen Darstellern besetzt, womit „Art Of War 2“ im Direct-to-DVD-Bereich über dem Durchschnitt liegt.

Das gäbe ein ganz ansehnliches Ganzes, wenn Rusnak im Mittelteil nicht phasenweise seinen eigentlich stringenten Stil schleifen lassen würde. Nach einem spannenden Einstieg schleppt sich die Geschichte eine Zeit lang zu stark vor sich hin und verbringt viel zu viel Zeit mit der Installierung eines Betrugs- und Beziehungsgeflechts, das am Ende sowieso wieder völlig eingerissen wird. Der Vorgänger war gerade in dieser Beziehung deutlich zielstrebiger, damit auch spannender und actionreicher. Auch wenn „Art Of War 2“ wegen diverser Schwächen ein Stück unter dem Durchschnitt hängen bleibt, werden ihn die Hardcore-Fans des ehemaligen Tänzers Snipes zu schätzen wissen. Denn „Art Of War 2“ ist für seinen Protagonisten immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.
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