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Shadow of Fear
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Shadow of Fear
Von Christoph Petersen
In Rich Cowans Thriller „Shadow Of Fear“ treffen sich jeden Dienstagabend die mächtigsten Männer der Gegend im örtlichen Country-Club zu einem gemeinsamen Elite-Gläschen. Über welche düsteren Geheimnisse hinter den dicken Tafelholztüren geplaudert wird, bekommt der Zuschauer in kleinen Häppchen erst im Verlauf der Handlung serviert. Die Film- und Kinogeschichte ist reich an Geheimbünden und Upper-Class-Logen – wo es in Anatomie noch die fehlgeleiteten Götter in Weiß waren, lief es in „The Skulls“ auf einen sehr berechnenden Reichenzirkel hinaus und in Brian Yuznas Splatter-Satire Society waren die Oberen Zehntausend sogar eine schleim- und bluttriefende Rasse für sich. Aber dennoch kann Cowan mit seinem Low-Budget-Independent-Hintergrund der ausgelutschten Geschichte noch neue Facetten abgewinnen, weil er mit der Thematik einfach spielerischer als jede Hollywood-Großproduktion umgehen kann. Und so bleibt „Shadow Of Fear“, auch wenn er zum Schluss hin kleinere Probleme mit seinem Spannungsbogen bekommt und man sich gewünscht hätte, die Grenze zur absurden Satire wäre noch mutiger überschritten worden, ein absolut sehenswert-böser kleiner Genrefilm.

Gerade ist Harrison French (Matthew Davis) genau der Großauftrag durch die Lappen gegangen, der seine Immobilienfirma sanieren und ihn selbst finanziell unabhängig machen sollte, da fährt er auf dem Weg nach Hause zu seiner Frau Wynn (Robin Tunney) auch noch einen Mann tot und begeht anschließend Fahrerflucht. Hilfe suchend wendet er sich an William Ashbury (James Spader), einen Mann, der scheinbar allen Wohlhabenden der Gegend schon einmal aus einer schwierigen Situation herausgeholfen hat. Und wirklich bekommt er durch seine Beziehungen zum örtlichen Sheriff und anderen Offiziellen auch Harrisons Problem schnell und unbürokratisch aus der Welt geschafft. Doch von nun an ist Harrison dazu verdammt, jeden Dienstagabend an Williams fröhlicher Runde im Country-Club teilzunehmen – denn auch wenn er eigentlich immer davon geträumt hatte, in diesen Zirkel der Mächtigen, in dem auch Wynns Vater, der Abgeordnete Henderson (Peter Coyote), Mitglied ist, aufgenommen zu werden, werden ihm schneller als erwartet auch die düsteren Seiten der Medaille vor Augen geführt…

Was an „Shadow Of Fear“ besonders viel Spaß macht, sind die vielen kleinen moralischen Fallstricke, die den Zuschauer im Verlauf der Geschichte ins Stolpern bringen. So ist natürlich Harrison der planmäßige Sympathieträger der Story, aber trotzdem bewundert man im Endeffekt doch William am meisten, der im Hintergrund geschickt die Fäden zieht und die Reichen und Mächtigen für sich tanzen lässt. Außerdem macht Cowan hier nicht den Fehler, Ashbury schlussendlich als egomanen Soziopathen hinzustellen und irgendein halbgares Motiv zu servieren, sondern lässt seine tiefer gehenden Absichten vollkommen im Dunkeln. So wird das Publikum nie endgültig von William abgestoßen und es ist so auch auf jeden Fall nicht unbedingt eindeutig, wem man denn nun im 12 Uhr mittags-mäßigen Showdown auf einer Landstraße die Daumen drücken sollte.

Der Cast setzt sich aus den üblichen Verdächtigen eines B-Pictures zusammen. Dabei gelingt es aber vor allem Hauptdarsteller Matthew Davis (Bloodrayne) nicht immer, seine Aufgabe, trotz Fahrerfluch und anderer Verfehlungen doch noch als positive Figur rüberzukommen, ausreichend zu erfüllen. Dafür erhält er wichtige Rückendeckung von Robin Tunney (End Of Days, Paparazzi), die die sorgende Ehefrau mit soviel Charme gibt, dass für Davis auch noch ein wenig überbleibt. Aber auch wenn neben Tunney vor allem Peter Coyote (Nur mit Dir, Erin Brockovich) seine Rolle als herablassender Schwiegervater und zugleich gebrochener alter Mann gewohnt souverän meistert, bleibt natürlich James Spaders (Secretary, Stargate) wunderbar unterkühlte Darstellung des Marionettenspielers insgesamt die klar treibende Kraft des Films.

Cowan lässt sich angenehm viel Zeit, seine Charaktere und ihre Situation ausführlich einzuführen. So kommt der Zuschauer erst langsam hinter die Einzelheiten von Ashburys Plan und die Hintergründe des Dienstagabend-Clubs. Durch das Einstreuen von geschickt platzierten Nebenhandlungssträngen (einen übereifrigen Polizisten/Aidan Quinn, einen verlorenen Sohn, einen Banküberfall), wird er auch immer wieder auf die falsche Fährte geleitet und es kristallisiert sich erst unerwartet spät heraus, was denn überhaupt das eigentliche Thema des Films ist. Erst ganz zum Schluss entgleiten dem Film bei seinem rasanten Story-Mix ein wenig die Ruder, denn der simple Plan, mit dem Harrison William zur Strecke zu bringen versucht, passt einfach nicht zu den komplexen Verwirrungen, die Ashbury vorher selbst unter den übrigen Beteiligten gestiftet hat – hier hätte es „Shadow Of Fear“ gut getan, wenn man die Over-The-Top-Haltung beibehalten und sich für den Showdown etwas noch wesentlich absurderes hätte einfallen lassen.
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