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    Secretariat
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Secretariat
    Von Ulf Lepelmeier
    So wie „Seabiscuit" von 2003 zeichnet auch „Secretariat" die Geschichte eines legendären Rennpferdes nach. Doch im Gegensatz zu „Seabiscuit", der als eine Parabel auf Hoffnung und Verzweifelung in der amerikanischen Depression funktionierte und mit einer dramatischen Story fesselte, wirkt die glattgebügelte Disney-Erzählung von der willensstarke Besitzerin jenes Wunderpferdes, das 1973 die Triple Crown gewann, zu handzahm. Trotz bemühter Auftritte von Hauptdarstellerin Diane Lane kommt der spannungsarme „Secretariat" nicht aus der Startbox. Dafür ist Randall Wallaces Inszenierung schlichtweg zu altmodisch.

    Die 70er Jahre: Penny Chenery (Diane Lane) reist zur Beerdigung ihrer Mutter. Während ihr Bruder Jack (Dylan Walsh) Anwesen und Pferdezucht verkaufen und dem dementen Vater in ein Heim geben will, möchte die vierfache Mutter das Lebenswerk ihres Erzeugers nicht aufgeben. Sie glaubt fest daran, dass eine der beiden trächtigen Stuten einen neuen Rennchampion gebären wird. Neben der getreuen Sekretärin Miss Ham (Margo Martindale) und dem fürsorglichen Pferdepfleger Eddie Sweat (Nelsan Ellis), holt sie noch den exzentrischen Pferdetrainer Lucien Laurin (John Malkovich) in ihr Team, das sich nach der Geburt von Big Red sicher ist, ein besonderes Pferd zu umsorgen. Während Pennys Kinder ihre Mutter immer seltener zu Gesicht bekommen und ihr Ehemann die unternehmerischen Aktionen seiner Frau argwöhnisch beäugt, drohen bald schon arge Finanzprobleme...

    „Secretariat" wartet mit hohen Produktionswerten und großen Namen auf. Trotzdem will der Funke nicht überspringen. Die Emanzipationsgeschichte um eine Hausfrau im von Männern dominierten Rennpferdezirkus lahmt, weil der politisch-gesellschaftliche Kontext der 70er Jahre weitestgehend ausgeblendet wird. Der Ausgang der Pferderennen steht mit der zugrunde liegenden Erfolgsgeschichte ohnehin fest. Der christliche Tonfall des Wohlfühl-Familienfilms, der mit einem Hiob-Zitat beginnt und mit „Oh Happy Day" ausklingt, hinterlässt den zweifelhaften Eindruck eines auf konservative Zuschauer zurechtgeschnittenen Films.

    Zudem werden all die finanziellen und familiären Probleme der Secretariat-Besitzerin in den Hintergrund verschoben, um den fröhlichen Charakter des auf Tradition und Durchhaltevermögen pochenden Films nicht zu gefährden. Die Rennen derweil sind rasant inszeniert. So fühlt man sich beim Wettkampfgeschehen an den Rand der Rennbahn versetzt und bekommt eine ungefähre Ahnung von der Physis vorpreschender Pferde. Die couragierte Penny Chenery entwickelt sich mit ihrem unumstößlichen Vertrauen in Secretariat von einer fürsorglichen Hausfrau hin zur standhaften Zucht-Besitzerin und macht sich damit als erste Frau im männerdominierten Pferdesportmetier einen Namen. Diane Lanes Spiel ist tadellos, zumindest gemessen an einem Skript, das Raffinesse vermissen lässt.

    Die Rolle der feinen Südstaatenlady, die am Telefon mit ihren Kindern weint, in Pressekonferenzen aber stets einen klaren Kopf bewahrt und zwischendurch immer wieder mit ihrem Lieblingspferd kommuniziert, wirkt in ihrer Anlage zu künstlich, um wirklich zu bewegen. Nebendarsteller John Malkovich gefällt in seiner Rolle als eigensinniger, stets auffällig gekleideter Pferdetrainer, obgleich er zwischenzeitlich zu dick aufträgt. „Secretariat" hat Qualitäten, gleicht aber dennoch mehr einem alterndernden Ex-Pferdechampion denn einem heißblütigen Renner. Altmodisch erzählt und weitestgehend spannungsarm, entpuppt sich der hübsch bebilderte Film als harmlose Familienunterhaltung. Trotz schicker Rennsequenzen und einer veritablen Leistung von Diane Lane geht „Secretariat" so noch vor der Zielgeraden die Puste aus.
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