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    The 5th Commandment
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    The 5th Commandment
    Von Christian Horn
    Mit „The 5th Commandment“ hat Regisseur Jesse V. Johnson einen Film abgeliefert, der mit minimalem Inhalt und einer 08/15-Story knallige Action an den Mann bringen will. Mit Slow-Motion-Einlagen, einer lauten 5.1-Tonspur und eindimensionalen Charakteren reiht der Film eine Kampfszene an die nächste und macht sich lächerlich, wenn er versucht, der Geschichte ein wenig Tiefgang zu verleihen. Das Schlimme daran ist, dass selbst die Action nicht über durchschnittliches Videotheken-Niveau herauskommt.

    Die Geschichte ist simpel: Ein kleiner asiatischer Junge muss mit ansehen, wie seine Familie von Killern der Drogenmafia – angeführt von dem skrupellosen „Collateral“ (Roger Yuan, Bulletproof Monk) – ermordet wird. Er selbst wird im letzten Moment von Max Tempelton (Keith David, Armageddon, Pitch Black) gerettet, der ebenfalls ein Auftragsmörder und ein Gegenspieler von „Collateral“ ist. Max zieht den Waisen auf, gibt ihm den Namen Chance Templeton (Rick Yune, The Fast And The Furios) und bildet ihn zum Profikiller und zur ultimativen Ein-Mann-Armee aus. Max‘ leiblicher Sohn Miles (Bokeem Woodbine, The Rock) schlägt hingegen einen anderen Lebensweg ein: Er wird zu einem der besten Bodyguards der Welt. Die beiden Brüder stehen nun also auf verschiedenen Seiten der Karriereleiter und verlieren sich aus den Augen. Wie es der Zufall will, erhält Chance Jahre später den Auftrag, die berühmte Sängerin Angel (Dania Ramirez, serie,11) zu ermorden. Und wer ist der Bodyguard dieser Sängerin? Richtig, der verlorene Bruder Miles. Also lehnt Chance den Auftrag ab, der sogleich an zwei andere Killer vergeben: an „Collateral“ und seine Frau „Damage“.

    Die fadenscheinige, dünne Rahmenhandlung bietet Anlass für die eine oder andere Martial-Arts-Sequenz und Schießerei. Mit großzügigem Einsatz von Zeitlupen sind diese standardmäßig inszeniert, hier und da explodiert mal was und verschiedene Waffen – von der Maschinenpistole bis zum Samuraischwert - kommen auch zum Einsatz. Zwischen der teilweise blutigen Action werden schöne Frauen und Hip-Hop-Musik dargeboten und Themen wie Rache und Ehre oberflächlich abgehandelt. Außerdem philosophiert der Protagonist über Gott (der Titel verrät es ja schon: „Du sollst nicht töten“, heißt das fünfte Gebot) und die zu beschützende Sängerin erzählt ein wenig aus ihrem Leben: Mit 13 Jahren war sie mal schwanger und musste abtreiben. Diese Schuld lässt sie nicht los, will der Film in einer dreiminütigen Sequenz kommunizieren. Zudem scheint zwischen Angel und ihrem Beschützer Chance eine kleine Liebelei aufzukeimen, ihre verschiedenen Weltansichten ergänzen sich zunehmend.

    Der lose dramaturgische Aufbau, der erst zu Beginn des letzten Drittels des Films überhaupt einen gewissen Zug entwickelt, ist schnell durchschaut und langweilig. Immer wieder zieht sich Chance mit der zu beschützenden Angel in sichere Verstecke zurück, die immer sogleich vom bösen Killer gefunden werden. Es kommt zu einer Actionszene, Chance und Angel können gerade noch mal flüchten und ziehen sich in das nächste sichere Versteck zurück. Dort nimmt der Film sich ein paar Minuten Zeit, um die beiden Figuren zu charakterisieren. Dann findet der böse Killer das Versteck, es kommt zu einer Actionszene - und so weiter und so fort. Dieser Aufbau ist es, der dem Film das letzte bisschen Spannung raubt. Gegen ein Actionfeuerwerk ist prinzipiell nichts einzuwenden, aber dann sollte die Geschichte wenigstens ein bisschen raffiniert konstruiert werden. Und die Action muss richtig krachen, was sie in „The 5th Commandment“ aber schlicht und ergreifend nicht tut. Die ein oder andere einigermaßen brauchbare Stelle innerhalb einer Schießerei kann eben nicht über die erschreckend gewöhnliche Direct-to-DVD-Inszenierung derselben hinwegtrösten.

    Interessant ist noch zu erwähnen, dass „The 5th Commandment“ zwei der größten Exploitation-Felder der 70er Jahre in sich vereint: Er kreuzt Blackploitation mit Asiaploitation. Während gerade der Auftakt, in dem Max alias „The Soulman“ seine Widersacher unter Dreingabe kecker Sprüche niedermäht, dem ersten Genre zuzuordnen ist, fällt etwa der einführende Auftritt von Collateral und Damage, bei dem sie eine Zielperson mit einem Samuraischwert massakrieren, eindeutig in Zweiteres. Natürlich ist dieser spezielle Mix aber nur von rein filmhistorischem Interesse, an der schlechten Qualität des Films ändert er hingegen rein gar nichts.

    Fazit: Regisseur Jesse V. Johnson changiert mit seinem Film zwischen Vorbildern wie „Shaft“, „Bodyguard“, „Romeo Must Die“ und Ong Bak, kann aber keinem dieser Filme das Wasser reichen. Er packt seinen Film einfach viel zu voll mit Themen, die alle nicht mehr als angerissen werden und daher die Aufmerksamkeit des Betrachters beleidigen. Und da pure Actionszenen in der Regel recht fad sind, wenn ihnen keine dramaturgische Raffinesse vorausgeht oder sie spektakuläre Schauwerte bieten, fällt „The 5th Commandment“ letztlich völlig durch.
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