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    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Connected
    Von Florian Koch
    Ob anspruchsvoller Thriller (Infernal Affairs), seelenloser Horrorfilm (The Call) oder romantisches Drama („Shall We Dance?”) - es gibt im asiatischen Raum kaum ein Genre, das noch nicht für ein US-Remake ausgeschlachtet wurde. Allerdings war auch das Hongkong-Kino wenig zimperlich, wenn es darum ging, Ideen aus großen Hollywood-Blockbustern wie Matrix zu klauen. Mit „Connected“ wagt sich Benny Chan, ein Spezialist für rasante Actionknaller, nun ganz offiziell an eine Neuverfilmung des US-B-Pictures Final Call und gewinnt der wenig originellen Geschichte mit einer zupackenden Inszenierung durchaus ein paar neue Kniffe ab.

    Die Hightech-Expertin Grace Wong (Babie Hsu) wird aus heiterem Himmel von einer brutalen Gangsterbande entführt. Deren Anführer, der eiskalte Fok (Ye Liu), droht Grace umzubringen, wenn sie nicht den Aufenthaltsort ihres jüngeren Bruders Roy (Carlos Chang) preisgibt. Allein in einem Heuschober eingesperrt, gelingt es Grace, mit ihren Bastelkünsten eine Telefonleitung in die Außenwelt herzustellen. Am anderen Ende der Leitung ist der gestresste, alleinerziehende Bob (Louis Koo). Nach einer kurzen Irritation willigt Bob ein, der verzweifelten Grace zu helfen. Dem Streifenpolizisten Fai (Nick Cheung) erklärt er die brenzlige Lage der entführten Frau, doch der kauft ihm die Geschichte nicht ab und Bob bleibt bei der Rettungsmission auf sich allein gestellt. Die Lage spitzt sich weiter zu, als die Verbrecher vor seinen Augen Grace’ Tochter Tinker (Sze Wai Chan) kidnappen. Nun setzt Bob alles daran, Roy rechtzeitig vor den gnadenlosen Killern zu warnen…

    Benny Chan (Invisible Target) hält sich in seinem Remake eng an die Handlungsstruktur des Thrillers „Final Call“ von David R. Ellis (Snakes On A Plane, Final Destination 2, Final Destination 4). Sowohl die Figurenkonstellation als auch die Actiondramaturgie ist dem mittelmäßig erfolgreichen Original entliehen. Allerdings genügt ein Blick auf die um gut 20 Minuten gestreckte Laufzeit von „Connected“, um zu erkennen, dass Chan bestrebt ist, den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen. Trotz durchwachsener darstellerischer Leistungen gelingt ihm dieser Schachzug – ohne dabei den auf Spannung ausgelegten Plot mit überflüssigen Nebenhandlungssträngen zu verwässern. Dieser Aspekt trifft besonders auf die von Louis Koo (Flash Point) gespielte Hauptfigur zu. Im Gegensatz zu dem juvenilen Chris Evans (Fantastic Four) legt Koo seinen bebrillten Charakter weitaus realistischer an. Ihm nimmt man die Angst ab, an der übergroßen Heldenaufgabe zu scheitern. Erst im Laufe der Handlung wächst der Durchschnittstyp zunehmend über sich hinaus…

    Während Koo diese Entwicklung nicht immer überzeugend herausarbeitet, glänzt die preisgekrönte Taiwanesin Barbie Hsu dafür umso mehr als doch nicht ganz so hilfloses Opfer. Interessanterweise drehte Chan die Szenen der beiden Protagonisten – mit einer einzigen Ausnahme – völlig getrennt ab, was der räumlichen Separierung von Grace und Bob in der Filmhandlung ja durchaus entspricht. Neben Hsu punkten in „Connected“ aber auch der zurückhaltend agierende Nick Cheung in der undankbaren Rolle als Polizist und die geschickt besetzten Bösewichter mit soliden Leistungen. Während Ye Liu es förmlich zu genießen scheint, ständig seine unberechenbar-distanzierte Brutalität aufblitzen zu lassen, liefert sich Wickie und die starken Männer-Schönheit Ankie Beilke in einer Nebenrolle mitreißend-körperbetonte Zweikämpfe mit Fai.

    Die auffälligste Stärke von „Connected“ liegt jedoch in den Actionsequenzen, die Benny Chan mit viel Sinn für Kinetik und Raumgefühl zu choreographieren versteht. Hervorzuheben sind hier eine rasante Auto-Verfolgungsjagd, bei der Bob am Ende spektakulär durch einen Getränkelaster kracht, sowie ein halsbrecherisches Suchspiel in der hügeligen Umgebung von Hongkong. Chans Thriller fällt allerdings immer dann ab, wenn die platten Dialoge die Oberhand gewinnen oder lächerlich überzogene Nebenfiguren dem temporeichen Reißer die Glaubwürdigkeit rauben. Auch vor offensiver Schleichwerbung, seien es offen zur Schau getragene Mobilfunktelefone, Autos oder Uhren, entgeht „Connected“ wie so viele andere Hongkong-Produktionen leider nicht.

    Wenn es bei „Connected“ neben dem Unterhaltungsfaktor so etwas wie einen tieferen Sinn gibt, ist dies ein schelmischer Kommentar zur grassierenden Handysucht in Hongkong. Es gibt kaum eine Szene, in der nicht eine Figur telefoniert. Dazu passt, dass die Verzweiflung der Charaktere immer dann am größten ist, wenn der Akku langsam zur Neige geht oder im Handyladen die Schlange einfach nicht kürzer wird. In diesen kleinen Seitenhieben auf den Wahnsinn, den die Dauertelefoniererei inzwischen angenommen hat, entfacht „Connected“ gelegentlich einen subversiven Witz, der im US-Original völlig fehlt.

    Fazit: Das Hongkong-Remake „Connected“ bietet packende Thriller-Unterhaltung ohne tieferen Anspruch. Wer die lächerliche Grundkonstellation erst einmal akzeptiert und sich von vordergründigen Actionsequenzen und unlogischen Wendungen nicht abschrecken lässt, den belohnt Regisseur Benny Chan im Finale mit einem gelungenen Showdown am Hongkonger Flughafen.
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