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    Universal Soldier: Regeneration
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Universal Soldier: Regeneration
    Von Alex Todorov
    Nachdem erste Gerüchte nach außen drangen, der genreerfahrene Peter Hyams (2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen, Unternehmen Capricorn) würde die Regie des nun schon vierten Ablegers von Roland Emmerichs Sci-Fi-Actioner Universal Soldier übernehmen, machte sich Hoffnung unter den Fans breit, das Unterfangen „Regeneration" könne in einen lohnenden Streifen münden. Letztlich hat sein Sohn John Hyams („Rank", „The Razzle Dazzle") das Ruder übernommen und Peter Hyams „lediglich" die Kameraarbeit. Das Ergebnis ist - ruft man sich die unsäglichen „Universal Soldier II: Brother In Arms", „Universal Soldier III: Unfinished Business" und „Universal Soldier – The Return" ins Gedächtnis, deren Plots glücklicherweise allesamt ignoriert werden – durchaus positiv ausgefallen. Dies ist nicht nur der soliden Regie und Kameraarbeit sowie der Vereinigung der originalen Hauptdarsteller Jean-Claude Van Damme (Bloodsport, Karate Tiger III) und Dolph Lundgren (The Expandables, (Direct Contact) zuzuschreiben, auch der Neuling Andrei Arlovski trägt sein Scherflein zu dem unterhaltsamen B-Actioner bei. Nachdem in Cyborg Soldier mit Rich Franklin schon ein UFC-Star seine „Schlagfertigkeit" unter Beweis stellte, darf hier neben dem einschüchternden Arlovski auch Mike Pyle kräftig austeilen. Harte Kampfszenen, ein extrem hoher Bodycount, ein gutes Setting sowie ein brachialer Fight zwischen den Erzfeinden Scott (Lundgren) und Deveraux (Van Damme) bereiten kurzweilige Genre-Unterhaltung.

    Terroristen gelangen an die Technologie zur Generierung der neuesten Universal-Soldiers-Modelle, der sogenannten NGU (New Generation UniSol). Sie besetzen das Kernkraftwerk in Tschernobyl, fordern die Freilassung von 112 politischen Gefangenen und drohen mit der Sprengung des dritten Reaktors und einem neuerlichen Super-Gau. Sämtliche Versuche, das Gelände zu stürmen, scheitern an einem unüberwindlichen NGU (Andrei Arlovski), der sämtliche UniSols der Regierung im Kampf zerstört. Nun bleibt nur ein UniSol, der es mit der nie blinzelnden Kraftwumme aufnehmen kann, um den Gau zu verhindern: Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme)...

    „Universal Soldier Regeneration" lässt fast kein Klischee der neuerdings so gern in Osteuropa gedrehten B-Movies (Direct Contact, Command Performance) aus. Vor dem Hintergrund eines schemenhaft angerissenen Staatlichkeitskonflikts will eine terroristische Gruppierung, die den Zusammenbruch der Sowjetunion noch nicht recht verarbeitet hat, mit gewaltsamen Drohungen ihre politischen Vorstellungen durchdrücken. In diesem Fall geht es den Herren um die Unabhängigkeit des wenn auch imaginären, so doch zumindest amüsant klingenden Staates Pasalan. Das ist, das sei nochmals erwähnt, wahrscheinlich irgendwo in Osteuropa. Zu dieser Grundkonstellation kommt die unausweichliche Zuspitzung auf den einen Mann, der alleinig den Karren aus dem Dreck ziehen kann – dann ist es auch egal, ob der sich gerade in einer resozialisierenden Psychotherapie befindet, wie in diesem Fall Luc Deveraux. Hinzu gesellt sich ein Bösewicht, der entweder ein genialer Wissenschaftler oder eine erbarmungslose Kampfmaschine ist – hier trifft gleich beides zu. Letztlich fehlt an Klischees nur die Frau, die den harten Kern des Helden erweicht. In „Universal Soldier Regeneration" müssen indes die alten Männer alles unter sich ausmachen. Männer, deren beste Zeiten Ende der 1980er endeten – ob politisch oder schauspielerisch.

    Erlernte Deveraux im ersten Teil das Menschsein neu, wird er hier vom depressiven Wrack wieder zum Tötungsapparat. Während die ersten zwanzig Minuten eine Soloshow Andrei Arlovskis sind und dem geneigten Kampfsportfreund das Herz wärmen, ist man umso irritierter, dann plötzlich mit einem zerknitterten Van Damme konfrontiert zu werden. JCVD scheint Van Damme nicht mehr loszulassen. Er schaut und läuft den gesamten Film über wie großes Drama herum - ein Drama, das auch den zweiten alten Haudegen umweht: Dolph Lundgren darf einen verstörenden kleinen Monolog halten, bevor die beiden sich einen feinen, wuchtig-harten Kampf liefern, der ebenso beachtlich wäre, ließe man außen vor, dass hier über 100 Jahre aufeinander einprügeln. Die erwähnte dramatisch-reflexive Akzentuierung lässt den Humor des ersten Teils nicht zu, es herrscht absolute Ironieabsenz. Die alten Helden sind müde und übergeben an die „Next Generation", wie schon der Arbeitstitel und letztlich auch das viel sagende Ende offenbaren. Untermalt wird der Film von einem an John Carpenter (The Fog) angelehnten Synthie-Score. Überhaupt verhehlt der Film nie, welcher Dekade er nacheifert: 1980er-Stars prügeln sich, begleitet von einem 1980er-Score, durch die Szenerie einer 1980-Katastrophe vor dem politischen Hintergrund der in den 1980ern eingeleiteten politischen Zeitwende – und am Ende steht der Generationswechsel.

    Was das Schauspiel betrifft, ist Andrei Arlovski eher der Kategorie Ralph Möller zuzuordnen. Seine Kampfsport-Könnerschaft hingegen ist ein großes Plus des Films. Auch wenn die Choreographien nicht überragend sind, die Fights sind hart und nah am Mann. Arlovski wird teils wie eine Game-Figur inszeniert - er rennt und springt jenseits physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Überhaupt erinnern das Setting und die Optik an Games: verlassene Industriebauten, heruntergekommene und verwinkelte Treppenhäuser, versteckte Technikräume, dunkle Schächte. Nicht nur das Game „S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl", sondern auch „Call Of Duty 4: Modern Warfare" rekurrieren auf die letale Bedrohung unter dem Sarkophag und auf die makabre Geisterstadt Prypjat nahe des Reaktors. In Letzterem gilt es bezeichnenderweise, den Verkauf nuklearer Brennstäbe von russischen Nationalisten an Terrorgruppen zu unterbinden. Die angebliche Reaktor-Schaltzentrale des Films könnte eins zu eins einem Videospiel entnommen sein, illuminiert mit einem Schein, der die Dunkelheit betont. Dennoch oder gerade deswegen vermittelt sich ein Hauch der Morbidität, die zweifelsohne dem echten Tschernobyl/Prypjat innewohnt.

    Wirklich störend ist letztlich nur der Handlungsstrang mit Deverauxs Therapeutin (Emily Joyce, Das Vermächtnis des geheimen Buches), der unmotiviert laviert und nichts vorantreibt, sowie das unausgeschöpfte und daher überflüssige Frankensteinmotiv in der Beziehung zwischen dem „Mad Scientist" und seinen „Schöpfungen". Aber geschenkt! Hauptsache es kracht gehörig und die Action sieht schnieke aus. Die alten Krawumm-Helden sind ein paar Falten reicher und die Schultern hängen etwas tiefer, aber für ein paar separatistische Ostblock-Terroristen reicht's noch. Und mit Andrei Arlovski und Mike Pyle, der teils gar etwas wie Leinwandpräsenz durchscheinen lässt, stehen potente Nachfolger parat. Wer all dem nichts abgewinnen kann, sollte „Universal Soldier Regeneration" schlicht als Beitrag zur unendlichen Diskussion verstehen, ob Zombies (die UniSols sind unterm Strich nichts Anderes als Untote) nun rennen können oder nicht. Der Film gibt wie seine Vorgänger eine klare Antwort: Sie können nicht nur verdammt schnell rennen, sondern auch verdammt hart zuhauen.
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