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    Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu
    Von Annemarie Havran
    Jack Black ist Amerikas Konsens-Komiker. Mit ihm kann sich der durchschnittliche Kinogänger in vielen Punkten identifizieren: Er ist etwas rundlich, er ist gemütlich, er macht gerne alberne Witze, er tapst irgendwie so durch sein Leben. Deswegen ist beinahe jeder Film mit Jack Black („School of Rock", „King Kong") eigentlich auch ein Star-Vehikel für jenen Tausendsassa, der dem Kind im Manne nicht nur auf der Leinwand gerne Freiraum bietet, sondern zu diesem Zwecke auch die komödiantische Rock-Band „Tenacious D" ersonnen hat, die er zusammen mit seinem Kollegen Kyle Gass betreibt. Ein Film mit Jack Black lebt von Jack Black, denn er bietet immer eine leicht verdauliche Humor-Variante an, die (fast) niemandem weh tut. Brachialer Humor ist bei ihm erträglich, kinderfreundlicher Humor irgendwie putzig, romantischer Humor auf attraktive Weise schmeichelhaft. So auch bei Rob Lettermans „Gullivers Reisen", der sich des gleichnamigen Literatur-Klassikers von Jonathan Swift angenommen hat und aus der satirischen und sozialkritischen Originalfassung des Romans – nicht zu verwechseln mit der Kinderbuchausgabe – eine leicht verdauliche Familienkomödie mit jeder Menge „Black"-Appeal macht.

    Lemuel Gulliver (Jack Black) ist ein Taugenichts, der seit Jahren in der Post-Abteilung eines Magazins versauert, seine Freizeit mit Luftgitarrespielen bestreitet und unsterblich in die Reporterin Darcy (Amanda Peet) verliebt ist, sich aber nicht traut, es ihr zu sagen. Als sein neuer Kollege im Post-Büro nach nur einem Tag zu Gullivers Vorgesetztem befördert wird, entschließt sich dieser, sein Leben zu ändern und die Dinge in die Hand zu nehmen. Sein geplantes Liebesgeständnis gegenüber Darcy endet aber in einer Bewerbung als Reisejournalist, gespickt mit etlichen Lügen über angebliche Reisen, die Gulliver natürlich nie unternommen hat. Prompt bekommt er den Auftrag, das Bermudadreieck zu erforschen und landet nach einem heftigen Sturm auf der seltsamen Insel Liliput, dessen Miniatur-Bewohner ihn sogleich gefangen nehmen. Als Gulliver den König Liliputs (Billy Connolly) vor einem feindlichen Angriff und Königstochter Mary (Emily Blunt) vor der Entführung rettet, feiern die Liliputaner ihn als Helden. Gulliver prahlt daraufhin großmäulig mit seinen erfundenen Heldentaten, die er im fernen Manhattan begangen haben will. Doch als Liliputs Feinde erneut angreifen, wird Gullivers wahrer Mut auf eine harte Probe gestellt...

    Regisseur Rob Letterman („Große Haie - Kleine Fische", „Monsters vs. Aliens") verzichtet in seiner Interpretation der Gulliverschen Erlebnisse auf jede Spur jenes bissigen, satirischen Humors, für den Jonathan Swifts Vorlage so berühmt ist. Er transformiert die Fabel um den Riesen in der Miniatur-Welt in eine glattgebügelte, brave Familienkomödie, die ihren Humor vor allem aus den lustigen Einfällen der Set-Designer bezieht (eine ordinäre Kaffeemaschine wird von zig Liliputanern betrieben wie ein ausgewachsenes Kraftwerk) und verlässt sich vor allem auf eines: seinen Hauptdarsteller Jack Black. Der liefert allerdings auch nicht mehr als seine altbekannte One-Man-Show, die aber wie immer durchaus sehenswert ist: Da schüttelt Black in Zeitlupe seine nackte Wampe, tanzt und springt durch die Gegend wie ein Berserker und gibt am Ende des Films sogar einen Song zum Besten, in den alle Liliputaner samt perfekt einstudierter Tanz-Choreographie einfallen und dem Zuschauer eine mitreißende Musical-Nummer servieren.

    Doch selbst Jack Black vermag nicht über die Schwächen des Drehbuchs hinwegzutäuschen. Die Handlung plätschert spannungslos und in kaum variiertem Tempo vor sich hin, garniert mit dem ein oder anderen zündenden Gag, aber ohne jemals emotionale Tiefe in den Figuren auszuloten. Dass Gulliver mit seinem Lügengebäude nicht davonkommen wird, ist von Anfang an klar und wenn die Hochstapelei des vermeintlichen Helden den Liliputanern ausgerechnet bei einer Prügelei mit einem futuristischen Roboter, der einem „Transformers"-Film zu entstammen scheint, offenbart wird, dann ist das nicht auf auf dramaturgische Überlegungen zurückzuführen. Hier zeigt sich vielmehr der Wunsch der Produzenten, die 3D-Konvertierung des Films zu rechtfertigen und dem Zuschauer zum finalen Höhepunkt noch ein paar dreidimensionale Schauwerte zu bieten. Die Entlarvung Gullivers und seine Reue werden dann auch minutenschnell abgehandelt und laden kaum zum emotionalen Mitfiebern ein, dafür ist die durchaus sympathische Moral des Films letztlich auch zu harmlos und alles andere als überraschend: „Man muss nicht von großer Statur sein, um groß im Herzen zu sein".

    Insgesamt dürften vor allem die jüngeren Zuschauer gern über die erzählerischen Schwächen von „Gullivers Reisen" und die arg vorhersehbare Handlung hinwegsehen: Natürlich steht Gulliver mit Horatio (Jason Segel, „Trauzeuge gesucht!") ein treuer Freund zur Seite, der an sein Ehrgefühl appelliert, um Liliput noch ein letztes Mal gegen seine Gegner zu verteidigen – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Gullivers Angebetete Darcy mittlerweile ebenfalls in Liliput gefangen gehalten wird. Wer genau die Gegner der kleinwüchsigen Inselbewohner sind und warum sie Krieg gegen Liliput führen, wird bis zum Schluss zwar in keiner Weise thematisiert, ist für einen spaßigen Familienfilm aber auch nicht von Belang. Das Happy-End ist auf allen Ebenen vorgezeichnet: Nicht nur Gulliver und Darcy kriegen sich, auch Jason Segel, der sich als Horatio genauso niedlich-sympathisch gibt wie als Marshall in der Erfolgs-Sitcom „How I Met Your Mother", darf endlich seine Prinzessin heiraten.

    Ende gut, alles gut. Zum Schluss droht „Gullivers Reisen" ein wenig in genretypischer, familientauglicher Harmonie zu versinken, aber darüber sollten die guten Einfälle des Films nicht vergessen werden. Dass Gulliver den Liliputanern nämlich weismacht, er hätte alle Heldentaten aus bekannten Hollywood-Blockbustern selbst erlebt und die berühmtesten Szenen aus „Star Wars", „Titanic" und „Avatar" als Theaterstücke mit Liliputaner-Besetzung auf die Bühne bringt, ist ein popkultureller Gag, der auch und gerade Zuschauer jenseits der Zwölf zum Lachen bringt. Ebenso ist der in Miniatur nachgebaute Times Square mit Jack Black auf sämtlichen berühmten Werbeplakaten der Parfüm- und Unterwäsche-Industrie einen Schmunzler wert. Und das passt dann auch wieder zu dem komödiantischen Pop-Spektakel mit kinderfreundlichem Humor, das Jack Blacks „Gulliver" ist.
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