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New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde
Von Jürgen Armbruster
Vampire sind wieder in - und zwar sowas von. Für „Twilight" gilt das im Besonderen. Falls es hierfür noch eines Beweises bedurfte, wurde er soeben geliefert. Angefeuert von der auf Hochtouren laufenden Marketing-Maschinerie gelang Chris Weitz‘ Sequel „New Moon - Biss zur Mittagsstunde" bereits vor dem US-Start der erste Rekord: mit mehr als 2.150 bereits vorab ausverkauften Mitternachtsvorstellungen. Allein in New York und Los Angeles läuft der Film zum Mitternachtsstart in über 200 restlos besetzten Sälen. Rein wirtschaftlich ist ein Mega-Erfolg also bereits vor dem Kinostart ausgemachte Sache. Doch kann der Film dem immensen Hype überhaupt gerecht werden? Ja, er kann!

Ihr eigener Geburtstag führt Bella Swan (Kristen Stewart) schmerzlich die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz vor Augen: Sie ist nun 18 Jahre alt - und damit praktisch ein Jahr älter als ihre große Liebe Edward Cullen (Robert Pattinson), der mit 17 zum Vampir wurde und seither keinen Tag mehr gealtert ist. Noch hofft Bella darauf, dass Edward auch sie eines Tages zum Vampir macht. Doch dieser bleibt hart. Und es kommt noch schlimmer: Auf Bellas Geburtstagsfeier in der Residenz der Cullens sind es ein kleiner Schnitt und ein Tropfen Blut, die eine folgenschwere Kettenreaktion auslösen. Nur mit Mühe kann Vampir Jesper (Jackson Rathbone) davon abgehalten werden, über Bella herzufallen. Edward wird in diesem Moment schlagartig bewusst, dass Bella in seiner Nähe nie sicher sein wird und es nur einen Weg gibt, sie auf Dauer vor Schaden zu bewahren: Er muss für immer aus ihrem Leben verschwinden. Bella hat für diese Entscheidung erwartungsgemäß wenig Verständnis. Sie fällt in eine tiefe Depression, von der sie sich über Monate hinweg nicht erholt. Erst in ihrer Freundschaft zum Indianerjungen Jacob Black (Taylor Lautner) vom Stamm der Quileute findet sie wieder Halt. Doch auch Jacob bewahrt - ähnlich wie Edward - ein dunkles Geheimnis...

Nach Austen nun Shakespeare. Es gehört zum Erfolgsrezept von Stephenie Meyers vierteiliger „Twilight"-Saga, dass jedem Band einer der ganz großen Klassiker der Literaturgeschichte zugeordnet werden kann. Meyers Vorgehen ist ebenso simpel wie erfolgreich: Sie verpackt zeitlose Themen für eine junge Zielgruppe in einem modernen Fantasy-Gewand. Für Twilight - Biss zum Morgengrauen hielt Jane Austens Stolz und Vorurteil als Inspiration her, bei „New Moon" ist nun William Shakespeares Romeo und Julia das Vorbild. Zwar treten an die Stelle der Montagues und Capulets Vampire und Werwölfe, doch die zentralen Konflikte bleiben dieselben: zwei verfeindete Clans, eine unglückliche Liebe und der Suizid als letzter Ausweg. Meyer verwebt all diese Themen geschickt mit eigenen Einfällen, so dass sie sich nicht allzu offensichtlich des Plagiats schuldig macht.

Zur Freude der Fans orientiert sich die Verfilmung von „New Moon" wie auch schon „Twilight" ungewöhnlich stark an der Romanvorlage. Die Eröffnungsszene, in der Bella im Traum auf sich selbst im Greisenalter trifft, ist etwa Eins-zu-Eins aus der Vorlage übernommen. Selbst der vermeintlich größte Stolperstein (Bellas Phase als Adrenalin-Junkie inklusive milchiger Edward-Visionen) bringt den Film nicht nachhaltig ins Straucheln - auch wenn hier und da ein gewisser Trash-Faktor nicht von der Hand zu weisen ist. Die wenigen Änderungen, die die Adaption für sich in Anspruch nimmt, sind allesamt sinnvoll: Während ihr Erscheinen im Roman allenfalls angedeutet wird, nimmt Victoria (Rachelle Lefevre) nun bereits im zweiten Film eine kleine, aber sehr aktive Rolle ein. Und auch die E-Mails, die Bella an Alice (Ashley Green) sendet und die es ebenfalls im Roman nicht gibt, treiben die Handlung voran und eröffnen den Filmemachern zudem die Möglichkeit, Bellas Gefühlswelt nach außen zu kehren.

An einer Stelle erweist sich die Romantreue jedoch als Problem: Jacobs vermeintliches Geheimnis liegt für den Zuschauer lange vorher auf der Hand und wurde auch im Zuge der Marketing-Kampagne nie als solches behandelt. Im Mittelteil, in dem „New Moon" mit diesem Geheimnis spielt, hakt deshalb der Rhythmus und der Film hängt kurzzeitig durch. Mit der Einführung des mächtigen Volturi-Clans zieht die Story allerdings noch einmal deutlich an und das Publikum wird für das zuvor gemächliche Erzähltempo entschädigt.

Auf dem Regiestuhl wurde ein Wechsel vollzogen: „Twilight"-Regisseurin Catherine Hardwicke (Lords Of Dogtown) wich Chris Weitz, der hier nach About A Boy und Der Goldene Kompass bereits seine dritte Bestseller-Verfilmung abliefert. Eine sinnige Entscheidung, gilt Weitz doch weithin als der bessere Handwerker. Liegen Hardwickes Vorzüge vor allem in der Charakterentwicklung, ist Weitz ein echter Allrounder. Vorbei sind die Zeiten, in denen Vampire an Drahtseilen ungelenk durch die Luft flogen. In seinen wenigen Actionszenen legt „New Moon" eine ganz andere Qualität als noch „Twilight" an den Tag. Der einzige, wenn auch leise Vorwurf bleibt, dass Weitz das melodramatische Potential der Story nicht immer ausschöpft. Für das zweite Sequel Eclipse - Biss zum Abendrot wurde bereits David Slade (Hard Candy, 30 Days Of Night) verpflichtet, der schon parallel zur Postproduktion von „New Moon" mit dem Dreh des nächsten Teils begann. Nach aktuellem Stand wird „Eclipse" bereits im Juli 2010 in die deutschen Kinos kommen.

Was die Hauptrollen angeht, gibt es wenig Neues zu berichten. Die Chemie zwischen den mittlerweile zu Teenie-Ikonen avancierten Kristen Stewart (Into The Wild, Adventureland) und Robert Pattinson (Harry Potter und der Feuerkelch, Little Ashes) stimmt nach wie vor - auch wenn Pattinson storybedingt lange Zeit abstinent ist. Für ihn springt Taylor Lautner in die Bresche, der extra für „New Moon" stattliche 30 Pfund Muskelmasse zugelegt hat und seinen gestählten Oberkörper bei jeder Gelegenheit freilegt - was Bella immer wieder ironisch kommentiert. Die schmachtenden Blicke des weiblichen Publikums werden sich diesmal also auf gleich zwei Teenie-Schwärme verteilen. Bei der Besetzung der neuen Rollen hieß es klotzen statt kleckern. Schließlich leisteten sich die Produzenten selbst für Nebenrollen Stars wie Michael Sheen (Underworld, Die Queen, Frost/Nixon) oder die inzwischen zur jungen Frau gereifte Dakota Fanning (Krieg der Welten, Push).

Fazit: „New Moon" hält das Niveau seines Vorgängers. Ein weltumspannender Kassenerfolg ist vorprogrammiert und man möchte sich gar nicht vorstellen, wo dieser Hype mit „Eclipse" und dem noch nicht offiziell bestätigten Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht noch hinführen mag.
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