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    Lesbian Vampire Killers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Lesbian Vampire Killers
    Von Christoph Petersen
    Neben dem unschlagbaren Trio David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker, das für solche Spoof-Klassiker wie Top Secret, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ und Die nackte Kanone verantwortlich zeichnet, zählt auch Mel Brooks zu den absoluten Meistern der Leinwandverarsche. In seiner langen Karriere hat der Komiker so ziemlich jedes Genre genüsslich durch den Kakao gezogen. Ob Western („Is‘ was, Sheriff?“), Monsterfilme („Frankenstein Junior“), Historienschinken („Die verrückte Geschichte der Welt“), Science-Fiction („Spaceballs“) oder Mantel-und-Degen-Abenteuer („Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“) – nichts und niemand schien vor dem gebürtigen New Yorker und seiner Parodierwut sicher. Mit seinem bislang letzten Spielfilm griff Mel Brooks zu guter Letzt dann aber doch noch mal so richtig daneben: „Dracula - Tot aber glücklich“ ist der episch gescheiterte Versuch, den Vampirfilm augenzwinkernd auf die Schippe zu nehmen. Nun endlich, stolze eineinhalb Jahrzehnte, nachdem sich Leslie Nielsen durch Transsylvanien kalauerte, gibt es deutlich lohnenswerteren Ersatz: „Lesbian Vampire Killers“ von Phil Claydon steht ganz in der Tradition der britischen Spoof-Welle um das Duo Edgar Wright und Simon Pegg (Shaun Of The Dead, Hot Fuzz) und flößt dem Blutsauger-Genre so eine neue milchig-weiße, irgendwie an Sperma erinnernde Körperflüssigkeit ein.

    Jimmy (Mathew Horne) wurde kürzlich zum x-ten Mal von seiner Freundin verlassen. Fletsch (James Corden) hat gerade seinen Job als Clown verloren, weil er auf einen 7-Jährigen losgegangen ist und Kinder ja eigentlich sowieso nicht ausstehen kann. Nun hocken die besten Kumpel in einem Pub und überlegen, was zu tun ist. Für einen richtigen Urlaub fehlt das Geld, deshalb soll ein Dartwurf bestimmen, wo die Trekking-Tour hinführt. Die Entscheidung fällt auf das Provinznest Cragwich im östlichsten England, wo die beiden zunächst in einer Gaststätte landen, die an eine mittelalterliche Schwulenbar erinnert. Doch das Schicksal hält noch eine schnuckelige Überraschung für das Duo bereit: Eine Gruppe sexy Folklore-Studentinnen macht mit ihrem Flower-Power-VW-Bus in dem verschlafenen Städtchen Station, um einen jahrhundertealten Volksglauben genauer unter die Lupe zu nehmen: Einer Legende nach soll sich jedes Mädchen der Gegend an ihrem 18. Geburtstag in einen lesbischen Vampir verwandeln…

    Phil Claydon, der 2001 den etwas anderen Slasher Alone schuf, der komplett aus der subjektiven Perspektive des Killers erzählt ist und mit einer wahrlich unvorhergesehenen Gender-Überraschung verblüfft, setzt bei seinen „Lesbian Vampire Killers“ klare Prioritäten: Anders als zum Beispiel in Peter Jacksons Herr der Ringe – Trilogie laufen hier Actionszenen, etwa wenn einem leicht bekleideten Vampir mit einer Bratpfanne der Schädel gespalten wird, stets in Echtzeit ab. Aber wenn die untoten Sahneschnitten mit den Ärschen wackeln, mit ihren vollen Lippen an einem Lolly lutschen oder sich gegenseitig die Zungen tief in den Rachen stoßen, kommt fast immer die Zeitlupe zum Einsatz. Ohne jetzt allzu sexistisch klingen zu wollen, gilt bei diesem Film deshalb für weibliche Kinogänger: Wir müssen leider draußen bleiben!

    Hier geht's zum vollständigen Programm des FantasyFilmFest 2009.

    Der Fluch, der einst von der bösen Vampirkönigin Camilla (Silvia Colloca, Van Helsing) ausgesprochen wurde, dient dem Film als Aufhänger für allerlei amüsante Spielereien mit den Regeln des Genres. So verfallen erdolchte Vampire hier nicht etwa zu Asche, sondern enden als milchartige Substanz, die im spritzenden Zustand an einen überdimensionierten Spermaschwall erinnert. Auch das Gesetz, dass ein Vampir dein Haus nur betreten kann, wenn du ihn hereinbittest, ist für einen Lacher der lauteren Kategorie gut. Und die Genrefans seit Ewigkeiten quälende Frage, was denn eigentlich mit den Brustimplantaten passiert, wenn ein per Schönheitschirurgie aufgemotzter Vampir einmal das Zeitliche segnet, wird auch endlich beantwortet.

    Fazit: Blut, Bier und Brüste – „Lesbian Vampire Killers“ ist keine große Filmkunst, hält aber, was der Titel Verspricht: Männerabendunterhaltung vom Feinsten. Und in der Fortsetzung machen Fletch und Jimmy dann Jagd auf den großen bösen schwulen Werwolf…
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