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Arthur
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Arthur
Von Alex Todorov
Vor mittlerweile 30 Jahren war es der britische Komikergnom Dudley Moore („Die Traumfrau", „Angriff ist die beste Verteidigung"), der den chronisch betrunkenen, aber auch genialischen Milliardenerben Arthur im noch heute heiß verehrten, gleichnamigen Original gab. Würde man nicht wissen, wer in Jason Winers Remake nun den Titelhelden spielt, käme man nicht ohnehin auf Russell Brand („Männertrip")? Mit seinem exaltierten Naturell, seiner spitzzüngigen, aber nie zynischen Exzentrik und seiner Koketterie mit seinem Suchtproblem, passt der Brite wie die Faust aufs Auge. Brand mimt Arthur mit noch infantileren Zügen, dennoch grundsympathisch, und hat einen beachtlichen Cast an seiner Seite: Luis Guzman („Die Wutprobe", „Magnolia"), einer der prägnantesten Nebendarsteller Hollywoods, als Sidekick; ein alkoholgegerbter Nick Nolte („Kap der Angst", „Nur 48 Stunden") als durchgeknallter Brautvater; Helen Mirren („Die Queen", „R. E. D.") als gute Seele; Greta Gerwig als Arthurs Love interest und Jennifer Garner („Juno", „Alias") als berechnende Braut. Die spielfreudigen Darsteller sorgen dafür, dass die vorhersehbare und zahme Rom-Com nicht allzu bieder gerät und gut unterhält.

Arthur Bach (Russell Brand), Erbe eines milliardenschweren Finanzimperiums, ist ein verwöhnter, aber herzensguter 30-jähriger Kindskopf mit einem exorbitanten Alkoholproblem und ohne jedwede Erdung in der Realität. Als er es wieder einmal aufs Schlimmste versemmelt, zumindest seiner repräsentativen Funktion innerhalb des Konzerns nachzukommen, stellt ihm seine Mutter (Géraldine Chaplin) ein Ultimatum: Entweder, er lässt sich auf eine geschäftliche Zweckheirat mit der herzlosen Susan (Jennifer Garner) ein, Tochter des Selfmade-Millionärs Burt Johnson (Nick Nolte), oder er ist sein Erbe los. Da verliebt er sich in die mittellose, ähnlich spontane Stadtführerin Naomi (Greta Gerwig) und steht vor der Wahl seines Lebens: Geld oder Liebe?

Auf seine Art hätte man Arthur auch anstelle des Aliens „Paul" aus dem gleichnamigen Film mit Simon Pegg und Nick Frost auf die Reise schicken können, das Resultat wäre ein ähnliches. Arthur ist nicht von dieser Welt. Für ihn ist Batmobil- und DeLorean-fahren Wirklichkeit, er schläft in einem magnetischen Schwebebett und konsumiert fortlaufend eine derartige Menge Alkohol, die selbst Charlie Sheen in Bestform als Abstinenzler denunzieren würde. In seinem Spieldrang und seiner grundfriedlichen Kindlichkeit wirkt er manches Mal wie ein Michael-Jackson-Wiedergänger und die ganze Welt ist sein Neverland. Doch was bedeutet es eigentlich, dass – die weltweite Finanzkrise ist noch nicht überwunden – gerade jetzt „Arthur", der Inbegriff der Maßlosigkeit, wieder aus dem Hut gezaubert wird? Ist er überhaupt als Held zu vermitteln?

Autor Peter Baynham („Borat", „Brüno") hat sich dazu nur halbgare Gedanken gemacht. In ein paar unausgegorenen Szenen wird handzahme Kritik an der Giersucht der Manager geäußert, die man sich auch getrost hätte sparen können. Nur einmal kostet der Film seine Grundprämisse – die Verfügung über eine nicht versiegende Geldquelle – inszenatorisch aus. Arthur lässt für sein erstes Date mit Naomi das New Yorker Grand Central Terminal, einen der Hauptknotenpunkte des Nahverkehrs, sperren und mit Akrobaten bespielen. Der Humor ist subtiler, als der Trailer vermuten lässt – wenig Brüllkomisches, dafür sehr viel Amüsantes –, und dreht sich selbstredend stets um die Sonne des Films, Russell Brand. Die Dialoge sind zumeist witzig und schnell. Vor allem Arthurs Sprechparts variieren oft in hohem Tempo zwischen innerem Monolog und äußerer Kommunikation.

Brand ist es hoch anzurechnen, dass er neben den Komikszenen auch die tragischen Töne meistert, ohne mit seiner Figur zu brechen und großes Drama zu spielen. Dennoch würde Arthur an einigen Stellen ins Lächerliche zu kippen drohen, wäre da nicht Helen Mirrens britisch-distinguierte, aber mütterliche Nanny Hobson. Denkt man an Arthurs Batman-Fantum, ist sie sein Alfred, seine Erdung, sein Ruhepol und moralischer Anker, die Einzige, die weiß, welches Potenzial in ihm schlummert. Nach Mike Tyson in „Hangover" hat mit Evander Holyfield ein weiterer Ex-Boxweltmeister einen Hollywood-Cameo und muss sich direkt von Hobson androhen lassen, auch das andere Ohr abgebissen zu bekommen, sollte er nicht folgen.

Neben Mirren sorgt auch Luis Guzmáns Butler Bitterman für das Wohlergehen und die Bereinigung der Flurschäden des Milliardenerben. Leider wird er als Arthurs Sidekick verschenkt und muss lediglich für ein paar Körperwitze herhalten, so dass seiner Figur eine Unfertigkeit, ein Mangel und somit auch etwas Überflüssiges anhaftet. Einen köstlichen Auftritt hat Raubein Nick Noltes Burt Johnson, Arthurs Schwiegervater in spe. Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden übertrifft er locker Robert De Niros Jack Byrnes aus „Meine Braut, ihr Vater und ich" als einschüchterndsten Schwiegervater. Er zwingt Arthur, mit seiner Zunge eine laufende Kreissäge zum Halten zu bringen. Hier fehlt jede innere Logik und genau deshalb trifft sie Noltes Rolle auf den Punkt.

Und dann ist da noch Mumblecore-Ikone Greta Gerwig. Engstirnige werden es ihr übelnehmen, dass sie nach „Freundschaft Plus" ihr Independent-Biotop Stück für Stück desertiert, dabei sollte man ihr für die Aufwertung von „Arthur" danken. Greta Gerwigs außerfilmisches Image penetriert den Film in dem Maße, dass ihre Konfrontation mit dem extraterrestrischen Arthur ihrem außerfilmischen Aufeinanderprall mit Hochglanz-Hollywood gleich kommt. Nach all den Elogen auf sie ist ihr Geheimnis doch ein kleines: Man sieht sie fast nie schauspielern. Unterm Strich überzeugt „Athur" als leicht überdurchschnittliche RomCom: Fans des charmanten Originals werden nicht zu bekehren sein, ein unterhaltsames Update ist das konventionelle aber hingebungsvoll gespielte Remake dennoch.
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