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    Hot Tub - Der Whirlpool... Ist 'ne verdammte Zeitmaschine!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hot Tub - Der Whirlpool... Ist 'ne verdammte Zeitmaschine!
    Von Florian Schulz
    Was haben ein gepimpter De Lorean und ein mysteriöser Whirlpool gemeinsam? In welchem Verwandtschaftsgrad stehen Murmeltier und Eichhörnchen zueinander? Ist die 80er-Jahre-Frisur von Metallica-Drummer Lars Ulrich auch heute noch salonfähig? Auf diese und ähnliche Fragen hält „Hot Tub – Der Whirlpool... Ist ‘ne verdammte Zeitmaschine" ein paar erstaunliche und überraschend skurrile Antworten parat. Steve Pink erinnert mit seiner anarchisch-unbeschwerten Hommage an eine Zeit, in der Hollywoods Unterhaltungskino seinen Zenit erreichte, die modische Extravaganz der 70er in kaleidoskopischen Extremismen explodierte und David Hasselhoff sich einen Auftritt im Musikantenstadl noch nicht einmal in seinen kühnsten Karriereträumen hätte orakeln lassen. Dabei wildert Pink mit Überschwang in der popkulturellen Schatztruhe der 80er und verquirlt alles zu einer vogelwilden Mischung. Das Zitieren wird in „Hot Tub" zum Programm erhoben. Richtig originell ist hier zwar nichts und trotzdem dürften gerade diejenigen, die das bunte Jahrzehnt in ihrer Sturm-und-Drang–Phase zelebriert haben, nicht selten selig glucksen.

    Adam (John Cusack), Lou (Rob Corddry) und Nick (Craig Robinson) leiden unter einer ausgewachsenen Mid-Life-Crisis. Adams Beziehung liegt in Scherben, Nick steht unter der Fuchtel seiner intriganten Ehefrau und Lou ist ein Partylöwe, der seinen Zenit überschritten hat und nur noch mit sich selbst trinkt. Nach einem missglückten Selbstmordversuch Lous laufen sich die ehemaligen Jugendfreunde im Krankenhaus wieder über den Weg. Um der alten Zeiten Willen beschließen sie, ihre Sinnkrise an einem erinnerungswürdigen Ort ihrer Jugend auszukurieren: einem Ski-Ressort in den Bergen. Außerdem mit von der Partie: Adams nerdiger Neffe Jacob (Clark Duke), der außer seinen vier Kellerwänden noch nicht viel von der Welt gesehen hat. Doch im mittlerweile heruntergekommenen Berghotel erwartet die Vier ein Hangover der besonderen Art: Nach einer durchzechten Nacht, inklusive Bad in einem mysteriösen Whirlpool, hat sich der Ort merklich verändert. Spätestens als plötzlich altbekannte Gesichter in jugendlicher Frische erstrahlen, dämmert es denn Ausflüglern: Das Bad im Whirlpool katapultierte sie ins Jahr 1986 – wodurch sich die Gelegenheit bietet, manch verkorkstes Leben noch einmal völlig neu zu gestalten...

    Viel Neues fügt Pink der Zeitreisethematik nicht hinzu. Auch „Hot Tub" thematisiert die Irreversibilität einmal getroffener Entscheidungen. Ähnlich wie bei den Überlebensregeln aus „Scream" ist es erst das popkulturelle Hintergrundwissen, das die vier Zeitreisenden in diese Zwangslage bringt: Adams Neffe Jacob hat als trendsicherer Heranwachsender natürlich „The Butterfly Effect" gesehen und weiß deshalb, dass jede kleinste Änderung im Zeit-Raum-Kontinuum verheerende Auswirkungen auf die Geschehnisse in der Zukunft haben könnte. Nun heißt es beispielsweise für Adam, wie damals erneut seine Freundin Jennie (Lyndsy Fonseca) in die Wüste zu schicken, obwohl er diese plötzlich doch ganz dufte findet. Und Lou muss sich wieder in eine Prügelei mit seinem Erzfeind Blaine (Sebastian Stan) stürzen, obwohl er weiß, dass diese ein schmerzhaftes Ende nehmen wird. Doch was liegt den Vieren eigentlich an der Zukunft, wie sie sie kennen? Und kollabiert die Wirklichkeit tatsächlich, sollten sie ihr vergangenes Leben noch einmal in vollen Zügen genießen? Die Fragen, die Steve Pink aufwirft, sind nicht weltbewegend, verleiten aber zum Assoziieren und passen sich so gesehen recht geschickt in das Sujet ein. Etwas mehr Eigenständigkeit hätte es dennoch gerne sein dürfen.

    Weiterhin scheint es, als wolle Pink mit „Hot Tub" gleich zwei Generationen bedienen. Dieser Vermittlungsversuch muss jedoch scheitern, denn während an den jüngeren Zuschauern viele Referenzen resonanzlos vorbeirauschen dürften, könnte der recht rüde Humor manch Älterem mehr als nur einmal die Suppe versalzen. Neben reichlich vorhandenem Fäkalhumor der Marke „Borat" ist es vor allem die Sexzentrierung à la „American Pie", welche die melancholischen Momente oft im Keim erstickt. So führt Pink die Schicksale seiner von einer Mid-Life-Crisis geplagten Figuren auf einen Zeitpunkt in der Adoleszenz zurück, an dem jugendlicher Leichtsinn als Erklärungsmuster für ein ganzes Leben in Schieflage herhalten muss. Das mag zwar bisweilen realistischer sein als man zugeben möchte, sentimentale Momente kommen dadurch aber nur selten auf. Seinen großen Vorbildern wird der Film damit kaum gerecht, denn letztlich zehren sowohl „Zurück in die Zukunft" als auch „...und täglich grüßt das Murmeltier" vor allem von ihren griffigen Sujets, die zielsicher um die Themenkomplexe von Einsicht, Verantwortung, Erwachsenwerden und Mut kreisen.

    Richtig punkten kann „Hot Tub" hingegen bei Zuschauern, die sich mit den popkulturellen Produkten der 80er identifizieren können. Das verschneite Berghotel wird zur „Shining"-Referenz, während Alf und Super Mario farbenfroh durchs Bild turnen und auch der längst vergessene Walkman seine Auferstehung auf der Leinwand feiert. Die musikalische Bandbreite der Epoche deckt Pink ebenso geschickt ab: Der suizidale Lou trägt stilsicher eine Lars-Ulrich-Gedächtnisfrisur zu Retro-Lederjacke und Maiden-Shirt, während die Hair-Metal-Ikonen von Poison den Winterfestbesuchern lautstark einheizen. Für den cineastischen Aha-Effekt sorgt unter anderem Crispin „George McFly" Clover, der mit einer äußerst skurrilen Nebenrolle die Lacher auf seiner Seite hat. Chevy Chase mimt hingegen einen mysteriösen Techniker, der mit dem verflixten Whirlpool unter einer Decke zu stecken scheint und für dessen Rolle „Pleasantville" Pate gestanden hat. Zu guter Letzt darf auch der politische Side-Kick nicht fehlen: Lous Antagonist Blaine entpuppt sich als paranoid-militanter Jugendlicher, der in den vier Zeitreisenden gleich invadierende Kommunisten zu erkennen glaubt, als er iPhone und Energy Drinks in deren Rucksack findet. Passend dazu ist das Zimmer des selbsternannten Verschwörungstheoretikers mit „Red Dawn"-Postern ausstaffiert.

    Der Innovationswert ist gleich null, der derbe Humor wirkt oft deplatziert und der rudimentäre Storybogen hält kaum Überraschung parat – und trotzdem macht „Hot Tub" einen Riesenspaß, den auch die Darstellerriege über weite Strecken teilt. Ausgerechnet Aushängeschild John Cusack reißt seine Rolle jedoch etwas inspirationslos herunter - vielleicht saßen dem Ausnahmemimen die Strapazen von Roland Emmerichs Weltuntergangsorgie „2012" noch zu sehr in den Knochen. An den letztjährigen Überraschungshit „The Hangover" kann Pinks schrille Komödie deshalb nicht ganz anschließen – überraschend komisch ist sie aber trotzdem allemal.
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