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    Die Meute
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Die Meute
    Von Christoph Petersen
    Skandale gehören zu einem Filmfestival einfach dazu. Und wenn es keine gibt, dann muss die Presse eben welche erfinden. Gleich am ersten Tag der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes machte die Nachricht die Runde, dass die Vorführung von Franck Richards schwarzhumorigem Zombiestreifen „The Pack" von den Behörden untersagt wurde, weil der Film zu brutal sei. Es fiel nicht schwer das zu glauben, schließlich hat das französische Genrekino mit Werken wie „High Tension", „Inside" und „Martyrs" in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, zu welchen Extremen es fähig ist. Doch wenn man genauer hinschaut, relativiert sich die ganze Aufregung schnell wieder. Sicherlich ist der Film nicht ganz ohne - einem Mann wird ein Nagel durch die Stirn ins Hirn getrieben und ein Arm wird auch ausgerissen -, aber mit den Exzessen in den oben genannten Filmen hat die Gewalt in „The Pack" wenig gemein. Vielmehr ist der Film eine durchschnittlich blutige Horrorkomödie. Und die Behörden haben auch nicht grundsätzlich jede Aufführung verboten, sondern lediglich ein Open-Air-Screening am Strand, zu dem jeder Zutritt gehabt hätte und bei dem keine Alterskontrollen möglich gewesen wären.

    Charlotte (Emilie Dequenne) fährt immer geradeaus bis der CD-Stapel auf ihrem Armaturenbrett durchgehört ist. Als Großkotz Jean-Jean (Eric Godon) und seine notgeile Bikergang die Verfolgung aufnehmen, nimmt sie zur Sicherheit den Anhalter Max (Benjamin Biolay) mit. Bei einer Rast in einer abgelegenen Westernkneipe tauchen die Biker plötzlich wieder auf und drohen damit, Max zu vergewaltigen. Doch da haben die harten Kerle die Rechnung ohne die noch härtere Barbesitzerin La Spack (Yolande Moreau) gemacht. Die ehemalige Ringerin sorgt mit ihrer Shotgun erst einmal für Ruhe im Karton. Doch der Frieden ist trügerisch. Max verschwindet plötzlich und als Charlotte nach ihm sucht, findet sie sich nach einer kurzen Ohnmacht – Hänsel und Gretel lassen grüßen – plötzlich in einem kleinen Gitterkäfig wieder...

    Wenn sich in Deutschland mal jemand traut, Genrekino zu machen, ist das ein solch seltenes Ereignis, dass man jedesmal befürchten muss, die Welt könnte aus den Fugen geraten. In Frankreich gehören Filme aus den Genres Horror, Thriller und Science-Fiction hingegen zum festen Repertoire der einheimischen Filmemacher. Deshalb ist es auch wenig überraschend, dass Franck Richard eine illustre Schaar von gestandenen Schauspielrecken um sich versammeln konnte (viel Spaß demjenigen, der so etwas in Deutschland auf die Beine zu stellen versucht). An vorderster Front steht Yolande Moreau, die zuletzt schon in einigen absurden Rollen („Louise Hires A Contract Killer", „Mammuth") zu sehen war, aber in „The Pack" sogar noch einen drauflegt. Als störrische, die Shotgun schwingende Barfrau und resolute Foltermagd gibt sie dem Affen ordentlich Zucker. Ähnliches gilt für die Routiniers Eric Godon („From Paris With Love") und Philippe Nahon („MR 73"), die da als schwuler Bikerboy respektive pensionierter Sheriff, der mit dem T-Shirt-Aufdruck „I fuck on the first date!" prahlt, kaum zurückstehen.

    Leider reichen die launig aufgelegten Darsteller nur für eine nette erste halbe Stunde, danach hätte noch mehr kommen müssen, um das Publikum bei der Stange zu halten. Doch darauf wartet man leider vergebens. Die Story zerfällt in der zweiten Hälfte in Einzelteile, es tun sich riesige Löcher auf und der Betrachter findet kaum noch Gründe, nicht das Interesse zu verlieren. Zudem hat das Budget nach dem Bezahlen der Schauspieler leider nicht mehr für allzu viele Splatter-Effekte gereicht. Es gibt lediglich eine Handvoll, und die hat man alle schon oft gesehen. Auch der zu Beginn noch breitgestreute Humor bleibt irgendwann auf der Strecke, so dass sich das große Finale schließlich als blutleere und ziemlich öde Angelegenheit entpuppt. Frankreich ist im Bereich Genrekino europaweit ganz weit vorne. Doch „The Pack" trägt nicht gerade dazu bei, diesen Ruf weiter zu festigen.

    Fazit: Stark besetzte, in der ersten Hälfte noch recht amüsante, aber am Ende arg zerfahrene Horror-Komödie ohne den nötigen Biss. Der gefühlt tausendste schwächelnde Zombiefilm, der den Kritiker zu der Empfehlung treibt, sich lieber noch einmal Peter Jacksons Mit-dem-Rasenmäher-gegen-herdenweise-Untote-Meisterwerk „Braindead" reinzuziehen.
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