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My Big Fat Greek Summer
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
My Big Fat Greek Summer
Von Andreas R. Becker
Das Kochen nach bewährten Rezepten ist in Hollywood schon lange oberste Maxime und daran wird wohl auch kaum gerüttelt werden. „Never change a running system“, nennen Informatiker ein ähnliches Phänomen: Nichts grundlos verändern, was wie gewünscht läuft. In der Traumfabrik wird ein Film als funktionierend angesehen, wenn er viele Menschen unterhält. Die Erfolge werden zur Matrix für unzählige Ableger und Varianten. Genau dieses Kalkül ist auch Donald Petries neuer Sommer-Liebeskomödie „My Big Fat Greek Summer“ anzusehen. Der Regisseur hat sich schon mehrfach als Spezialist im romantisch-komischen Fach bewährt, unter anderem beim originellen Miss Undercover. Diese Qualität lässt sich im nicht-wirklichen Nachfolger von My Big Fat Greek Wedding nicht entdecken.

Georgia (Nia Vardalos) hat ihren Job als Professorin für griechische Geschichte verloren und die amerikanische Heimat verlassen, um in Athen als Fremdenführerin zu arbeiten. Das Büro ist schäbig, die Chefin eine nägellackierende Hexe, der Busfahrer Poupi Kakas (Alexis Georgoulis) ein Urmensch und die Touristen die ungebildete Pest. Auf der Fahrt durch die Hitze und antike Ruinen macht sich Georgia bei den eben Genannten schnell durch ihren scheinbar langweiligen Vortragsstil unbeliebt: Warum Geschichtsdaten aufzählen, wenn man auch shoppen kann? Das hat ihr Erzfeind, der brusthaartoupierte Kollege Nico (Alistair McGowan) begriffen. Er schleift seine „rivalisierende“ Touristengruppe aus dem zweiten Bus von einem Souvenirshop zum nächsten und zieht Georgias Herde zu deren Verärgerung auch gerne mit sich. Erst dem amerikanischen Rentner Irv (Richard Dreyfuss) gelingt es, Georgia wieder Freude am Leben zu vermitteln und bald kommt ihr der Busfahrer gar nicht mehr so primitiv vor…

Außer der Besetzung der Hauptfigur mit Nia Vardalos hat der im Original „My Life In Ruins“ betitelte Film so gut wie gar nichts mit dem Indie-Überraschungshit „My Big Fat Greek Wedding“ zu tun. Der dreiste Etikettenschwindel ist ein weiteres Beispiel für das zwanghafte Festhalten am Bewährten, er kann aber nicht über die deutlichen Schwächen dieses Aufgusses hinwegtäuschen. Immerhin braucht Petrie keine fünf Minuten, um die missliche Ausgangslage der Anti-Heldin im spießigen Touri-Guide-Kostüm unmissverständlich zu skizzieren. Ihr Versuch, griechische Geschichte zu vermitteln, scheitert (zunächst) sang- und klanglos an der Ignoranz und Oberflächlichkeit ihrer Schafe. An Verhaltens-, Kleidungs- und Sprachklischees wird nichts ausgelassen, aber leider gibt es nicht den Hauch einer ironischen Brechung, um die Sache ein bisschen prickelnder zu machen: So trinken die Australier Foster’s-Bier, die US-Amerikaner demonstrieren ungebildete Konsumgeilheit sowie schlechten Kleidungsgeschmack und die Briten sind kleptomanisch veranlagt. Was die deutsch-synchronisierte Fassung des Films übrigens gleich nochmal einen ganzen Deut uninteressanter macht: Jeglicher Sprachwitz, der auf den vielen Akzenten beruht, muss hier zwangsläufig sterben – und geredet wird viel.

Nia Vardalos ist in der Hauptrolle als Touristenführerin aber erneut charmant, gestützt wird sie vor allem von Richard Dreyfuss (American Graffiti, Unheimliche Begegnung der dritten Art) in der einzigen sympathischen Nebenrolle als Irv. Der amerikanische Rentner, der zunächst als nerviger Spaßvogel auffällt, nimmt die „unentspannte“ Georgia alsbald unter seine altersweisen Fittiche, um ihr liebevoll-väterlich die Freude am Leben zu vermitteln. Dazu gehört natürlich auch die Liebe und so sieht sie den Vielleicht-doch-nicht-Urmensch und Busfahrer Poupi schließlich auch mit anderen Augen. Am Ende kommt natürlich alles, wie es kommen muss, und das wird einem auf fast schon peinliche Weise mit dem Holzhammer verklickert: Haare auf, rein ins Kleid und Bart ab, rein in den Anzug – fertig ist das Traumpaar. Klarer Fall, dass die „befreite“ Georgia die neu entdeckte Harmonie auch prompt auf die Gruppe überträgt: Piep, piep, piep, wir ha’m uns alle lieb.

Abgesehen von diesen darstellerbezogenen Finessen aus der Mottenkiste hat „My Big Fat Greek Summer“ nur sehr wenig zu bieten. Von der potentiell opulenten Kulisse Griechenlands wird kaum Gebrauch gemacht, eingestreute Helikopter-Kamerafahrten um Ruinen sind meist das höchste der Gefühle. Ansonsten gibt es kaum mehr als eine bis ins Detail vorhersehbare Handlung und eine Reihe ausgelutschter Gags und Binsenweisheiten. Erst in der letzten halben Stunde nimmt „My Big Fat Greek Summer“ ein wenig Fahrt auf, und Petrie wartet zumindest mit zwei hübschen Szenen im familiengerechten Love-&-Sex-Cocktail auf, die im banalsten Hollywood’schen Sinne funktionieren. Dazu erfüllen romantische Hafenansichten und die obligatorische Streicher-Orchestrierung unspektakulär, aber vorbildlich ihre Funktion.
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