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    Frozen - Eiskalter Abgrund
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Frozen - Eiskalter Abgrund
    Von Daniel Jacobs
    „Wenn wir die ganze Woche hier oben bleiben müssen, werden wir sterben." Eine bedrohliche Aussage, die auch aus einem Lehrbuch für Survival-Horrorfilme stammen könnte. Nun wird sich der von einem jungen Darstellertrio und dieser ebenso banalen wie wirkungsvollen Grundidee angetriebene Horror-Thriller „Frozen" vielleicht nicht als Vorzeigewerk dieses Subgenres etablieren, doch überträgt sich die blanke Überlebensangst der Charaktere in einigen Momenten durchaus auf den geneigten Zuschauer. Naheliegende Vergleiche zu anderen Genrebeiträgen wie etwa „Open Water", dem Überraschungserfolg von 2004, wird sich Regisseur Adam Green („Hatchet") wohl öfter anhören müssen, scheuen muss er diese aber nicht.

    Die beiden Studenten Joe (Kevin Zegers) und Dan (Shawn Ashmore) sind seit der ersten Schulklasse die besten Freunde. Der Ausflug zum Mount Hamilton ist für sie über die Jahre zu einer Art Ritual geworden. Die Freundschaft der jungen Männer litt zuletzt aber darunter, dass Dan nun schon seit einiger Zeit eine ernsthafte Beziehung mit der süßen Parker (Emma Bell) führt. In diesem Jahr soll nun auch die Blondine ihren Einstand auf der Skipiste feiern. Mit ihrem weiblichen Charme und ein paar Geldscheinen verschafft sie sich und den Jungs sogar – trotz Dunkelheit und widriger Temperaturen - noch eine nächtliche Fahrt mit dem Sessellift. Der krönende Abschluss des Wochenendes soll es werden: noch einmal wie in alten Zeiten die Piste runterrauschen... Dumm nur, dass der Sicherheitsmann, der den Lift bedient, sie mit drei anderen Snowboardern verwechselt und die Anlage ruhigen Gewissens ausschaltet. Der Lift bleibt in beängstigender Höhe stehen. Während die drei anfangs noch auf einen technischen Defekt hoffen, wird ihnen bald klar, dass sie, wenn es ganz schlecht läuft, bis zum nächsten Wochenende in der Eiseskälte gefangen sind...

    Im Horror-Kino wird wie in kaum einem anderen Genre mit längst bekannten erzählerischen Versatzstücken gearbeitet, die Plots selbst sind daher meist recht einfallslos. Da gibt es ein paar Jugendliche oder junge Erwachsene, die einen vergnüglichen Urlaub verbringen wollen und urplötzlich erweisen sich die Einheimischen als Menschenfresser, ein Massenmörder treibt sein Unwesen oder durch unglückliche Umstände werden die Charaktere in eine ausweglose Situation gebracht. „Frozen" gehört zu den Vertretern von Variante 3 und erweist sich nach unspektakulären ersten Minuten als klaustrophobischer Survival-Horror, als purer, zermürbender Überlebenskampf. Regisseur und Drehbuchautor Adam Green konzentriert sich vollkommen auf seine drei jungen Schauspieler, versucht die Intensität fast ausschließlich über deren Gespräche anzuheben und bringt sie in eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch nicht ganz unmögliche Lage.

    Schon in den ersten Sequenzen des Films wird klar, welches Ungetüm es auf die ahnungslosen Protagonisten der Geschichte abgesehen hat. Das bedrohliche Quietschen der gigantischen Räder, die die Sessellift-Mechanik antreiben, erzeugt in den Totalen des Beginns eine ganz sonderbare Stimmung. Adam Green zeigt uns erst einmal scheinbar ganz gewöhnliche Szenen eines amerikanischen Urlaubs: Da wird ein wenig Snowboard gefahren, über Beziehungen geredet und sich mit lässigen Sprüchen über den „Frauenschwarm" Joe lustig gemacht, der sich manches Mal wie das fünfte Rad am Wagen fühlt. Aber die Atmosphäre wird schnell von einer unbestimmten Furcht infiziert und die Frage, worauf man sich denn hier eigentlich eingelassen hat, liegt in der Luft.

    Wie es überhaupt dazu kommen kann, dass die drei in eisiger Höhe mitten in der Nacht auf einem Sessellift feststecken, soll durchaus realistisch erzählt und mit einem menschlichen Irrtum erklärt werden. Es gelingt nicht ganz, eine wirklich glaubwürdige Lösung zu finden, aber dieser eher erbsenzählerische Einwand kann der Wirksamkeit der inneren Logik des Films nichts anhaben, zumal die Schauspieler Kevin Zegers („Transamerica", „Der Jane Austen Club"), Shawn Ashmore („X-Men") und vor allem die junge Emma Bell („The Walking Dead") ihre Sache wirklich gut machen und so auch die Überzeugungskraft steigern. Zwar geben ihre recht oberflächlich als typische US-Studenten angelegten Charaktere ihnen keine Gelegenheit zur ganz großen Talentprobe, aber es gelingt den Akteuren, Interesse und Mitfgefühl zu wecken und zu erhalten. Die gemeinsam gestellte entscheidende (Überlebens-)Frage für die Protagonisten und die mitfiebernden Zuschauer lautet bald: Wie lange hält man in dieser Kälte aus?

    Leider sind die Dialoge dagegen nicht durchgehend gelungen und die ein oder andere Plattitüde hat sich ins Drehbuch geschlichen. Angenehm fällt aber wiederum auf, dass die schöne Winterlandschaft nicht als optische Ablenkung oder Lückenfüller genutzt wird. Der Fokus liegt fast ausschließlich auf den drei Schauspielern. Dazu passt, dass keine CGI eingesetzt wurden und auch nicht vor einem Greenscreen gedreht wurde. Alles was auf der Leinwand zu sehen ist, wurde tatsächlich in luftiger Höhe irgendwo in Utah gedreht.

    Fazit: Regisseur Adam Green stellt den Zuschauer vor die Frage: „Was würde ich selbst eigentlich in dieser Situation machen? Gibt es einen Ausweg?" Selten hat dies in einem so abwegigen Setting so gut funktioniert wie hier. Nach einem etwas schwächeren Beginn, der an typische Teenie-Horror-Einheitsware erinnert, überzeugt „Frozen", weil Green sich auf seine Schauspieler und die erdrückende Liftanlage konzentriert und so einige wirklich intensive, zermürbende Szenen bieten kann. Auch wenn Logik und Glaubwürdigkeit nicht immer die Oberhand behalten, dürfen sich Freunde des Survival-Horrors auf eine wirklich aussichtslose Lage freuen...
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