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Alles in Butter
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Alles in Butter
Von Melanie Lauer
Familie, Glaube, Patriotismus. Dazu eine moralisch einwandfreie Gesinnung und viel Fleiß, Ausdauer und Energie – das ist das Geheimrezept, das nicht nur einem Präsidentschaftskandidaten zum Wahlsieg verhilft, sondern auch jedem redlichen Amerikaner zu Erfolg, Ruhm und Ehre führen soll. In Jim Field Smiths Independent-Komödie „Butter" dreht sich daher nur oberflächlich alles um die titelgebende Butter, denn eigentlich nimmt der Regisseur genau diese konservative Sichtweise der amerikanischen Gesellschaft mit ihrem verbissenen Ehrgeiz, der engstirnigen Denkweise und veralteten bürgerlichen Moralvorstellungen aufs Korn. Doch dabei bedient sich Field Smith derart konstruierter Charaktere und Handlung, dass er immer wieder über sein Ziel hinausschießt, zumal die satirischen Seitenhiebe ein ums andere Mal danebengehen.

Laura Pickler (Jennifer Garner) führt das Leben einer Vorzeige-Amerikanerin. Seit 15 Jahren ist ihr talentierter, aber nicht sonderlich ambitionierter Ehemann Bob (Ty Burrell) der strahlende Held des Iowa-Butter-Cups, während Laura die Rolle der Frau an seiner Seite ausfüllt. Mit der angesehenen Position als langjähriger Cup-Gewinner sieht Laura ihren Mann schon als zukünftigen Senator – und sich selbst als First Lady! Als Bobs Zeit als Butter-König jedoch abgelaufen ist, wittert Laura eine politische Intrige und tritt empört selbst in den Wettstreit ein, um den Titel auch dieses Jahr nach Hause zu holen. Ihr zielstrebiges Unterfangen gerät jedoch ins Wanken, als plötzlich die zehnjährige Destiny (Yara Shahidi) auftaucht und Juroren und Publikum mit außerordentlichem Talent und ihrem unschuldig-kindlichen Charme in den Bann zu ziehen droht. Mit aller Macht versucht die kampfeslustige Laura nun den Sieg der kleinen Destiny zu verhindern, doch der Einzige, der ihr bei ihrem Feldzug zur Seite steht, ist ihr dümmlicher Ex-Freund Boyd (Hugh Jackman).

Was zunächst wie ein schräger Einfall eines Drehbuchautoren erscheint, gehört in Amerikas mittlerem Westen zur Normalität: das Butterschnitzen. Aus riesigen gefrorenen Butterblöcken werden dort bei alljährlich stattfindenden Landwirtschaftsmessen lebensgroße Butterskulpturen geformt und anschließend prämiert. Neben der traditionellen Butterkuh können die Besucher seit einigen Jahren auch bekannte Persönlichkeiten oder Kunstwerke, geformt aus bis zu 500 kg Butter, bewundern. So ist nicht nur die Vehemenz, mit der die Kandidaten in Jim Field Smiths satirischer Komödie beim Iowa-Butter-Cup antreten, sondern allein das Thema mehr als eigenwillig. Neben befremdetem Kopfschütteln, gibt es aber auch einiges zu sehen: Von Leonardo Da Vincis „Das letzte Abendmahl", dem typisch amerikanischen Schulbus bis hin zur heimeligen Familien-Szene am Esstisch ist bei den Ergebnissen alles dabei, was Butterkunst, Gottesfürchtigkeit und amerikanischer Familiensinn hergibt.

So ist der Dreh, die Butter-Wettkämpfe als Metapher für die konservativen und reaktionären Kräfte in Amerika zu benutzen, nicht so weit hergeholt, wie es anfangs scheint. Nicht zufällig wirkt Lauras Teilnahme am Butter-Cup wie eine Polit-Kampagne, inklusive Lobbyarbeit und Wahlkampfrede. Doch so interessant „Butter" im Ansatz auch sein mag, übertreiben es Regisseur Jim Field Smith („Zu scharf, um wahr zu sein") und Drehbuchautor Jason A. Micallef zunehmend: Der zänkischen, machtgierigen Laura das zauberhafte Waisenkind Destiny gegenüberzustellen ist alles andere als subtil. Und auch die restliche Figurenkonstellation wirkt ebenso konstruiert und verliert dadurch viel von ihrer Wirkung: Da taucht plötzlich eine missgünstige Möchtegern-Geliebte (Olivia Wilde) auf und ringt ebenso wie Bobs größter – und leider mindestens genauso begriffsstutzig wie untalentierter – Fan Carol-Ann (Kristen Schaal) um den Titel der Butter-Schnitzerin. So wird gleich eine ganze Horde von seltsamen Figuren, die nicht ganz stimmig sind, eingeführt, was ebenso wie der ungleiche Wettstreit zwischen Laura und Destiny dem satirischen Grundton schadet.

Doch trotz des fehlenden Feinschliffs des Drehbuchs, ist die hochkarätige Besetzung mit Jennifer Garner, Olivia Wilde, Alicia Silverstone und Hugh Jackmann die größte Stärke von „Butter". Die total überzeichnete Laura Pickler ist eine Glanzrolle für Jennifer Garner („Alias – Die Agentin"), die bei „Butter" auch als Produzentin fungiert: Böse, machtgierig, verbissen, und ganz und gar überambitioniert - die Ehefrau von Ben Affleck spielt das durchtriebene Biest mit geradezu beängstigender Perfektion. Olivia Wilde („Tron: Legacy") reicht als schnippische Stripperin zwar nicht an diese Performance heran, zeigt aber genau wie Hugh Jackman („Les Miserables") als treudoofer Autohändler beachtliches komödiantisches Talent.

Fazit: Die Idee ist gut, doch an der Umsetzung hapert es. Jim Field Smith zeigt mit „Butter" zwar wie sich ein ausgereifter politischer Machtkampf auch in den Gefilden des kleinen Mannes abspielen kann mit seinem übertriebenen und unglaubwürdig konstruierten Wettstreit schießt er jedoch über sein Ziel hinaus. Der in Momenten gelungene satirische Kern verliert dadurch viel an Witz und Kraft.
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