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Faster
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Faster
Von Roger Förster
Mit Trailern ist das so eine Sache: Natürlich wollen die Produzenten dem Zuschauer ihren Film innerhalb kürzester Zeit so schmackhaft wie irgend möglich machen. Bei Actionfilmen wird dann eine Explosion an die nächste gereiht, bei Komödien und Horrorfilmen werden die besten Gags respektive Schockmomente bereits in der Vorschau vorweggenommen. Aber warum sollte man dann eigentlich noch ins Kino gehen? Bei „Faster" gibt es mit dem Trailer hingegen ein ganz anderes Problem. Dieser suggeriert nämlich, was man von einem Film mit dem Titel „Faster" auch erwartet: viel Geballer, coole Oneliner, heiße Frauen – also den perfekten Film für einen entspannten Kinoabend mit Popcorn und Bier. Aber was Regisseur George Tillman Jr. hier präsentiert, ist alles andere als leichtverdauliches Actionkino zum Gehirnabschalten und Spaßhaben. Vielmehr erwartet den überraschten Zuschauer ein düsteres Rachedrama.

Der „Driver" (Dwayne Johnson) hat die vergangenen zehn Jahre im Knast verbracht und nach seiner Entlassung nur noch ein Ziel: Rache! Nach einem eigentlich erfolgreichen Bankraub musste der „Driver" damals hilflos mit ansehen, wie sein Bruder Gary (Matt Gerald) von einer anderen Bande getötet wurde. Nach seiner Entlassung startet er nun einen gnadenlosen Feldzug, um Garys Mörder zur Strecke zu bringen. Ihm auf den Fersen ist der „Killer" (Oliver Jackson-Cohen), ein Auftragsmörder, der sich noch diesen einen letzten Job gönnen will, um anschließend mit seiner Freundin Lily (Maggie Grace) ein neues Leben zu beginnen. Auch die Polizei jagt den wütenden Riesen, vor allem der drogenabhängige „Cop" (Billy Bob Thornton) will kurz vor seiner Pensionierung noch einmal einen spektakulären Fall zum Abschluss bringen, um so auch das Verhältnis zu seiner von ihm getrenntlebenden Frau aufzubessern...

Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass man entgegen der anfänglichen Erwartungshaltung doch eher schwere Kost geboten bekommt, fällt der Zugang zur Geschichte nicht weiter schwer. George Tillman Jr. präsentiert den Rachefeldzug als eine Art Episodenfilm, in dem die Handlungsstränge („Driver", „Killer", „Cop") nur an wenigen Stellen aufeinandertreffen. In Rückblenden sieht man zudem, was sich beim blutigen Bankraub damals wirklich zugetragen hat. Eine wichtige Rolle spielt auch das Autoradio des „Driver", in dem ständig ein Prediger von Vergebung faselt. Obwohl der „Driver" zuhört, geht die Botschaft an ihm vorbei – und das hat seine triftigen Gründe.

Dwayne Johnson gibt den schweigsamen Racheengel, dessen Leben nur noch diesen einen Sinn hat, den Mördern seines Bruders den Garaus zu machen. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (der Ex-Wrestler besitzt enorme Präsenz, aber nur überschaubares schauspielerisches Talent) gelingt es ihm dabei sogar überraschend häufig, im Zuschauer Mitleid für den „Driver" zu erwecken. Es bleibt also zu hoffen, dass sich Dwayne Johnson in Zukunft weiter solche in sein limitiertes Profil passende Rollen aussucht und dafür auf Comedy-Unfug wie zuletzt „Zahnfee auf Bewährung" verzichtet. Billy Bob Thornton („The Man Who Wasn't There") reißt seine Rolle als abgehalfterter „Cop" routiniert runter, aber man fragt sich schon, ob es nicht etwas weniger klischeehafter gegangen wäre, als sich ein weiteres Mal des kurz vor der Pensionierung stehenden, familiär zerrütteten Polizisten als Protagonisten zu bedienen.

Am schwersten fällt die Einordnung des dritten zentralen Charakters. Der „Killer" entwickelt einen regelrechten Sportsgeist, wenn es um die Ausübung seines Berufs geht. Er genießt das Töten, möchte aber trotzdem unbedingt ein neues Leben mit seiner Freundin beginnen. Er kontaktiert zudem eine Therapeutin, der er von seinen Ängsten und Nöten erzählt. Der Zuschauer bleibt bei dem Ganzen aber eher außen vor: Die Probleme eines neurotischen Profikillers, der zudem in Geld schwimmt, erscheinen im Vergleich zu den existenziellen Nöten von „Driver" und „Cop" nichtig.

Obwohl die Geschichte entgegen des Trailer-Eindrucks eher gemächlich vorangetrieben wird, bleiben rasante Actionszenen natürlich nicht gänzlich aus. Recht zu Beginn gibt es etwa eine Szene, die wohl nicht zufällig an den Überfall auf eine Polizeistation aus „The Terminator" erinnert. Später kommt es dann immer wieder zu rasant inszenierten Aufeinandertreffen von „Driver" und „Killer": Auch wenn die Verfolgungsjagden dabei vergleichsweise knapp ausfallen, sind sie doch spannend und auf einem inszenatorisch hohen Niveau.

Dass „Faster" trotz allen Lobs nicht aus der Masse an Schuld-und-Sühne-Filmen herausragt, sondern sich lediglich im soliden Mittelfeld einsortiert, liegt vor allem am fade inszenierten und zudem arg vorhersehbaren Schlusskapitel. Hier wird allzu krampfhaft versucht, die losen Fäden der Story zusammenzuführen. Dabei verheddern sich die Macher zunehmend in einem Knäuel aus biblischen Zitaten, wüsten Verschwörungen und persönlichen Schicksalen.

Fazit: „Faster" ist wider Erwarten kein tumbes Actionfeuerwerk, sondern ein über weite Strecken intensives Rachedrama.
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