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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Rio
Von Anna Welsch
Schwungvolle Samba-Rhythmen, farbenfrohe Karnevals-Umzüge, begeisterte Fußball-Anhänger und wohlgerundete Bikini-Schönheiten – so oder ähnlich sieht die Sonnenstadt Rio de Janeiro in unseren Vorstellungen meist aus. Und genau dieses Bild der brasilianischen Metropole am Zuckerhut präsentiert uns „Ice Age"-Regisseur Carlos Saldanha in seinem neuesten Animationsspaß „Rio". Dabei liegen Klischee und Huldigung recht eng zusammen und auch mancher Gag ist eher plump geraten, aber insgesamt ist die Komödie über den Papageien Blu und seine Odyssee bunte und lebensfrohe Unterhaltung für die ganze Familie, die mit schwungvoller Action, einigen hübschen 3D-Effekten und vielen lustigen Details überzeugt.

Der Papagei Blu (Stimme: Jesse Eisenberg, deutscher Sprecher: David Kross) lebt fernab von den eigenen Artgenossen im kalten Minnesota. Für den blauen Spix-Ara aus dem sonnigen Rio gibt es jedoch nichts Schöneres. Denn hier hat er, nachdem er als Babyvogel gefangen und nach Amerika verschleppt wurde, ein neues Zuhause gefunden, in dem er liebevoll von der Buchhändlerin Linda (Leslie Mann) umsorgt wird. Das harmonische Zusammenleben wird jedoch gestört, als eines Tages der wirre Vogelkundler Tulio (Rodrigo Santoro) an die Tür klopft und aufgeregt berichtet, dass Blue das letzte männliche Exemplar seiner Art sei. Nur wenn Tulio den Vogel mit nach Rio nehmen und dort mit dem letzten weiblichen Gegenstück vereinen könne, habe die Spezies eine Überlebenschance. Nach einigem Zögern ringen sich Linda und Blu dazu durch, das Experiment Arten-Rettung anzutreten. Frisch im vor Lebensfreude nur so sprudelnden Rio angekommen, wird der noch skeptische Blu mit der schönen Vogeldame Jewel (Anne Hathaway/Johanna Klum) konfrontiert. Weil Linda und Tulio den vermeintlichen Turteltäubchen die nötige Privatsphäre in ihrem Vogel-Gehege lassen wollen, merken sie nicht, dass die beiden Papageien von geldgierigen Tierhändlern gestohlen werden. Blu und Jewel können sich zwar schnell befreien, aber damit fangen die aufregenden Abenteuer in Rio erst so richtig an...

Carlos Saldanha, der selbst Brasilianer ist, wartet gleich zu Beginn mit einer farb- und temporeichen, plastisch erstaunlich effektvollen Samba-Choreographie im Dschungel auf und setzt ein Ausrufungszeichen. In der Folge zeigt er, dass er den Anspruch eines Unterhaltungsfilms für alle Altersgruppen ernst nimmt und sorgt dafür, dass tatsächlich für jeden etwas dabei ist. So entfaltet sich für die Romantiker im Publikum eine zarte Liebesgeschichte einschließlich eines gefühlvollen Gesangsduetts zwischen den beiden Papageien - aber bevor der Film in Schnulzengefilde entgleiten kann, unterbricht der Regisseur das Turteln mit strategisch platzierten Witzen oder visuellen Gags. Die einen können sich an knuffig-süßem Animationsgetier ergötzen und die anderen an rasanter Action erfreuen. Tempo und Stimmungslage werden ständig variiert, so dass Tiefgang und Emotionalität zwangsläufig etwas kurz kommen, aber dafür wird es auch nie langweilig. Und es fällt angesichts einiger atemberaubender Sequenzen wie der aus einem misslungenen Flugversuch Blus entstehenden Verfolgungsjagd zu Lande und in der Luft leicht, über einige schale Witzchen und fiese Pointen hinwegzusehen.

Es ist bekanntlich unmöglich, es allen recht zu machen, aber letztlich gerät Saldanha beim Jonglieren zwischen Komödie, Abenteuerfilm, Südamerika-Stereotypen und Liebesschmonzette überraschend selten aus dem Gleichgewicht. Und kommt er doch einmal ins Stolpern, dann macht er das mit netten kleinen Anspielungen und Einzelheiten am Rande wieder wett. Hier seien etwa die diebischen kleinen Affen genannt, die bei drohender Gefahr dafür sorgen, dass sie nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Auch die rundlichen Piepmätze, die zusammengequetscht in einem winzigen Käfig und mit herausquellenden Augen sehr an die glubschäugigen Schlüsselanhänger erinnern, die vor nicht allzu langer Zeit noch überall zu finden waren, können dem Zuschauer ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen zaubern.

Sowieso hat „Rio" in Sachen Nebenfiguren einige Schmankerl zu bieten. Der im Hip-Hop-Slang sprechende Pedro (Will.I.Am/Mr. Reedoo) oder der Anführer der stehlenden Affenbande sind nur zwei besonders gelungene Beispiele. Letzterer hat zwar wirklich nur eine kleine Rolle, kann bei den Hip-Hop-Kennern unter den Zuschauern aber sicherlich für Lacher sorgen, denn die Parallelen zwischen dem mit einer überdimensionalen Uhr behangenen Affen und dem ähnlich gern die Zähne zeigenden „Public Enemy"-Rapper Flavor Flave sind schon recht eindeutig. Eine weitere gelungene Nebenfigur ist die unsagbar fette Bulldogge Luiz (Tracy Morgan), die mit ihrer liebenswerten und leicht trampeligen Art der eigentliche Star und Sympathieträger des Films ist: Mit Hilfe seines glitschig-klebrigen Speichels, der dem unaufhörlich sabbernden Hund in langgezogenen Fäden aus dem Maul tropft, schafft er es unverhofft, Blu und Jewel von der lästigen Stahlkette, die sie aneinanderfesselt, zu befreien. Spätestens als Luiz mit Früchtehut verkleidet und sambatanzend auf einem Karnevalsumzug die Hüften kreisen lässt, hat die Bulldogge auch die letzten Zuschauer im Kinosaal für sich erobert.

Fazit: Witzige Anspielungen, amüsante Nebenfiguren, schwungvolle Action, eine Prise Liebe und jede Menge Samba - Carlos Saldanhas animierte Abenteuer-Komödie „Rio" ist trotz mancher Klischees gelungene Familienunterhaltung mit brasilianischem Beat.
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