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Killer Elite
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Killer Elite
Von
Die Geschichte des Spionage-Thrillers „Killer Elite" ist von der Sorte, die man dem Drehbuchautor als übertrieben und unglaubwürdig um die Ohren hauen würde, wenn sie denn nicht tatsächlich so passiert wäre. Basierend auf dem biografischen Sachbuch-Bestseller „The Feather Man" des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Ranulph Fiennes, erzählt Gary McKendry in seinem Langfilmdebüt von einer Gruppe von Profikillern, die es Anfang der 80er Jahre im Auftrag eines omanischen Scheichs mit der übermächtig erscheinenden Spezialeinheit SAS (British Special Air Service) aufnehmen. Dabei flechtet der für seinen Kurzfilm „Everything in this country must" oscarnominierte Regie-Newcomer die undurchsichtigen, bis heute nicht endgültig aufgeklärten politischen Verstrickungen so stimmig in sein atmosphärisch dichtes Werk ein, dass man beim Zuschauen gar nicht auf die Idee kommt, das teilweise ziemlich absurde Spionagetreiben ernsthaft zu hinterfragen – selbst wenn unnötig zahlreiche Nebenfiguren und manch langgezogener Dialog den Actionfilm hier und da ausbremsen.

Mexiko im Jahre 1979: Der Auftragskiller Hunter (Robert De Niro) rettet seinem Musterschüler Danny (Jason Statham) bei einem Angriff auf einen Autokonvoi das Leben. Ein Jahr vergeht. Während Danny seine blutige Profession nach dem Schock aufgegeben hat, will Hunter noch einmal richtig absahnen. Ohne zu wissen, wen er eigentlich umbringen soll, nimmt er von einem omanischen Scheich sechs Millionen Dollar an. Als der Profi erfährt, dass es sich bei den Zielpersonen um vier Ex-Mitglieder der berüchtigten militärischen Spezialeinheit SAS (O-Ton: „Dagegen sehen die Navy Seals aus wie lausige Anfänger!") handelt, bekommt er es jedoch mit der Angst zu tun und flieht. Er schafft es allerdings nur bis zum Flughafen, bevor ihn die Männer des Scheichs aufgreifen. Nun ist es an Danny, aus dem Ruhestand zurückzukehren und den Job zu Ende zu bringen, damit sein Mentor nicht im Kerker des Scheichs verrottet...


Während der Trailer – nicht ganz ehrlich - ein hochtouriges Actionfeuerwerk verspricht, lässt sich Regisseur McKendry viel Zeit, um die sorgfältigen Vorbereitungen jedes einzelnen Anschlags zu beleuchten. Weil der Scheich will, dass die Morde wie Unfälle aussehen, müssen sich Danny und seine Mitstreiter – von der Insulinvergiftung bis zum ferngesteuerten Lastwagen - richtig was einfallen lassen, um ihren Auftraggeber zufriedenzustellen. Die Actionszenen sind zudem meist kurz und knackig – echte Profis geben anders als die klischeehaften Hollywood-Helden von Michael Bay & Co. eben keinen Schuss mehr ab als notwendig. Das im Trailer ebenfalls in den Vordergrund gehobene direkte Duell zwischen Jason Statham als Killer und Clive Owen als Ex-SAS-Agent Spike kommt zwar erst in der zweiten Hälfte des Films wirklich zum Tragen, entwickelt sich dann aber schnell zum intensiven Katz-und-Maus-Spiel.

Als besonderes Element gibt es immer wieder Szenen, in denen Danny und Spike mit ihren jeweiligen Hintermännern verhandeln: Danny mit einem Auftragsmordvermittler namens „The Agent" (Adewale Akinnuoye-Agbaje), der aus einem Reisebüro heraus operiert, und Spike mit den sogenannten „Feather Men", mächtigen Ex-SAS-Männern, die überall ihre Finger im Spiel haben, aber für ihre Operationen niemals selbst die Verantwortung übernehmen, sondern diese stets auf Zwischenmänner wie Spike abwälzen. In diesen Momenten wird deutlich, dass die Killer auf beiden Seiten am Ende doch wenig mehr sind als Schachfiguren im Spiel der wirklich Mächtigen im Hintergrund.

Bei solch abgründigen Verwicklungen kann es keine strahlenden Helden geben. Jason Statham („The Transporter", „Blitz - Cop-Killer vs. Killer-Cop") überzeugt im Gegensatz zu seinen sonstigen Haudrauf-Rollen diesmal als tragischer Charakter, der sich längst in einem neuen Leben wähnte, bevor er mit aller Gewalt in sein altes zurückgerissen wird. Clive Owen („Inside Man", „Children of Men") ist sogar noch einen Tick stärker und brilliert als desillusionierter Ex-Agent, der eigentlich längst erkannt hat, dass er für die falsche Sache kämpft, aber trotzdem nicht aufhören kann, weil sonst seine ganze Existenz sinnlos wäre. Falls es überhaupt noch eines Beweises bedurfte, dass Clive Owen einen ähnlich guten Neu-Bond wie Daniel Craig abgegeben hätte, ist dieser hiermit erbracht. Ziemlich enttäuschend ist hingegen der Auftritt von Robert De Niro („Casino", „Heat"), der im Gegensatz zu seinen Co-Stars selbst nach dem monatelangen Kerkeraufenthalt seiner Figur noch eine aalglatte, austauschbare Performance runternudelt.

Fazit: „Killer Elite" ist der richtige Film für alle, die sich nach einem Sommer voll effekthascherischer Blockbuster nach knappen zwei Stunden klassischem, handgemachtem Actionkino mit einer gesunden Portion Anspruch sehnen.
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Kommentare

  • Pascal S.
    Also der Film ist gut umgesetzt, nur die Story ist so eintönig...
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