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Madagascar 3: Flucht durch Europa
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Madagascar 3: Flucht durch Europa
Von
Wenn Filmemacher und Produzenten erklären, warum ihr neuer Film in 3D gedreht oder konvertiert wurde, bringt das meist nebulös-fadenscheinige Argumentationsketten hervor, die stets eins gemeinsam haben: Die naheliegende Motivation, nämlich die Aussicht auf vereinfachte Geldmehrung wird kategorisch geleugnet. Angesichts visuell bescheidener Ergebnisse ist sie zuweilen dennoch die einzige plausible Erklärung. Bei Publikum und Kritik hat sich daher längst eine gewisse Skepsis entwickelt, besonders wenn es um Fortsetzungen oder Neuauflagen geht, die plötzlich in 3D daherkommen. Auch Eric Darnell und Tom McGrath verschreiben sich in „Madagascar 3: Flucht durch Europa" nun erstmals der dritten Dimension. Doch das Regieduo, das bereits die ersten beiden Teile der turbulenten Animationsabenteuerreihe zu kommerziellen Superhits gemacht hat, zieht das Unternehmen 3D mit einer solchen Konsequenz auf allen Ebenen durch, dass die erwähnten Bedenken sich hier als deplatziert erweisen. Darnell und McGrath zelebrieren genüsslich den Stil des guten alten Rummelplatz-3D und lassen Objekte, Tieren und Personen auf das Publikum zurasen bis die Schwarte kracht. So ist „Madagascar 3" eine Film gewordene Zirkusattraktion: knallbunt, rasant, spektakulär - und inhaltsarm. Aber wer sich einfach nur von den grandiosen Schauwerten berauschen lässt, wird Spaß haben.

Vier New Yorker Zootiere sind in Afrika gestrandet: Löwe Alex (Stimme: Ben Stiller), Zebra Marty (Chris Rock), Nilpferd Gloria (Jada Pinkett Smith) und Giraffe Melman (David Schwimmer) haben genug vom Abenteuer in Madagascar und wollen zurück in ihre Heimat. Doch die Pinguin-Airline-Gang, die sie zurückbringen könnte, hat sich nach Monte Carlo abgesetzt, um dort mit den Schimpansen ein Casino auszunehmen. Alex und seinen Freunden kommt die rettende Idee: Sie schwimmen kurzerhand ins Fürstentum Monaco, um dort die Pinguine dazu zu bringen, sie nach Hause zu fliegen. Doch in Monte Carlo angekommen, geht alles drunter und drüber. Die versammelte Sippe muss sich vor der Tierkontrolleurin Chantel DuBois (Frances McDormand) in Sicherheit bringen und kann der fanatischen Französin nur mit Müh und Not vorerst entkommen. Auf der Flucht schließen sich Alex und Co. einem Wanderzirkus um den Tiger Vitaly (Bryan Cranston) und die Jaguardame Gia (Jessica Chastain) an. Der Weg führt zunächst nach Rom...


Wenn eine Filmreihe nach zwei Teilen bereits eine Milliarde Dollar eingespielt hat, ist es keine Frage, ob sie fortgesetzt wird, sondern nur wann. Nach „Madagascar" im Jahr 2005 und dem Sequel 2008 sind weitere vier Sommer ins Land gezogen. „Madagascar 3" ist also keinesfalls ein Schnellschuss und das kann man dem technisch brillant realisierten Werk auch ansehen: Der Detail- und Farbenreichtum der Animationen ist verblüffend und die Rasanz, mit der die Filmemacher hier loslegen, beeindruckend. Besonders die Verfolgungsjagd durch Monte Carlo bietet ganz großes Spektakel. Doch der Gipfelsturm-Express „Madagascar 3" durchfährt auch reichlich dünne Luft. Es gibt nur einen Hauch von Geschichte, die Handlung um Löwe und Co., die nach New York wollen und auf ihrem verschlungenen Weg durch Europa von einer durchgedrehten Tierhasserin gejagt werden, strotzt anders als vergleichbare Werke aus der Pixar-Schmiede wie „Ratatouille" und „Die Monster AG" nicht gerade vor Ideenreichtum. Auch der Wortwitz, der den ersten Teil so sehr auszeichnete, köchelt hier auf Sparflamme, weil die Tierfiguren bei der geradezu hysterischen Dauer-Hatz immer kurz vorm Hyperventilieren stehen.

Die heimlichen Stars der ersten beiden Teile, die frechen Pinguine, werden diesmal ein wenig stiefmütterlich behandelt und bekommen zu selten Gelegenheit, ihre Chuzpe in den Ring zu werfen. Publikumsliebling bleibt derweil das Zebra Marty, das mit seiner vorlauten Schnauze für einige launige Momente sorgt. Positiv in Erscheinung tritt die neue Gegenspielerin, die Tierkontrolleurin Chantel DuBois, die von Frances McDormand („Fargo") richtig schön biestig gesprochen wird. Sie wächst zu einer würdigen Jägerin heran, die die Flucht durch halb Europa gnadenlos vorantreibt. Überhaupt zahlt sich der Verzicht auf einen festen Hauptschauplatz wie New York (Teil 1) oder Madagascar (Teil 2) aus, weil durch die ständigen Ortswechsel immer wieder frisches Augenfutter über die Leinwand flimmert. „Madagascar 3" ist wie ein rasender, lauter und bunter Rummelzug, es scheppert, knattert und knallt, dass einem beinahe schwindelig wird. Die jungen Zuschauer und alle, die sich ihr kindliches Gemüt bewahrt haben und auf diesen Zug aufspringen, bekommen eine Menge geboten. Mit seinen unzeitgemäß akzentuierten, geradezu aufdringlichen 3D-Effekten und seinem irren Tempo hat das Animationsabenteuer etwas von einem Jahrmarktsbesuch und von einer Zirkusvorstellung zugleich.

Fazit: Eric Darnell und Tom McGrath knüpfen mit ihrer Animationskomödie „Madagascar 3" an den Vorgänger an und überbieten ihn. Das schlichte Motto für dieses knallige Filmbonbon lautet „Mehr, mehr, mehr" - und das alles in rasantem 3D und möglichst bunt.

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