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    Rush Hour
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Rush Hour
    Von Robert Kock
    Martial-Arts-Filme haben im Westen zwar eine nicht zu unterschätzende, hartgesottene Fanbasis, fristen aber eher ein Nischendasein, wenn es um den Erfolg an der Kinokasse geht. Eine stark amerikanisierte Version dieser Kampfsportkunst im Film bietet Brett Ratners Action-Komödie „Rush Hour“, die allein in den USA 141 Millionen Dollar (weltweit: 244 Mio. Dollar) einbrachte und Jackie Chan auch in Hollywood zu einer salonfähigen Größe machte. „The Fastest Hands In The East Meet The Biggest Mouth In The West.” So lautet der Untertitel und genau das ist auch die Stärke des Films: Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller belebt die ansonsten bestenfalls durchschnittliche Story.

    Soo Yung (Julia Hsu), die Tochter des in Los Angeles lebenden, chinesischen Konsul Han (Tzi Ma), wird vom Untergrundboss Juntao (Tom Wilkinson) gekidnappt. Detective Inspector Lee (Jackie Chan), ein Hongkonger Polizist und enger Freund der Familie, soll auf Drängen des Diplomaten hin in die Ermittlungen einbezogen werden. Das F.B.I. sieht das gar nicht gern und schickt seinerseits den lauten, selbstsüchtigen Macho-Detective James Carter (Chris Tucker) ins Rennen, um Lee von den eigentlichen Ermittlungen fernzuhalten. Schnell merken die beiden unfreiwilligen Partner, dass sie aus völlig entgegengesetzten Welten kommen und nicht viel füreinander übrig haben. Das Schicksal von Soo Yung jedoch eint die beiden und sie beginnen den Fall gemeinsam zu lösen.

    Zum dritten Mal - nach „Auf dem Highway ist die Hölle los“ (1981) und der Fortsetzung „Auf dem Highway ist wieder die Hölle los“ (1984) - tritt Hongkong-Actionstar Jackie Chan in einer Hollywood-Großproduktion an. Allerdings mit dem gehörigen Unterschied, dass er bei den „Canonball“-Filmen einer von mehr als einem Dutzend Superstars war und nicht wie in „Rush Hour“ sich die Anforderung, den Film zu tragen nur noch mit Co-Star Chris Tucker (Jackie Brown, „Money Talks“) teilen muss. Zwei Welten, zwei Kulturen: Dieser Kluft zwischen Ost und West wird in Chans Spiel deutlich Rechnung getragen. Wer den Namen Jackie Chan hört, der kann sich normalerweise auf einen Actionfilm mit Kung-Fu und jeder Menge waghalsiger Stunts freuen. Auch in „Rush Hour“ wirbelt er seine Arme und Beine wieder zahllosen Bösewichten um die Ohren, jedoch weit weniger häufig als in seinen asiatischen Filmen. Dafür kommt jedoch seine komische Seite ausführlicher zum Tragen. Die kann er neben Chris Tucker auch gut ausleben. Letzterer, der schon in Das fünfte Element sein Talent für überzeichnete, vielquatschende, am Rand der Nervensäge stehenden Charaktere bewies, spielt ihn dann aber doch mit seiner Überdrehtheit in einer Szene nach der anderen an die Wand und produziert mit seiner witzigen, großspurigen Art Lacher am laufenden Band. Die Gags sitzen perfekt und unterhalten blendend. Tucker durfte wie oft in seinen Filmen vor der Kamera Dialoge improvisieren, was seinem Spiel zugute kommt.

    Das Zusammenspiel der beiden ist aber nicht nur durch die Dialoge komisch, die allzu oft auf typische Klischees über Schwarze und Chinesen anspielen. Auch die Bewegungen machen viel vom Humor aus, wenn zum Beispiel Carter dem unbeholfenen Lee beibringen will, wie man männlich cool zu Hip Hop tanzt. Auch in den Kampfsequenzen, für deren Choreographie (wen wundert’s?) Jackie Chan selbst verantwortlich war, fließt viel von diesem Witz ein. Da bekommen die Hauptdarsteller schon mal ordentlich eine übergebraten, oder versuchen verzweifelt während des Kampfes, eine Jahrhunderte alte, chinesische Vase vor dem Herunterfallen zu retten, die einen Augenblick später durch ein paar verirrte Kugeln ihr Ende findet.

    Von diesen Gags lebt der Film, der ansonsten leider nicht viel Erfrischendes zu bieten hat. Die durchschnittliche Story funktioniert zwar als roter Faden, hat aber ansonsten soviel dramaturgisches Potenzial wie ein Laib Brot. Irgendwie hat man das alles schon mal gesehen und die Figuren sind ziemlich klischeehaft. Als einziger Darsteller sticht neben den Protagonisten Ken Leung hervor, der den Bösewicht Sang sehr überzeugend mimt. Desweiteren gibt es einige Logikfehler im Film, die aber häufig der Komik geschuldet sind. Ansonsten ist auch die handwerkliche Umsetzung von der Kamera bis zum Schnitt solide.

    Fazit: Wer auf Action-Komödien steht, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Ohne viel Tiefgang bieten sich dem Zuschauer genug Gags und fliegende Fäuste für einen unterhaltenden Abend. Der Soundtrack tut sein Übriges dazu und die Songs (wie "Can I get a" von Jay-Z) funktionieren an den richtigen Stellen. Kurzum: Was für die asiatischen Chan-Fans zu wenige Kampfeinlagen bot, ist für die westliche Fangemeinde eine gute Mischung zwischen „Lethal Weapon“ und dem Beverly Hills Cop mit einem Schuss asiatischem Flair – selbst wenn die Qualität der genannten Referenzen nie erreicht wird.
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