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    Ju On - The Curse
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Ju On - The Curse
    Von Nicole Kühn
    Rechtzeitig zum Kinostart von Der Fluch - The Grudge 2 bringt e-m-s New Media die DVD mit dem Original auf den Markt. Der Stoff aus der Feder des jungen japanischen Regisseurs Takashi Shimizu scheint die Eigenschaften seiner Hauptfigur selbst angenommen zu haben. Ohne Ruhe zu finden, sorgt er in immer wieder neuen Gestalten seit der Entstehung der Urfassung 2000 für gruselige Unterhaltung. Außer den japanischen „Ju On - The Curse 1+2“ (beide 2000) hob Shimizu noch „Ju On - The Grudge 1“ und dessen Fortsetzung (beide 2003) und in der Fassung mit amerikanischen Stars Der Fluch (2004) und „Der Fluch - The Grudge 2“ (2006) aus der Taufe. Für die japanische Variante „Ju On - The Grudge“ ist Teil 3 für 2007 anvisiert. Ein Widergänger par excellence also, der in seinem ersten Auftritt den rauen Charme der mit wenigen Mitteln produzierten Werke an den Tag legt.

    Teil 1 des episodenhaft angelegten Films beginnt mit dem engagierten Einsatz des Lehrers Kobayashi (Yurei Yanagi), der einen tagelang nicht im Unterricht erschienenen Schüler zu Hause aufsucht. Was er vorfindet, ist beunruhigend: Die Wohnung scheint verwahrlost, der Junge verstört. Ein Zeitsprung hievt uns in die Familie Murakami, wo das aufmüpfige Töchterchen Nachhilfeunterricht erhält. Undefinierbare Geräusche verunsichern die Lehrerin. Nicht zu Unrecht, denn alle Familienmitglieder ereilt ein grausiges Schicksal. Vorher jedoch wird die Schule des Sohnes zum Schauplatz des Grauens. Erst dann sehen wir, wie Kobayashi Zeuge seiner eigenen Verwicklung in die Geschichte wird. Doch da ist es für ihn schon zu spät. Nach all den Vorfällen wird das Haus unverkäuflich und Immobilienmakler Tatsuya, der einen Fluch auf dem Haus vermutet, ruft seine Schwester Kyoko (Yauko Daike) zu Hilfe, die einen besonderen Draht zu Übersinnlichem hat. Die jedoch rät ihm eindringlich, das Haus niemandem zu verkaufen, der nicht eine esoterische Sakeprüfung besteht. Kurze Zeit später ist das Haus wieder vermietet…

    Was die Ursprungsversion der inzwischen zur Filmserie avancierten Gruselstory „Ju On - The Curse“ positiv von ihren zahlreichen Sequels abhebt, ist ihre Reduziertheit in den Mitteln, die zu der recht einfach gestrickten Story passt. Das hat durchaus einen gewissen Charme, der jedoch im Lauf der Zeit an Wirkung verliert. Psychologisch hemmt die episodenhaft angelegte Erzählform die Entwicklung einer spannenden Story, bei der man Angst und Leid des Helden miterleben kann. Vielmehr trennen die Kapitel, die jeweils durch den Namen des nächsten Opfers betitelt sind, zunächst die Handlung in scheinbar zusammenhanglose Sequenzen. Da man bereits bei der Titelblende weiß, dass der Namensgeber in den kommenden Minuten gemetzelt wird, hält sich der Adrenalinausstoß in Grenzen, zumal die Schockeffekte recht vorhersehbar sind. Fesselnder ist die Frage, wie die einzelnen Figuren zusammengehören und welchen Weg der Fluch nimmt. Die Zeitsprünge bleiben zunächst ohne Angaben einer Chronologie, so dass man die einzelnen Elemente erst nach und nach in eine logische Abfolge bringen kann. Vieles bleibt dabei jedoch auch offen, und man darf rätseln, ob das ein bewusster Schachzug Shimizus ist oder einfach oberflächliche Drehbucharbeit. Der Ursprung des Fluchs wird bereits ein gutes Stück vor dem Ende enthüllt. Obwohl die Idee dahinter so übel gar nicht ist, gewinnt sie über ihre Funktion als Auslöser des Grauens hinaus kaum Bedeutung für den Plot. Dabei wären der Gelegenheiten einige, dem Metzeln eine Motivation zu geben. Die Struktur macht sehr schnell deutlich, dass es dem Regisseur nicht um eine spannend erzählte Story geht, sondern der Film aus einer Sammlung von Fingerübungen im Gruselgenre entstanden ist.

    Das meiste davon hat man allerdings schon besser gesehen, und das ist nicht allein den fehlenden finanziellen Mitteln geschuldet. Obwohl Ton und Musik funktionieren und eine unheilvolle Atmosphäre andeuten, bevor davon etwas zu sehen ist, wird dieses Potenzial vergeudet. Kamera und Montage konzentrieren sich uninspiriert und in gleichmäßiger Dramaturgie auf die Handlungsschritte, ohne die steigende Angst der Opfer transportieren zu können. Selten übernimmt die Kamera den begrenzten Blickwinkel der Figuren oder rückt ihnen nahe genug auf die Pelle, um ihre Panik spürbar zu machen. Das Licht kennt zwischen normalem Tageslicht und undurchsichtiger Dunkelheit kaum Nuancen, es gibt kein Zwielicht der Ungewissheit. Zwangsläufig bleiben dabei auch die Leistungen der Schauspieler im Hintergrund. Die Figuren bleiben farblos und entwickeln gegenüber dem Fluch keinerlei individuellen Charakterzüge. Jeder reagiert mit hilfloser Erstarrung, das Muster wird gleichförmig wiederholt und führt zusehends zu Ermüdungserscheinungen. Dem könnten wirkungsvoll gesetzte Schockeffekte entgegenwirken, doch die dafür notwendige Geduld, um den Spannungsbogen erst mal ordentlich zu dehnen, bis er ihn endlich reißen lässt, bringt Shimizu kaum auf. So entsteht ein leidlich unterhaltsamer, ungeschliffener Teen-Horror.
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