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Saw VII - Vollendung
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Saw VII - Vollendung
Von
Spätestens seit „Saw 3" war das Horror-Franchise um Jigsaw und seine Folter-Philosophie doch arg verlässlich geworden. Stets musste einer der Protagonisten (Vater, Polizist, Grundstücksspekulant, Krankenversicherer) einen Folterfallen-Parcours absolvieren, während draußen die Polizei dem Killer langsam näher kam - und am Ende hatten Jigsaw und seine Jünger trotz aller Eventualitäten doch immer alles genau so vorhergesehen. Zum offiziellen Abschluss der Reihe (bei wiedererstarkten 24 Millionen Dollar am ersten Wochenende schwer zu glauben), bringen Regisseur Kevin Greutert („Saw 6") und das Autorenduo Patrick Melton und Marcus Dunstan („Saw 4 bis 6") nun aber wieder ein wenig Abwechslung in das festgefahrene Szenario. Zwar gibt es wieder einen Parcours, der aber erstaunlich wenig mit der übrigen Handlung zu tun hat, doch statt herkömmlichen Polizeiermittlungen ist diesmal ein Rache/Amok-Plot in trashig-anarchischer 70er-Jahre-Charles-Bronson-Manier angesagt. Gemeinsam mit den 3D-Effekten, die zwar ihre Fehler haben, aber den Folter-Anordnungen eine frische Seite abgewinnen, sorgt dieser Plotansatz dafür, dass sich „Saw 3D - Vollendung" nach einer Reihe schwächerer Beiträge zumindest wieder im gesunden Mittelfeld positioniert.

Am Ende von „Saw 6" hatte Jigsaw-Witwe Jill (Betsy Russell) auf Anweisung ihres verstorbenen Ehemannes (Tobin Bell) dem Jigsaw-Nachfolger Detective Hoffman (Costas Mandylor) eine Kieferknacker-Maske aufgesetzt, was dieser aber mit einer eingerissenen Wange überlebte. Aus Furcht vor Rache wendet sich Jill an Hoffmans Kollegen Detective Gibson (Chad Donella), dem sie im Austausch für ihre Immunität alles gesteht. Hoffman ist damit naturgemäß gar nicht einverstanden und startet einen blutigen Rachefeldzug. Unterdessen findet sich Buchautor Bobby (Sean Patrick Flanery), der einen Selbstfindungs-Bestseller über seine Erfahrung als Jigsaw-Überlebender geschrieben hat und nun von einer Talkshow zur nächsten tingelt, in einem von Jigsaws berühmt-berüchtigten Parcours wieder. Hier liegt es allein an ihm und seiner von ihm medienwirksam zelebrierten Leidensfähigkeit, seine Geschäftspartner und seine Ehefrau Joyce (Gina Holden) vor dem sicheren Tod zu retten...



Nachdem „Saw 6" 2009 gegen seinen direkten Konkurrenten „Paranormal Activity" an den US-Kinokassen mit einem gemessen am Budget zwar immer noch guten, aber im Vergleich zu den Vorgängern schwachen Einspiel deutlich den Kürzeren zog, ließen sich die Produzenten dazu hinreißen, das vorgezogene Ende der vorübergehend auf mindestens neun Teile angedachten Reihe zu verkünden. Außerdem wurde eine Vertragsoption gezogen, die den zwischenzeitlich bereits zu „Paranormal Activity 2" abgewanderten Regisseur Kevin Greutert dazu zwang, nach „Saw 6" auch noch „Saw 3D - Vollendung" zu inszenieren (da der siebte „Saw"-Teil eigentlich schon einen anderen Regisseur hatte, darf diese Maßnahme ruhig als bloße Boshaftigkeit in Richtung „Paranormal Activity" verstanden werden). Das Positive daran: Kevin Greutert legt im Gegensatz zu den Vorgängern, die mit Ausnahme des ersten Teils stets merklich darauf achteten, eine Hintertür zum nächsten Teil offen zu halten, nun eine gewisse Scheißegal-Haltung (was auch das Überleben der Hauptfiguren umfasst) an den Tag, die dem Film nur guttut.

Als Opium für die Fans dient der Plot um Bobby, der als Jigsaw-Opfer Millionen scheffelt. Beim Abgrasen seines Parcours, bei dem ihm 60 Minuten bleiben, um seine Frau vor dem Feuertod zu retten, werden Augen ausgestochen und Kehlen penetriert, wie man es von einem echten „Saw"-Sequel eben erwartet. Das ist zwar (bis auf den 3D-Effekt) alles nicht neu, aber zumindest verzichtet das Franchise diesmal auf einen sozialkritischen Unterton, der gerade in „Saw 6" mit der Hatz auf Investmentbanker und Krankenversicherer eher platt und peinlich als bissig ausfiel.

Ganz im Gegensatz dazu fällt der Teil um die Fehde zwischen Detective Hoffman und Jigsaw-Witwe Jill, die in der finalen Szene von „Saw 6" ihren Anfang nahm, ziemlich aus dem Rahmen. Hier ist den beiden Jigsaw-Nachfolgern schlicht daran gelegen, sich gegenseitig fertig zu machen, ohne dass ein allumfassender Plan oder ein philosophischer Überbau dahinterstehen würde. Zwar ist der Auftakt, bei dem ein paar Rassisten gehäutet, verbrannt und zerfetzt werden, noch typisch „Saw", aber im Anschluss schlitzt Hoffman gar nicht Jigsaw-like ein paar Polizisten auch einfach mal ganz profan die Kehle durch (etwas Ähnliches gab es zwar auch in „Saw 5", als Hoffmans Kollegen ihm auf die Schliche zu kommen drohten, aber da dauerte der Ausfall nur eine Szene lang an). Damit emanzipiert sich Costas Mandylor auch endgültig von dem stets kontrollierten Tobin Bell, dessen Auftritte im Schlussakkord der Reihe erstaunlich spärlich ausfallen.

Licht und Schatten liegen bei der technischen Umsetzung von „Saw 3D - Vollendung" dicht beieinander. Nachdem sich die Folter-Apparaturen in den vorherigen Teilen doch immer mehr anglichen, erscheinen sie nun wieder in neuem Glanz. Es ist eben doch noch einmal etwas ganz anderes, wenn einem die Gedärme beim Durchsägen eines Frauenleibes entgegenfliegen und nicht einfach nur auf den Boden klatschen. Allerdings leidet darunter der für das Franchise typische dreckige Look: Die Bilder von „Saw 3D - Vollendung" wirken insgesamt viel sauberer und klarer als die der Vorgänger, was aber auch auf Kosten der Atmosphäre geht. Außerdem ist der Einsatz von Computeranimationen, von denen es hier mehr gibt als in allen anderen Teilen, in 3D deutlich leichter auszumachen. Da erscheint das in Fontänen aus den Körpern herausspritzende Blut auch schon mal merkwürdig rosa, was nicht gerade zum Schrecken der jeweiligen Szene beiträgt.

Fazit: Zum Abschluss geht „Saw" noch einmal neue Wege, und das nicht nur wegen der Umsetzung in 3D. Trotzdem täten die Macher gut daran, ihre Ankündigung wahr zu machen und sich nicht von dem guten Einspielergebnis des siebten Teils (bereits am ersten Wochenende wurde das Eineinhalbfache des Budgets wieder reingeholt) zu weiteren Schandtaten hinreißen zu lassen.
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