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    Kong: Skull Island
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Kong: Skull Island
    Von Carsten Baumgardt
    1933 schrieben Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack Filmgeschichte und begründeten mit „King Kong und die weiße Frau“ einen Mythos. Sie erweckten den titelgebenden Riesenaffen mit damals bahnbrechender Stop-Motion-Technik zum Leinwand-Leben und läuteten ein neues Zeitalter der Spezialeffekte ein. Seit damals ist die Faszination für Kong ungebrochen und hat sich in diversen Neuauflagen manifestiert. 84 Jahre nach der Pioniertat kommt mit „Kong: Skull Island“ nun die neueste Lesart des unverwüstlichen Stoffes in die Kinos und führt uns vor allem den technischen Fortschritt vor Augen. Von den Möglichkeiten, die Regisseur Jordan Vogt-Roberts und seinem Team zur Verfügung standen, konnten Cooper und Schoedsack nicht einmal träumen, selbst das abgebrühte Publikum von heute gerät angesichts der bombastischen Effekte des 190-Millionen-Dollar-Spektakels immer wieder ins Staunen. Erzählerisch dagegen hat dieser Franchise-Reboot (es soll weitere Kong-Filme und Godzilla-Crossover geben) nur wenig Substanz, obwohl die „weiße Frau“ jetzt sogar von einer waschechten Oscarpreisträgerin gespielt wird und auch die übrige Besetzung prominent veredelt wurde. Der Fantasy-Actioner ist launiges Hochglanz-Blockbuster-Kino, ein grell-buntes Feuerwerk mit einem Hauch von Trash.

    1973: Amerika befindet sich im Vietnamkrieg und im politischen Ausnahmezustand. Inmitten dieser Turbulenzen wittert „Monsterjäger“ Bill Randa (John Goodman) von der Regierungsorganisation Monarch seine Chance: Er überzeugt Senator Willis (Richard Jenkins), Mittel für eine Kartographie-Expedition im Südpazifik zu bewilligen. Dort gibt es einen durch ein Sturmphänomen geschützten und bisher unerforschten Ort, wo Randa Bahnbrechendes zu entdecken hofft: Skull Island. Gemeinsam mit einem Team aus Militärs, Wissenschaftlern und Zivilisten macht er sich auf die Reise. Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson) soll mit seinen Männern für die Sicherheit der Expedition sorgen, der renommierte Abenteuer-Veteran James Conrad (Tom Hiddleston) die Fährten lesen und die preisgekrönte Kriegsfotografin Mason Weaver (Brie Larson) alles dokumentieren. Beim Anflug auf die Insel ist die Überraschung groß, als Riesenmonsteraffe Kong einen Hubschrauber nach dem anderen vom Himmel holt. Noch mehr ins Staunen geraten die Überlebenden aber, als sie auf den Kriegsveteranen Hank Marlow (John C. Reilly) treffen, der jahrzehntelang auf der Insel überlebt hat und dort nicht alleine haust...



    Jordan Vogt-Roberts, der sich mit seinem Sundance-Hit „Kings Of Summer“ (2013) für dieses Megaprojekt qualifiziert hat, wagt eine fast schon radikale inhaltliche Neuausrichtung der bekannten Kong-Geschichte, indem er seinen Film fast ausschließlich in einem isolierten Ökosystem auf Skull Island ansiedelt. In dieser Konzentration ist „Kong: Skull Island“ näher an „Jurassic World“ als etwa an Peter Jacksons in mehrfacher Hinsicht ausuferndem „King Kong“ von 2005. Einmal auf der Spielwiese des beeindruckenden Schauplatzes angekommen, entdeckt Vogt-Roberts den Michael Bay in sich und serviert grandios aussehende Hochglanz-Bilder vor atemberaubenden exotischen Schauplätzen, launige Sprüche am laufenden Band, Sonnenuntergänge satt, viel CGI-Bumm-Bumm und eine hauchdünne Story. Das ist typisches modernes Blockbuster-Kino mit all seinen Vor- und Nachteilen.

    Nach einem Zweiter-Weltkriegs-Prolog im Jahr 1944 erweist sich Regisseur Jordan-Roberts schnell als großer Liebhaber der 70er, die in den atmosphärisch sehr gelungenen Einleitungssequenzen (nicht nur) mit flotten Sprüchen und schmissiger Musik überzeugend heraufbeschworen werden. Selbst das Plakat von „Kong: Skull Island“ ist von einem Klassiker der Handlungszeit inspiriert, nämlich von Francis Ford Coppolas Kriegsdrama „Apocalypse Now“. Doch die Komplexität dieser anderen Tropen-Expedition erreicht Vogt-Roberts nie, weil jeder Ansatz von thematischem Tiefgang (etwa bei Diskussionen um Gott und die besitzlose Gesellschaft) schlicht im Krawall der Kämpfe versandet. Dass es in diesen Auseinandersetzungen letztlich um nichts anderes als um die Schauwerte geht, wiegt noch deutlich schwerer: Trotz der hohen Zahl an Toten kommt nie ein Gefühl echter Bedrohung oder gar von Verlust auf, es lässt einen vielmehr ziemlich kalt, ob gleich wieder jemand ins Gras beißt oder nicht - wobei konsequenterweise nicht einmal vor der Schauspielprominenz Halt gemacht wird.

    Statt differenzierter Figurenzeichnung gibt es hier trashige Stereotypen, insbesondere Samuel L. Jacksons („Pulp Fiction“) Colonel Packard, der einer verqueren Soldaten-Ehre folgt und seine Männer wider besseres Wissen in den Untergang führen will, schlägt allzu einseitige und zu oft gehörte schrille Töne an. Während Jackson als menschlicher Hilfsbösewicht eingesetzt wird (die wahren Gegner bleiben die mutierten Riesentiere der Insel), sind Tom Hiddleston („The Avengers“) und Brie Larson (Oscar für „Raum“) die Sympathieträger. Sie stehen auf dem „Planet des Riesenaffen“ („Ein Ort, wo sich Mythologie und Wissenschaft begegnen“) für den gesunden Menschenverstand, während John C. Reilly („Chicago“) als „Crazy Santa Claus Time Traveler“ und John Goodman („Boston“) als „Mad Scientist“ mit ihren extrovertierten Auftritten am Rande der Karikatur für kurzweilige Zwischenspiele sorgen.

    Kong, der König von Skull Island, ist hier lange eher eine Randfigur, er hatte in früheren Filmen ein deutlich stärker ausgeprägtes Profil. Vogt-Roberts geht es nicht um die Seele der Kreatur, sondern um ihre Power: Kongs computeranimierte Kämpfe mit dem mutierten Riesenechsen-Getier auf der Insel sind ein echter Hingucker und sie sind nicht die einzigen inszenatorischen Glanzstücke. Auch Tom Hiddlestons stylischer Monsterkampf im grünen Giftgasnebel, Kongs Duell mit einem Tentakelmonster oder ein fieser Angriff von Riesenspinnen, bei dem die menschlichen Protagonisten klein wie Ameisen dastehen, sind beeindruckende Beispiele für spaßig-spektakuläres Kirmes-Kino. Zu ihnen passt auch der augenzwinkernde Humor, mit dem das formelhafte Geschehen insbesondere in der ersten Hälfe aufgelockert wird, wenn John Goodman etwa in einer amüsanten Szene mit Kamera und Blitzlicht bewaffnet in den Nahkampf mit einer Monsterechse geht.

    Fazit: Jordan Vogt-Roberts‘ Reboot „Kong: Skull Island“ ist ein stylischer Hochglanz-Monsterfilm mit grandiosem Setting, exzellenten Spezialeffekten und vielen launigen Sprüchen, allerdings auch mit einer wenig plausiblen Handlung und blassen Figuren.

    Kleiner Tipp: Nach dem Abspann nicht gleich aus dem Kino rennen! Denn es gibt nach der Post-Credit-Szene noch etwas zu sehen - einen Ausblick auf einen kommenden Film!

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