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Triple Frontier
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Triple Frontier

Netflix' Prestigeprojekt wirkt weichgewaschen

Von Christoph Petersen
Zum ersten Mal wurden die Dreharbeiten zu „Triple Frontier“ für Anfang 2011 angekündigt. Seitdem hat sich das Besetzungskarussell beständig weitergedreht: Stars wie Tom Hanks, Johnny Depp, Leonardo DiCaprio, Denzel Washington, Sean Penn, Will Smith, Channing Tatum, Tom Hardy, Mahershala Ali, Casey Affleck und Mark Wahlberg sollten zwischenzeitig die Hauptrollen in dem Action-Drama verkörpern. Zudem wanderte das Projekt 2017 vom Hollywoodstudio Paramount, das nur einen Monat vor erneut angesetzten Dreharbeiten kalte Füße bekommen hatte, an den Streaming-Anbieter Netflix weiter. Aber die wichtigste Änderung ist wohl die, dass „Triple Frontier“ wegen der wiederholten Verzögerungen schließlich doch nicht das nächste Projekt von Oscargewinnerin Kathryn Bigelow und ihrem Stammautor Mark Boal geworden ist. Stattdessen hat J.C. Chandor („Margin Call“, „All Is Lost“) das Skript überarbeitet und auch selbst auf dem Regiestuhl platzgenommen – und wenn man sich den fertigen Film so ansieht, spricht doch einiges dafür, dass er die ursprüngliche Vision dabei ein Stück weit weichgewaschen hat.

Der ehemalige US-Elite-Soldat Santiago „Pope“ Garcia (Oscar Isaac) verdient sein Geld inzwischen als Berater und Söldner für eine südamerikanische Regierung im Kampf gegen die dortigen Drogenkartelle. Als er von seiner Informantin Yovanna (Adria Arjona) den Ort des im Dschungel verborgenen Verstecks des Kartellbosses Gabriel Martin Lorea (Reynaldo Gallegos) erfährt, der auf seinem Grundstück mindestens 75 Millionen Dollar horten soll, gibt er den Tipp allerdings nicht an die lokalen Behörden weiter, sondern wendet sich stattdessen an seine ehemaligen Armee-Kameraden Tom „Redfly“ Davis (Ben Affleck), Francisco „Catfish“ Morales (Pedro Pascal), William „Ironhead“ Miller (Charlie Hunnam) und dessen Bruder Ben Miller (Garrett Hedlund). Gemeinsam wollen sie das schwerbewachte Anwesen überfallen und die hunderten Kilos an Dollarscheinen anschließend mit einem Lastenhubschrauber außer Landes schaffen...

Die Ex-Elitesoldaten schmieden im Dschungel einen Plan, um stinkreich zu werden.


Der für „Batman V Superman“ und „Justice League“ antrainierte Waschbrettbauch ist weg. Stattdessen entdeckt man sogar eine kleine Wampe – und auch sonst sieht Ben Affleck hier ähnlich fertig aus wie auf all den Paparazzi-Fotos, die in Klatschblättern regelmäßig die Geschichten über seine Scheidung und seine Alkoholsucht bebildern. Auch sein Tom Davis, dessen mieser Job als Grundstücksmakler zum Bezahlen der Rechnungen schon längst nicht mehr ausreicht, steckt gerade mitten in einer Trennung. In seinem eigenen Haus darf er nur noch die Garage betreten, wo der Kühlschrank mit seinem Bier steht. So stellt man sich eher keinen Helden vor. Aber wenn er und seine Kumpels in Südamerika das Kartellanwesen überfallen, wirken sie plötzlich wie eine kühl-präzise Kopfschüsse verteilende Version der Casino-Räuber-Truppe um Danny Ocean, mit Santiago und Tom als George Clooney und Brad Pitt.

Die Typen mit den Gewehren sind das kleinste Problem


Dabei stoßen die Ex-Special-Forces übrigens auf überraschend wenig Widerstand. Es gibt im gesamten Film nicht einen einzigen Shootout, bei dem man das Gefühl haben könnte, dass sich hier zwei Parteien auf Augenhöhe gegenüberstehen. Egal ob Kartell-Bodyguards, Bergbauern oder halbstarke Teenager – das Problem sind hier nie die chancenlos unterlegenen Widersacher, stattdessen dreht sich alles um die (allzu leicht verschiebbaren) Grenzen der eigenen Moral: Wie viele (unschuldige) Menschen sind wir bereit zu töten, um unsere eigenen Ziele zu erreichen? Tom ist schließlich Familienvater und William hält vor Soldaten regelmäßig Vorträge über posttraumatische Belastungsstörungen. Sie alle leiden sichtlich unter dem, was sie getan haben (und noch immer tun) – und trotzdem zögern sie keine Sekunde, wenn es dann doch mal brenzlig wird.

Die ersten Brüche in der professionellen Fassade werden sichtbar, wenn Tom von seinem sekundengenau ausgetüftelten Plan abweicht, um stattdessen lieber noch ein paar Milliönchen mehr einzusacken – und die sind es dann auch, die die Truppe wenig später buchstäblich nach unten ziehen werden. Die zweite Hälfte von „Triple Frontier“ mutet fast schon an wie ein ethisches Märchen, in dem sich der angehäufte Wohlstand nicht als die erhoffte Freiheit, sondern als Last um den Hals entpuppt. Da liegt es natürlich nahe, die fünf Elitesoldaten als Sinnbild für das allgemeine Vorgehen der USA in Südamerika zu sehen: Mit perfekter Ausrüstung und vermeintlicher Präzision starten sie ihre Aktion, nur um dann im ausbrechenden Chaos immer wieder die eigenen moralischen Grenzen zu verschieben. So lassen sie dann zwar jede Menge Leichen zurück, erreichen dabei aber kaum einen zählbaren Erfolg.

Tom „Redfly“ Davis (Ben Affleck) hat auch eine düstere Seite.


Deshalb ist auch klar, was Kathryn Bigelow und Mark Boal 2010 so sehr an dem Projekt gereizt hat. Schließlich hatte das Duo in „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ schon zwei Jahre zuvor die gängigen Heldenvorstellungen und Männlichkeitsideale knallhart in Frage gestellt – und wurde dafür mit gleich sechs Oscars (darunter für Drehbuch, Regie und den Besten Film) ausgezeichnet. Diese Ansätze sind nun alle auch noch in J.C. Chandors Version von „Triple Frontier“ präsent, aber sie wirken oft nur halbherzig ausgeführt. Eben fast so wie Überbleibsel aus einem früheren Skript, während Chandor eigentlich lieber einen gradlinigeren Survival-Actioner durchziehen würde – dazu passt dann auch die finale Szene: Ein unfassbar klischeehaftes Happy End, das auf der Zielgerade plötzlich noch den ganzen Film ins Lächerliche zu ziehen droht.

Wo ist Werner Herzog, wenn man ihn braucht?


Und es gibt noch eine andere Sache, bei der man Bigelows inszenatorischen Qualitäten merklich vermisst: Die kurzen, auf Präzision statt auf Krawall getrimmten Actionszenen sind abgesehen von einigen fragwürdigen Computeranimationen bei den Abstürzen eines Helikopters und eines Esels (!) zwar solide umgesetzt. Aber ein wenig mehr Zug hätte da ruhig schon drin sein dürfen. Etwas Ähnliches gilt auch für die Survival-Passagen in der zweiten Hälfte: Ein wirklicher Eindruck davon, welche Strapazen und Anstrengungen die Protagonisten hier tatsächlich hinter sich bringen müssen, wird kaum vermittelt. Da ist der Film zu glattgebügelt und zumindest ein kleiner Funken des Wahnsinns eines Werner Herzog („Rescue Dawn“) hätte hier vermutlich schon Wunder bewirken können.

Fazit: Ein durchaus einnehmendes Action-Survival-Drama, das sich im Verlauf der zweistündigen Spielzeit immer mehr zu einem bitteren moralischen Märchen entwickelt, sich dann aber doch nicht weit genug von der Bewunderung für seine Protagonisten lösen kann, um auch noch den finalen Punch zu landen.

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