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The Final Storm
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
The Final Storm
Von Florian Schulz
Eventuell hat er ja nach einigen wohlwollenden Kritiken zu „Siegburg" und „Darfur" doch realisiert, dass es einen Ruf zu verteidigen gilt. „Zurück zu alter Gewohnheit!" könnte deshalb die Devise von Dr. Uwe Boll gelautet haben, als er sich ein Drehbuch von Tim McGregor geschnappt und daraus ein völlig spannungsarmes C-Movie geschustert hat. Mit einem Budget von 5 Millionen Dollar im Gepäck versucht sich „Raging Boll" in „The Final Storm" an einer apokalyptischen Vision mit biblischer Breitseite - ein Sujet, an dem auch gestandene Regisseure regelmäßig bravourös scheitern. Scheitern ist bei Boll jedoch kein Thema, denn dafür müssten zumindest Ambitionen erkennbar sein. Diesen Eindruck versucht Boll mit seinem penetrant auf Suspense getrimmten Machwerk aber konsequenterweise gar nicht erst zu erwecken. „The Final Storm" spiegelt einmal mehr jenen fleißigen Fließbandproduzenten wider, der in stoischer Regelmäßigkeit Trash-to-DVD-Releases raushaut. Irgendwo zwischen blasser „Akte X"-Episode und groteskem Schauermärchen lavierend, verliert sich der Boll‘sche Weltuntergang in amateurhaften Bildern, flapsigen Dialogen und unbeholfener Symbolik.

Ein Sturm zieht auf, ein sintflutartiger Regen verkündet die nahende Apokalypse. Auf der gemütlichen Farm von Tom Grady (Steve Bacic) und seiner Frau Gillian (Lauren Holly) wird es so langsam aber sicher richtig ungemütlich. Als ob das nicht schon genug wäre, stört auch noch ein entkräfteter Wanderer namens Silas (Luke Perry) die familiäre Endzeitstimmung. Mit seiner Ankunft verstummt schließlich auch noch das Zwitschern der Vögel, das verkündet, dass mit der Welt trotz fieser Stürme im Grunde noch alles im Lot ist. Kein Wunder wird der Fremde daraufhin zur Zielscheibe von Toms Zweifel. Für ihn steht fest: Das alles kann gewiss kein Zufall sein! Der Familienvater fürchtet um das Wohlergehen seiner Familie – zu Recht, wie sich bald herausstellt...

Die Ozeane steigen, Menschen werden fortgespült, die Welt steht am Rande des Chaos. Bereits zu Beginn beweist Boll mit einer lieblosen Collage von Nachrichtenschnipseln fehlendes Gespür für die Integrität seiner Endzeitwelt. Das ist nicht schlimm, weiß der Regisseur doch in Folge sowieso nicht viel mit seinem Rahmensetting anzufangen. „The Final Storm" entpuppt sich stattdessen als kammerspielartiges Psycho-Schauerstück, das sich auf einer kleinen Farm irgendwo in der Pampa zuträgt. Radikaler Minimalismus ist das Stichwort und wohl auch dem Budget geschuldet: Ein vernünftiges Endzeitszenario hätte die läppischen 5 Millionen Dollar wohl bereits in wenigen Filmminuten pulverisiert („The Book of Eli" schluckte etwa stolze 80 Millionen Dollar). Auch in „The Final Storm" setzt Boll auf improvisiert wirkende Dialoge, was aber insofern tragisch ist, als sie im Gegensatz zu „Tunnel Rats" und „Siegburg" hier einem professionellen Skript entstammen. Im nichtssagenden Austausch unterirdischer Dialogfetzen erschöpft sich die Handlung dann meist auch. Eine trashige Hetzjagd mit marodierenden Rednecks gegen Mitte des Films wirkt dagegen richtiggehend erfrischend – nicht, weil sie packend inszeniert wäre, sondern weil man sich nach einer dreiviertel Stunde Dämmerschlaf schlicht nach etwas Krawall sehnt und auch kein Problem damit hat, dass die blassen Charaktere ordentlich aufgerieben werden.

Weitaus penetranter als die farblose Handlung installiert Boll einmal mehr seine Vorstellungen von moderner Rollenverteilung im Rahmen einer Bettszene. Mit offensichtlichem Kalkül porträtiert er die männliche Dominanz während des Geschlechtsakts und lässt die beiden Eheleute anschließend auf Wunsch der Frau in patriarchaler Pose einschlafen. Die Inszenierung des Stelldicheins selbst ist darüber hinaus ein Musterbeispiel misslungener Bild- und Tonmontage - und das nicht nur aufgrund der unpassenden Musikuntermalung, die in ihrer Klebrigkeit die intendierte Provokation völlig der Absurdität preisgibt. Auch das Tempo läuft Boll hier auffällig aus dem Ruder und wird auch im Verlauf des Films nicht vollständig wieder eingeholt. Wilde Schnitte, gewohnt schwankende Handkamera und Logiklöcher rauben „The Final Storm" jegliche Integrität, die von den zumindest teilweise stilsicheren Impressionen einer Welt in Dunst und Nebel hätte ausgehen können.

Mit Silas versucht sich Boll an einer prophetischen Figur. Subtilität ist vom deutschen Wunderkind wohl nicht zu erwarten, aber die Art, wie Boll mit religiöser und mythologischer Symbolik hantiert, ist schon verdammt grobschlächtig. Ein roter Mond, der an eine Photoshop-Spielerei erinnert, und böse Vorahnungen verpackt in klischierte Oneliner sind nur der Gipfel der Einfallslosigkeit. Luke Perry bekommt kurzerhand einen Bibelvers aus dem Lukas-Evangelium auf den Arm tätowiert, der wohl zusammen mit der titelgebenden Sintflut die nahende Apokalypse symbolisieren soll. Andererseits ist aber auch nicht auszuschließen, dass Boll sich die Lukas-Referenz lediglich als schelmische Anspielung auf den Vornamen seines Hauptdarstellers zurechtgelegt hat. Das mag beim Lesen noch nach Futter für einen heiteren Trash-Abend klingen, würde Boll bei aller Unbeholfenheit dieses Mal nicht das Kunststück gelingen, die wilden Versatzstücke dennoch völlig unprätentiös wirken zu lassen.

An dieser Stelle könnte man die Betrachtung mit den Worten abschließen, dass „The Final Storm" sein DVD-Rohmaterial nicht wert ist. Einem täte man damit jedoch gewiss Unrecht: Luke Perry, der nach dem Serienende von „Beverly Hills, 90210" vollkommen von der Bildfläche verschwunden war, kann streckenweise darstellerisch tatsächlich überzeugen. Gezeichnet, bärtig und abgekämpft lässt Boll ihn durch den Dauerregen stapfen. Doch im Gegensatz zu Ex-Terminator-Jungstar Edward Furlong in „Siegburg" gelingt es Perry unter der Fuchtel von Boll, seine Würde zu wahren. Perry spielt seine Rolle souverän und setzt der monotonen Abfolge mehr oder minder nichtssagender Sequenzen hier und da etwas charismatische Präsenz entgegen. Wer sich darüber hinaus das überkandidelte Finale nicht entgehen lassen möchte, kann sich zumindest von den Audiokommentaren Bolls zwischendurch prächtig unterhalten lassen, in denen sich die deutsche Antwort auf Ed Wood wieder ausgiebig über selbstgefällige Kritiker, die korrupte Filmindustrie und die Welt im Allgemeinen echauffiert.
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