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    Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten
    Von Christoph Petersen
    Sherlock Holmes" entpuppte sich vor zwei Jahren als wirklich positive Überraschung: Regisseur Guy Ritchie bewies, dass sein hipper Inszenierungsstil nicht nur für britisches Independent-Kino, sondern auch für Hollywood-Blockbuster taugt, während Robert Downey Jr. in der Titelrolle zeigte, dass seine überragende One-Man-Show als arroganter Superheld Tony Stark in „Iron Man" ganz bestimmt kein Zufall war. Die ebenfalls von Ritchie inszenierte Fortsetzung „Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten" muss nun allerdings ohne diesen Überraschungseffekt auskommen, stattdessen gibt es einfach noch mehr vom selben. Deshalb fällt es auch sehr leicht, das Zielpublikum des Films einzugrenzen: Wer den ersten Teil gesehen hat und sich wünscht, er wäre einfach noch zwei Stunden länger gelaufen, für den ist dieses Sequel genau die richtige Wahl.

    Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) ist einer Verschwörung des sinisteren Professor Moriarty (Jared Harris) auf der Spur, die seinem Widersacher nicht nur immense Reichtümer einbringen, sondern auch noch mindestens Europa, wenn nicht sogar die ganze Welt in einen Krieg stürzen würde. Der Meisterdetektiv ist dabei so sehr in seine Nachforschungen vertieft, dass er darüber sogar den Junggesellenabschied seines besten Freundes Dr. Watson (Jude Law) vergisst. Gleich nach der Hochzeit bricht Watson mit seiner Angetrauten Mary Morstan (Kelly Reilly) in die Flitterwochen nach Brighton auf – aber da haben die Frischverheirateten die Rechnung ohne Holmes gemacht: Um sie in Sicherheit zu bringen, schmeißt dieser Mary kurzerhand aus dem Zug. Anschließend bricht er mit Watson zu einer Reise quer durch Europa auf, um Moriarty doch noch das Handwerk zu legen...



    Schon der erste Teil hatte große Actionanteile, aber „Sherlock Holmes 2" fühlt sich nun endgültig an wie ein ins viktorianische Europa verlegtes Spin-Off von „James Bond" oder „Mission: Impossible". Guy Ritchie präsentiert bombastische Actionschauplätze in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz, wobei er Holmes‘ überragenden Intellekt in erster Linie dazu einsetzt, um den Wechsel von einem Ort zum nächsten zu begründen. Dabei agieren Holmes und Watson nur selten als Detektive im klassischen Sinne. Stattdessen präsentieren sie sich als viktorianische Vorgänger von 007, deren stärkste Waffe nicht ihr Verstand, sondern ihr Talent im Faustkampf und im Umgang mit Handfeuerwaffen ist.

    Moriartys Verschwörung ist dabei über weite Strecken eher Mittel zum Zweck, aber eben dieser Zweck ist ja auch nicht der schlechteste: Guy Ritchies in einer Steampunk-Ästhetik gehaltenen, oft mit Hilfe von extremen Zeitlupen verfremdeten Actioneinlagen sind erneut bestechend, auch wenn sie den vergleichbaren Szenen aus dem ersten Teil nichts Essentielles hinzufügen. Vor allem die Flucht durch einen Wald, bei der Holmes und Watson nicht nur Maschinengewehrkugeln, sondern auch Artilleriegeschosse um die Ohren fliegen, zählt nicht nur zu den beeindruckendsten, sondern sicherlich auch zu den am schönsten anzusehenden Actionmomenten des Kinojahres.

    Das größte Pfund bleibt – Actionfeuerwerk hin oder her – aber natürlich auch in der Fortsetzung das Hauptdarstellerduo. Robert Downey Jr. („Marvel's The Avengers") hatte ja schon in Interviews zum ersten Teil angekündigt, dass er die homoerotischen Untertöne der Beziehung zwischen Holmes und Watson unbedingt noch tiefer ausloten will. Wir haben ihm diese Ansage zwar nicht geglaubt (siehe die FILMSTARTS-Kritik zu „Sherlock Holmes"), aber nun hat er sie doch wahrgemacht: Holmes ist nicht nur eifersüchtig, weil er seinen Freund an die Ehe zu verlieren droht, er absolviert auch einen Auftritt in Frauenkleidern und jede Streiterei mit Watson erinnert an die Paare aus den großen Screwball-Komödien der 30er und 40er Jahre. Wenn der Sprung von Teil 2 zu 3 ähnlich mutig ausfällt wie der von Teil 1 zu 2, dann könnte es in „Sherlock Holmes 3" vielleicht sogar eine Bettszene mit den beiden geben. Einziges Problem: Weil der Witz in den Dialogduellen ein feiner, lakonischer Humor ist, geht gerade an dieser Stelle in der deutschen Fassung extrem viel verloren.

    Wo Rachel McAdams („Midnight in Paris") als Irene Adler und Kelly Reilly („Eden Lake") als Mary Morstan in „Sherlock Holmes" noch für reichlich Frauenpower sorgten, scheint neben dem dauerschäkernden Ermittlerduo in der Fortsetzung kein Platz mehr für das weibliche Geschlecht zu sein: Während McAdams und Reilly recht schnell und unsanft aus der Story entfernt werden, stellt sich die an ihre Stelle tretende Noomi Rapace (berühmt geworden als Lisbeth Salander in der originalen „Milennium"-Trilogie) als Totalausfall heraus - was aber vor allem dem schwachen Drehbuch zuzuschreiben ist: Ihre Rolle als wahrsagende Zigeunerin auf der Suche nach ihrem vermissten Bruder gibt absolut nichts her, aus dem sie etwas hätte machen können. Selbst für einen Hollywood-Blockbuster ist eine solche praktisch nicht-existente Frauenrolle eine Besonderheit.

    Wenn sich die Macher eines „Sherlock Holmes"-Films schon für den Erzfeind des Detektivs als Antagonisten entscheiden, dann müssen sie bei der Zeichnung des legendären Professor Moriarty - quasi der Darth Vader unter den viktorianischen Fieslingen - aber bitteschön auch Vollgas geben. Leider zündet das intellektuelle Duell zwischen den beiden Widersachern jedoch erst im finalen Aufeinandertreffen – bis dahin bleibt Jared Harris („John Carpenter's The Ward") als Moriarty ein Hollywood-Schurke wie jeder andere, was gerade in Anbetracht der riesigen Erwartungen an diesen Part einfach zu wenig ist. Dafür brilliert der britische Kultkomiker Stephen Fry („Der Hobbit: Eine unerwartete Reise") in seinen wenigen Szenen als Sherlocks Bruder Mycroft, der in seinen eigenen vier Wänden gerne nackt herumläuft, selbst wenn gerade feiner Damenbesuch zugegen ist.

    Fazit: Die konsequente Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Holmes und Watson täuscht nur bedingt darüber hinweg, dass „Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten" ansonsten nicht ganz an den ersten Teil heranreicht.
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