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    Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance
    Von Christoph Petersen
    Der Ghost Rider ist kein typischer Marvel-Protagonist wie Iron Man oder Thor - statt als strahlender Retter in der Not entpuppt er sich als waschechter Antiheld, der von der unstillbaren Sucht getrieben wird, schuldige Seelen in die Hölle zu verbannen. Trotzdem geriet der erste „Ghost Rider"-Film von 2007 zum hochglanzpolierten Comic-Blockbuster, dessen Tonfall sich kaum von dem vorangegangener Marvel-Hits wie „Spider-Man" oder „The Fantastic Four" unterschied. Okay, der Ghost Rider trug eine nietengespickte Lederjacke, aber davon abgesehen war er doch nur ein Held wie jeder andere. Diese glattgebügelte Interpretation stieß nicht nur bei den Lesern der Comics, sondern auch beim bekennenden „Ghost Rider"-Fan Nicolas Cage auf Widerstand. Deshalb kämpfte dieser in den vergangenen Jahren auch immer wieder für eine zweite Chance als Darsteller des Anti-Helden - die er nun zu nutzen versteht: „Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance" des „Crank"-Regieduos Mark Neveldine und Brian Taylor ist kein gelackter Hollywoodblockbuster, sondern ein durch und durch rotziger Genrefilm. Damit ist er zwar bei weitem nicht so massentauglich wie sein Vorgänger, aber den Comics wird die deutlich ruppigere Neuauflage viel eher gerecht.

    Um seinen krebskranken Vater zu retten, hat Stuntfahrer Johnny Blaze (Nicolas Cage) einst seine Seele an den Teufel (Ciarán Hinds) verkauft. Seitdem ist er der Ghost Rider, eine Art Kopfgeldjäger Satans, der sich in ein flammendes Skelett verwandelt, sobald er jemandem Bösen zu nahe kommt. Um nicht weiter die Seelen von Verbrechern in die Hölle befördern zu müssen, hat sich Blaze inzwischen nach Osteuropa abgesetzt, wo er seinem Fluch zu entgehen hofft. Aber mit dem Frieden ist es schnell vorbei, als plötzlich der Kampf-Priester Moreau (Idris Elba) hereinstürmt und den Ghost Rider um Hilfe bittet: Der Teufel ist hinter dem 12-jährigen Danny (Fergus Riordan) und dessen Mutter Nadya (Violante Placido) her, weil er hofft, mithilfe des Jungen nicht nur in der Hölle, sondern auch auf der Erde unendlich viel Macht zu erlangen...

    Seit einiger Zeit legt Nicolas Cage alle seine Rollen am Rande des Wahnsinns an und scheut auch vor reihenweise großen Gesten und Übertreibungen nicht zurück - dabei scheint es ihm ganz egal zu sein, ob das gerade passt (wie in „Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen" oder „Drive Angry") oder auch nicht (wie in „Trespass"). Für „Ghost Rider 2" ist diese Art des Vollgas-Schauspielens aber genau der richtige Weg. Statt des handzahmen Johnny Blaze aus dem ersten Film gibt es diesmal einen Ghost Rider, der wie ein Heroinjunkie auf der Suche nach dem nächsten Schuss und nicht wie ein weißer Ritter auftritt. Cage schnieft und zittert die meiste Zeit, als gäbe es kein Morgen. Dabei agiert er zwar immer wieder hart an der Grenze zur unfreiwilligen Komik, aber am Ende kauft man ihm den nach Seelen süchtigen Höllenreiter doch ab – was gar nicht weiter verwundert, schließlich hat Cage 1996 für seine Tour de Force in der letztlich nicht unähnlichen Rolle eines alkoholkranken Selbstmörders in „Leaving Las Vegas" sogar einen Oscar gewonnen.

    Apropos Wahnsinn: Für die Auslotung filmischer Extreme ist das Regieduo Neveldine/Taylor natürlich eine perfekte Wahl. Die beiden haben mit ihren irrwitzigen Nonstop-Actionern „Crank" und „Crank 2: High Voltage" den puren Wahnsinn in Hollywood schließlich erst salonfähig gemacht. Sicherlich werden einige ihre verspielte Videoclip-Ästhetik als schäbig abtun, aber die Jungs wissen ganz genau, was sie da tun. Der Look erinnert sehr an den ihrer Action-Satire „Gamer", und wenn er uns jetzt bei einem Superheldenfilm zunächst als unpassend erscheint, dann liegt das nur an unseren Sehgewohnheiten. Neveldine & Taylor dagegen bleiben sich treu und kennen wie immer kein Pardon: Vor allem die Attacke des Ghost Rider mit einem gigantischen, in Flammen stehenden Bagger auf eine Gruppe von mit Panzerfäusten bewaffneten Gangstern lässt sich nur schwer überbieten, wobei das Duo selbst bei einer solchen effektlastigen (und deshalb ganz sicher nicht billigen) Sequenz seinen rauen Schmuddel-Look konsequent beibehält. Dabei nehmen die Extrem-Regisseure auch in Kauf, dass sich die schnellen Schnitte zuweilen mit dem ansonsten ordentlichen 3D-Einsatz beißen.

    Trotz aller genüsslich zelebrierten Exzesse fehlt uns zur Seligkeit der allerletzte Kick: Sicher, die Ansprache an illegale Downloader im Vorspann und ein feuerpissender Superheld sind mehr als nur ein guter Anfang, aber es hätte noch zwei, drei Nein-das-trauen-die-sich-jetzt-nicht-wirklich-Momente mehr gebraucht, um uns wunschlos glücklich zu machen. Dass solche Szenen hier nicht wie in „Crank 2" im Minutentakt auf das Publikum einprasseln, hat zwei Gründe: Zum einen bietet der Handlungsort in Osteuropa dem Regieduo kaum Möglichkeiten für ihre gern eingestreuten, genial-absurden Popkultur-Referenzen - lediglich in den Zwischensequenzen (Jerry Springer als Satan!) gibt es den dafür nötigen Raum. Zum anderen müssen Neveldine & Taylor im Gegensatz zu ihren „Crank"-Filmen diesmal zumindest nebenbei auch noch eine Geschichte erzählen - und die Story vom Teufel, der einen kleinen Jungen für ein satanisches Ritual benötigt, haut einen weder vom Hocker noch ist sie sonderlich originell.

    Fazit: Rotziger Genrefilm statt polierter Blockbuster - im zweiten Anlauf hat es Nicolas Cage doch noch hinbekommen, seinem Lieblingscomic auf der Leinwand gerechtzuwerden.
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