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Der blutige Pfad Gottes 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Der blutige Pfad Gottes 2
Von Lars-Christian Daniels
Troy Duffy ist für das Filmgeschäft wohl das, was man in der Musiklandschaft ein klassisches „One-Hit-Wonder" nennen würde. 1999 schuf er mit „Der blutige Pfad Gottes" einen von vielen Fans zum Kultfilm stilisierten Actionthriller, der bis heute sein einziges bemerkenswertes Werk geblieben ist. Duffy orientierte sich dabei zwar unübersehbar an großen Vorbildern wie Quentin Tarantino oder Guy Ritchie, konnte aber auch mit viel Schwung und schmissiger Action punkten. Ein Jahrzehnt und unzählige Produktionsquerelen später erscheint nun das fast nicht mehr für möglich gehaltene Direct-to-DVD-Sequel „Der blutige Pfad Gottes 2", für das Duffy erneut Regie und Drehbuch übernahm. Der Film ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass eine Dekade für Filmemacher nicht zwangsläufig genug Zeit sein muss, um sich weiterzuentwickeln: Unausgegoren und ohne nennenswerte Ideen versucht Duffy in der Fortsetzung, den erfolgreichen Vorgänger zu kopieren.

Seit die McManus-Brüder Connor (Sean Patrick Flanery, „Saw VII 3D") und Murphy (Norman Reedus, „Pandorum", „Hero Wanted") als selbsternannte Rächer im Auftrag des Herrn die Bostoner Unterwelt das Fürchten lernten, ist einige Zeit vergangen. Die beiden haben sich mit ihrem Vater „Il Duce" (Billy Connolly, „The Last Samurai") auf eine Farm in Irland zurückgezogen und fristen dort ein gemütliches Leben als Schafhirten. Eines Tages klopft ein Geistlicher an ihre Tür und bittet um Unterstützung: In Boston wurde ein Priester tot aufgefunden, ermordet im McManus-Stil, was natürlich sofort Polizei, Medien und Bevölkerung auf den Plan ruft. Die beiden „echten" Rächer lassen sich nicht lange bitten und machen sich auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Unterstützung erhalten sie dabei von dem durchgeknallten Mexikaner Romeo (Clifton Collins Jr., „Mindhunters", „The Experiment") und von der FBI-Agentin Eunice Bloom (Julie Benz, „John Rambo", „Dexter"), die die örtlichen Ermittler ähnlich alt aussehen lässt wie ihr exzentrischer Vorgänger Paul Smeckes...

Frei nach dem Motto „Never change a winning team" verpflichtete Troy Duffy für „Der blutige Pfad Gottes 2" zahlreiche bekannte Gesichter ein zweites Mal. Der Fortsetzung fehlt aber die mit Abstand charismatischste Figur des Vorgängers, der ein großer Anteil am Hype zuzuschreiben ist: FBI-Agent Smeckes. Die Abstinenz des dereinst fantastisch aufspielenden Willem Dafoe schmerzt, er ist nur in einem kurzen Cameo-Auftritt in den Schlussminuten zu sehen. Da eine Kopie des Exzentrikers von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre, verzichten die Filmemacher im Sequel auf eine ähnliche Figur. Duffy wagt vielmehr die Flucht nach vorn und ersetzt Smeckes durch die emanzipierte Sexbombe Eunice Bloom – mit mäßigem Erfolg.

Es liegt nicht an Darstellerin Julie Benz, dass die FBI-Agentin als Figur nicht annähernd so gut funktionieren will wie Dafoes Smeckes. Sie ist als clevere Bilderbuch-Emanze, die ihre männlichen Kollegen regelmäßig vorführt, einfach viel zu eindimensional angelegt. Bloom darf Detective Greenly (Bob Marley) den Kopf verdrehen und ganz im Stile ihres Vorgängers düpieren, ohne dabei allerdings dessen amüsante Arroganz an den Tag zulegen. Duffy setzt auf Blooms Coolness, manövriert sich dabei aber selbst in eine Sackgasse, da er die Erzählstruktur des ersten Teils allzu konsequent beibehält. Die Idee, die Tatortanalyse den eigentlichen Massakern voranzustellen und danach in Rückblenden die Tat zu rekonstruieren, wird 1:1 übernommen, obwohl sie sich eigentlich schon im Schlussdrittel von „Der blutige Pfad Gottes" totgelaufen hatte. Auch Bloom geistert in Zeitlupe durch die Szenerie und darf dabei unsichtbare Kugeln aus den Fingern schießen.

Anders als Teil 1, der vorwiegend von der Optik und seinen skurrilen Charakteren lebt, können im Sequel auch die Nebenfiguren kaum zum Unterhaltungswert beitragen. Greenlys Sprüche verpuffen ohne Lacher, während das wandelnde Pulverfass Romeo, das in Teil 2 den getöteten Rocco (David Della Rocco) ersetzt, als nervender Sidekick lediglich die Aufgabe hat, langweilige Mexiko-Klischees zu bedienen und Sprüche über seine „bohnenfressenden" Landsleute zu kontern. Auch die inflationäre Verwendung der Wörter „fuck" und „ass" sowie die penetranten Witzchen über Analverkehr sind alles andere als geistreich. Der häufige Slow-Mo-Einsatz, der die zahlreichen Actionsequenzen optisch immerhin ein wenig veredelt, zeigt leider zugleich, dass Troy Duffy seit seinem Debüt nichts wirklich Neues eingefallen ist. Insbesondere der Showdown weckt Erinnerungen an John Woo's Meisterwerk „Im Körper des Feindes", das mittlerweile auch schon dreizehn Jahre auf dem Buckel hat.

Hardcore-Fans von „Der blutige Pfad Gottes" können sich vielleicht trotz aller Schwächen an dieser Fortsetzung erfreuen, zumal das Drehbuch der Vorgeschichte von „Il Duce" einen interessanten Exkurs einräumt. Wer allerdings von Zeitlupensequenzen, Schwulenwitzen und allerlei hirnfreiem Geballer schon nach Teil 1 genug hatte, dem sei von dem schwachen Sequel definitiv abgeraten. Da hat das Genre doch sehr viel bessere Filme zu bieten.
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