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    The Dark Hours
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    The Dark Hours
    Von Deike Stagge
    Fernsehregisseure suchen im Kino hin und wieder mal ein neues Zuhause. So auch Paul Fox, der bislang mit hierzulande gänzlich unbekannten Serien des amerikanischen Fernsehens seine Brötchen verdiente. Mit „The Dark Hours“ hat sich Paul Fox nun am Horrorfilm-Genre versucht.

    Dass der Regisseur aus dem Fernsehserienbereich kommt, merkt man schon an der Länge des Films: nach einer Stunde und knapp vierzehn Minuten ist Schluss mit „The Dark Hours“. Aber auch was bis dahin kommt, lässt den Zuschauer nicht gerade lautstark gegen das vorzeitige Ende protestieren. Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Samantha Goodman (Kate Greenhouse) ist eine erfolgreiche Psychologin, die hauptsächlich mit Triebtätern und inhaftierten Patienten arbeitet. Nicht nur die Erforschung und Behandlung ihres Verhaltens obliegt ihr, sie ist auch für die Bewertungsgespräche in Sachen Freilassung zuständig. Der Vergewaltiger Harlan Pyne (Aidan Devine) hat bei ihr keine Chance. Sie lässt ihn gnadenlos auflaufen, bis er durch ihre Provokation ausrastet und wieder in der Zelle statt der Freiheit verschwinden darf. Als sie erfährt, dass ihr Hirntumor angefangen hat, sich zu vergrößern, will sie ihre Zeit erstmal mit Ehemann David (Gordon Currie) auf einem Kurztrip nach Las Vegas verbringen. Doch der sitzt lieber in einer Blockhütte mit Samanthas Schwester Melody (Iris Graham), um sein Buch weiter zu schreiben. So macht Sam sich auf, die beiden dort zu treffen.

    Doch die Idylle währt nicht lange. Plötzlich steht der gestrandete Adrian (Dov Tiefenbach) vor der Tür und behauptet, von seinen Freunden im Stich gelassen worden zu sein. Schnell enthüllt er sein wahres Gesicht: er kidnappt die drei und wartet mit ihnen auf Harlan Pyne, der sich an Samantha für die Behandlung in der Klinik rächen will. Er spielt gnadenlose Psychospiele mit seinen Opfern, die ihnen nicht nur einiges abverlangen, sondern bringt sie auch dazu, mehr von sich selbst zu enthüllen, als ihnen lieb ist. Zwischen physischer und seelischer Folter brechen die Konflikte der drei Entführten auf. Außerdem wird Samantha durch ihre Krankheit von unheimlichen Visionen gequält, die sie sich nicht erklären kann.

    Fans des deutschsprachigen Genrefilms wird die Geschichte ziemlich bekannt vorkommen. Tatsächlich erinnert die Story sehr an die Produktion „Funny Games“, in der zwei intelligente Psychopathen eine Familie kidnappen, um an ihnen fiese Psychospiele zu testen. Der einzige Schauwert liegt auch bei „The Dark Hours“ im Exploitation-Faktor dieser brutalen Spielszenen. Zwar blendet die Kamera irgendwann immer aus, aber in den Vereinigten Staaten wurde dem Film doch die Jugendfreigabe versagt, weil er eine Szene einschließt, in der sich eine Figur mehr oder minder freiwillig selbst verstümmelt. Aber mit diesen Psychospielchen verpufft dann auch ein Großteil der Energie des Films. Die Charaktere sind nach derart platten Stereotypen geformt, die selbst vor Ablauf der 75 Minuten Spieldauer in jeder Konstellation schon durchschaut sind. Das große Familiendrama enthält leider nur den Überraschungsfaktor einer Tube Zahnpasta. Keiner der Charaktere kann sich im Verlauf der Handlung irgendwie entwickeln, auch die Protagonistin Samantha erfährt ihren Wendepunkt durch die Mitteilung, dass ihr Tumor nicht behandelbar ist, schon nach wenigen Minuten und bekommt keine weiteren Charaktermomente, um sich zu profilieren. Damit sind alle handlungsleitenden Motive festgeschrieben, und der weitere Verlauf von „The Dark Hours“ entwickelt sich seelenruhig nach dem altbekannten Schema eines Horrorfilms - ohne irgendeinen kreativen Einschlag. Die Andeutungen auf die große Schlusswende sind leider so auffällig, dass der Zuschauer den Braten viel zu früh riechen kann, wenn er darauf achtet.

    Filmisch gesehen hat Regisseur Paul Fox versucht, ein paar neuere Elemente des Mise-en-Scene in die Erzählweise einzubauen. Telefoniert Samantha, erscheinen ihr die Personen als Gesprächspartner vor der Nase und sie unterhält sich dann quasi von Angesicht zu Angesicht mit ihr. An sich ist dies keine schlechte Idee, aber die Wirkung dieser visionären Gespräche verliert sich etwas in der Präsentation der Figur von Samantha und der platten Handlung. Die Badszene in der Blockhütte wirkt wie ein Zitat aus „Die Klavierspielerin“. Die Einführung der Figuren nimmt im Bezug auf die Gesamtlänge des Films zuviel Raum in Anspruch. Somit bleibt der Entwicklung des Psychospiels zwischen Harlan und Samantha zu wenig Zeit, um spannende Momente zu entwickeln. Es bleibt bei planbaren Spielen und den vereinzelten Schockmomenten durch (drohende) physische Gewalt. Sympathie für die Charaktere oder ein Mitfiebern will sich nicht so recht einstellen. Auch die Darsteller, die vor allem in Fernsehserien oder bei kleinen Rollen in Kinofilmen ihre Erfahrungen sammelten, spielen ihre Parts glanzlos, wenn auch solide.

    Nur echte Genrefans, die auch Streifen wie „Tabu“ oder „Nine Lives“ in Ordnung fanden, dürften auch Gefallen an den wenigen guten Szenen in „The Dark Hours“ finden. Wer nach durchgehend spannender und schockierender Horrorkunst sucht, sollte im Videothekenregal besser nach einem anderen Film greifen.
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