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Bruchreif
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Bruchreif
Von Daniel Jacobs
Christopher Walken, Morgan Freeman und William H. Macy zählen zu den Altmeistern unter den Charakterdarstellern Hollywoods. Wenn dieses Trio als frustrierte Museums-Mitarbeiter chaotisch den Raub ihrer liebsten Exponate planen, dabei fast an einer etwas zu überdrehten Frau scheitern und dazu typische Kniffe des Heist-Films zur Anwendung kommen, sollte Unterhaltung auf gehobenem Niveau garantiert sein. Doch Peter Hewitts Gauner-Komödie „Bruchreif", die es infolge einer Pleite des Verleihers nie in die Kinos schaffte, kommt trotz einer wirklich süßen Story-Idee und eines notorisch nackten William H. Macy leider nicht über das Genre-Mittelmaß hinaus.

Roger Barlow (Christopher Walken) liebt „The Lonely Maiden". Seit Jahren bewundert der Museums-Aufseher Tag für Tag dieses für ihn vollkommene Gemälde einer jungen Schönheit. Wird eine Touristen-Gruppe von einer Führerin auch nur im Detail falsch informiert, schreitet er sofort ein. Denn er weiß einfach alles über das Werk. Doch dann kommt der Schock: Sein Arbeitgeber hat eine Partnerschaft mit einem dänischen Museum beschlossen, die einen Exponaten-Tausch vorsieht. Das Kunstwerk soll tatsächlich skandinavischen Avantgarde-Stücken weichen. Dem Gästebetreuer Charles (Morgan Freeman) geht es ähnlich wie Roger: Seit Jahrzehnten verbringt er die Tage vor und mit seinem persönlichen Lieblingsgemälde, doch nun muss er sich bald verabschieden. Wenn die beiden Museumsbediensteten nicht nach Dänemark ziehen wollen, dann müssen sie einen Weg finden, die Kunstwerke bei sich zu behalten. In Nachtwächter George (William H. Macy), der das Zwangsexil einer bewunderten Statue eines nackten Mannes verhindern will, finden Roger und Charles einen weiteren Verbündeten für einen ausgeklügelten Plan: Sie wollen die Kunstwerke in einer waghalsigen Mission vor dem Transport in das so weit entfernte Dänemark bewahren. Doch dafür müssen die drei angehenden Gauner erst einmal an Rogers Frau Rose (Marcia Gay Harden) vorbei...

Angesichts des durchwachsenen Endergebnisses stellt sich durchaus die Frage, wie es den Produzenten gelang, eine solch hochkarätige Besetzung zusammenzubekommen. Das Hauptargument dürfte jedenfalls kaum die künstlerische Reputation von Regisseur Peter Hewitt gewesen sein, denn der brachte „Empfehlungen" mit wie den unterirdischen „Garfield" und das alberne Tim-Allen-Abenteuer „Zoom". Nicht gerade eine Vita, die außerhalb von Kindergärten und Vorschulen überzeugen kann. Das Drehbuch von Michael LeSieur („Ich, du und der Andere") könnte da schon eher ausschlaggebend für das Interesse der Stars gewesen sein, denn im Kern erzählt es eine fast rührende Geschichte über drei alternde Männer, in der auch amüsante Kleinigkeiten nicht zu kurz kommen.

LeSieur sorgt also für den einen oder anderen Schmunzler und die Schauspielveteranen haben sichtlich Spaß an den amüsanten Schlenkern. Insgesamt wird das Vergnügen jedoch von einigen Längen getrübt und auch die Häufung von Mängeln in Logik (Walken kann ein Kunstwerk fast ohne Gegenwehr entwenden) und Handlungsführung macht sich negativ bemerkbar. Da hilft es nicht, dass Regisseur Peter Hewitt sich in bester „Garfield"-Form präsentiert. Er weiß mit dem geballten Charisma seiner Stars kaum etwas anzufangen und holt aus den Schauspielrecken nur unwesentlich mehr heraus als aus dem fetten computergenerierten Kater. In der einzigen Szene, in der ein Hauch von Fantasie zu spüren ist, sind die Charakterdarsteller bezeichnenderweise nicht einmal zu sehen: Mit „Mensch ärgere dich nicht"-Figuren werden alle möglichen Szenarien des geplanten Raubes in niedlicher Stop-Motion-Technik durchgespielt.

Von der kleinen Szene mit den Spielfiguren abgesehen ist „Bruchreif" durch und durch unoriginell umgesetzt. Man wird das Gefühl nicht los, gerade ein weiteres „Ocean´s Eleven"-Sequel zu sehen, nur diesmal im Independent-Stil. Die Darsteller sind nicht mehr ganz so knackig und der Diebeszug weniger spektakulär, aber es wird eine ähnlich Balance zwischen Witz und Raub angestrebt. Gegen eine kompetente Anwendung bewährter Methoden ist auch gar nichts zu sagen, allerdings wirken elaborierte Splitscreen-Sequenzen und die funkige musikalische Untermalung des Geschehens, die bei Soderbergh wesentlich zum Cool-Faktor beitragen, in dem gänzlich anderen Ambiente von „Bruchreif" etwas fehl am Platz. So kommt es leider des Öfteren auch zu Momenten, in denen man nicht mit den Darstellern lacht, sondern über sie.

Das Können der Darsteller, sei es nun Morgan Freeman (Oscar für „Million Dollar Baby"), Christopher Walken (Oscar für „Die durch die Hölle gehen"), William H. Macy (Oscarnominierung für „Fargo") oder Marcia Gay Harden (Oscar für „Pollock") ist hinlänglich bekannt, leider wird es hier kaum gefordert. Unter Hewitts Regie zeigen sie allesamt routinierte, für sie mehr oder weniger durchschnittliche Leistungen. Der eigentliche Protagonist ist dabei Walkens Figur, die auch am meisten Substanz besitzt, obwohl das DVD-Cover etwas anderes suggeriert. Mit Roger starten wir in die Geschichte, wir sehen seine privaten Problemchen mit seiner Frau Rose, die unbedingt nach Florida ziehen möchte. Christopher Walken wirkt in dieser Rolle so alt wie nie zuvor. Man sieht ihm an, dass für ihn eine Welt zusammenbrechen würde, wenn „sein" Gemälde nach Dänemark umziehen muss. Seine Performance erinnert in wenigen guten Momenten an die von Jack Nicholson in „About Schmidt". Dagegen wirkt Morgan Freeman in einigen Sequenzen fast so, als würde er sich fragen, warum er hier nur mitmacht. Er spielt wie auf Autopilot: Cool ist er immer noch, bewegend diesmal nicht so sehr. Marcia Gay Hardens soll als Rose nerven und überdreht wirken, und genau das tut sie, während Macy als gruselig-komischer Nachtwächter, der sich in unbeobachteten Momenten gerne nackt neben seine geliebte Statue stellt, für die meisten Lacher sorgt.

Fazit: Die Heist-Komödie regt eher zum Schmunzeln an, als dass sie wirklich lustig ist. Die Planung des Kunstraubes ist charmant erzählt, in der Ausführung aber doch sehr einfach gestrickt und nicht wirklich spannend. Die Darstellerriege enttäuscht nicht komplett, kann aber auch wegen des unterdurchschnittlichen Regisseurs ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Ein netter Film, allerdings nicht ganz so nett wie ein Museumsbesuch in Dänemark.
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