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    The Vatican Tapes
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    The Vatican Tapes
    Von Thomas Vorwerk
    Der phänomenale Erfolg des „Blair Witch Project“ hat das Horrorgenre 1999 nachhaltig verändert. Das Prinzip Found Footage mit seinem vermeintlichen dokumentarischen Anspruch wurde seitdem in unzähligen Variationen (von „[Rec]“ über „Cloverfield“ bis zur „Paranormal Activity“-Reihe) mit immer leistungsstärkeren Videokameras durchdekliniert. In Mark Neveldines („Crank“, „Ghost Rider 2“) „The Vatican Tapes“ sind es nun nicht mehr die Protagonisten selbst, die mit wackligen Händen filmen, sondern die vorgeblich authentischen Bilder des Klerikal-Horrors entstammen einem umfassenden Netz fest installierter Überwachungskameras (und -monitore). Dadurch gewinnt die Geschichte einer dämonischen Besessenheit und eines Exorzismus allerdings nur ansatzweise an Wirkung und an Überzeugungskraft.

    Die 27-jährige Angela (Olivia Taylor Dudley) verletzt sich beim Aufschneiden einer Geburtstagstorte am Finger und wird etwas später an derselben Stelle von einer Krähe angegriffen. Diese harmlos wirkenden Erlebnisse haben allerdings nicht nur eine unschöne Entzündung zur Folge, sondern sie führen auch dazu, dass sich Angelas Charakter verändert. Durch düstere Visionen verstört greift sie einem Taxifahrer ins Steuer und im Krankenhaus ertränkt sie beinahe ein Neugeborenes. Kurzum: Sie wird zu einer Bedrohung und landet in einer psychiatrischen Anstalt. Der örtliche Geistliche Pater Lozano (Michael Peña) will Angela helfen - und fordert für einen Exorzismus Verstärkung aus dem Vatikan an. Doch bei der bösen Macht, die die Dame mit dem Engelsnamen heimsucht, handelt es sich nicht um einen Wald- und Wiesendämon: Der Antichrist persönlich scheint seine Hände im Spiel zu haben...


    Obwohl man im Pressematerial nichts über einen geplanten Ausbau des Films zu einem neuen Franchise findet, hat „The Vatican Tapes“ deutlich den Geschmack eines Pilotfilms, der einen vor allem neugierig machen soll auf das, was danach passiert. Die Figuren werden vorgestellt, es gibt eine Menge Querverbindungen (Militärvergangenheit, Zugehörigkeit zur katholischen Kirche), die aber für die Handlung keine unmittelbar bedeutende Rolle spielen. Und die Grundidee einer riesigen Geheimbibliothek im Vatikan, in der seit Jahrhunderten über sämtliche Fälle von Besessenheit Buch geführt wird, erinnert stark an das Konzept von Chris Carters 90er-Jahre-Fernsehserie „Akte X - die unheimlichen Fälle des FBI“. Nur dass diesmal eben die Spezialagenten des Heiligen Stuhls unterwegs sind - und nebenbei Verschwörungen in den eigenen Reihen fürchten müssen.

    Auch die eher sparsamen Effekte (aufgemotzt durch eine hohe Schnittfrequenz), die Auswahl der soliden Darsteller aus der zweiten Reihe und die Filmlänge von fast exakt anderthalb Stunden verstärken den Eindruck des „Anfixens“. Das Problem dabei ist nur, dass der sich abzeichnende langwierige Endkampf von Gut und Böse und das große Rätsel um die Vatikan-Bänder deutlich interessanter sind als die Haupthandlung um die unglückliche Angela. Denn die gerät trotz der Verankerung im Alltag (Regisseur Neveldine: „Was in diesem Film geschieht, könnte auch dir wirklich passieren. Es könnte jedem passieren.“) schnell ins erzählerische Abseits, auch weil Hauptdarstellerin Olivia Taylor Dudley schauspielerisch nicht mit ihren Co-Stars Michael Peña („Ant-Man“) und Djimon Hounsou („Guardians Of The Galaxy“) als Vikar Imani mithalten kann. Sie sieht zwar aus wie eine Mischung aus Reese Witherspoon und Kirsten Dunst, aber von der talentierten Scream-Queen („Chernobyl Diaries“) zur Leinwandpräsenz der genannten Kolleginnen muss sie noch einen weiten Weg zurücklegen.

    Fazit: In „The Vatican Tapes“ wird zum soundsovielten Mal die Geschichte eines Exorzismus erzählt – immerhin mit ein paar recht frischen Twists. Doch im Endeffekt macht der Film Appetit auf etwas, das erst noch kommen muss (und wahrscheinlich nie kommen wird).
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