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    Dune - Der Wüstenplanet
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Dune - Der Wüstenplanet
    Von Sven Maier
    „Tief im menschlichen Unterbewusstsein versteckt, existiert ein durchdringendes Bedürfnis, das Universum in logischer Konsequenz in seiner Gänze zu erfassen. Aber das Universum befindet sich immer einen Schritt jenseits der logischen Erfassbarkeit.” (Der Wüstenplanet, 1965). Nach seinem Erfolg Der Elefantenmensch wandte sich Regisseur David Lynch dem Science-Fiction-Genre zu. In Frank Herberts Roman „Der Wüstenplanet” (original: „Dune”) fand der eigentümliche Regisseur viele Themen wieder, die ihn selbst schon lange beschäftigten. Damals wusste er jedoch noch nicht, wie groß der Druck der Produzenten auf das Projekt sein würde ...

    Wir schreiben das Jahr 10191. Die mächtigen Adelshäuser Atreides und Harkonnen kämpfen hartnäckig um den Abbau der Droge „Spice” auf dem Wüstenplaneten Arrakis, auch genannt: Dune. Wer über das Spice, das einen bemächtigt, mittels Gedanken durch den Raum zu reisen, herrscht, regiert das Universum. Padisha Imperator Shaddam IV. bringt Vladimir Baron Harkonnen (Kenneth McMillan) und seine Leute zum Mord an Leto Atreides (Jürgen Prochnow). Nur durch Zufall können sich dessen Sohn Paul (Kyle MacLachlan) und seine Mutter aus der Gefangenschaft befreien, sie müssen aber auf Arrakis notlanden. Dort treffen sie auf das Wüstenvolk der Fremen, bei denen eine Prophezeiung existiert, dass einmal ein Mann kommen werde, um den Krieg zu beenden und sie aus der Dunkelheit in die Freiheit zu führen. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es sich dabei um Paul handelt ...



    David Lynch - das ist mittlerweile eine Marke, stellvertretend für mysteriöse, undurchschaubare und alptraumhafte Filme. Mit Lost Highway (1997) und Mulholland Drive (2001) hat sie sich unsterblich ins Hirn der Mysteryfans gebrannt. Obwohl Lynchs Stil wahrlich nicht jedermanns Sache ist, wird er hoch gelobt. Nur ein Film wird dabei oft ausgenommen: „Dune – Der Wüstenplanet”.

    Der Meister Lynch hat gesagt, dass Science-Fiction ihn nicht am Roman interessiert hat, sondern hauptsächlich die Charaktere und ihre Motivation. Aber was ist Science-Fiction überhaupt, wenn nicht die Darstellung von Menschen in einer anderen Zeit, die Rückschlüsse auf die Gegenwart ziehen lässt? Ob wissenschaftlich plausibel oder nicht, seit den 50er Jahren und spätestens mit dem Krieg der Sterne (1977) musste ein anderer Begriff verwendet werden für Märchen im Weltraum: die „Science Fantasy”. Obwohl die althergebrachten Herrschaftsstrukturen mit Herzog und Baron zwar viel deutlicher als in George Lucas’ Weltraumphantasie sind, wartet Lynch dagegen mit einem ungleich düstereren, dreckigeren und erwachseneren Universum auf. Dazu kommen die mystischen Elemente wie das Spice und die Prophezeiung viel stärker zum Tragen. „Dune” ist die faszinierende Reise eines jungen Helden, wie ein einziger Traum, teilweise bedrückend düster, teilweise wunderschön gefilmt.

    Die Erzählweise des Films sticht durch eine ungewöhnliche Besonderheit hervor, die nicht nur dazu dient, den ihn zu verkürzen: Indem Lynch die Gedanken der Charaktere an verschiedenen Stellen preisgibt, kann er die Gedanken des Zuschauers lenken, ohne alles zeigen zu müssen. Betrachtet man den Roman, wird einem schnell klar, was Lynch daran so fasziniert hat. Der Einfluss des Buchs auf „Star Wars” ist offensichtlich. Die „Zauberkräfte” der Bene Gesserit ähneln zum Beispiel stark den Fähigkeiten der Jedi-Ritter. Frank Herbert schuf aber keine simple „Space Opera”. Er vermischte philosophische und religiöse Elemente in seiner von politischen Intrigen durchzogene Geschichte, über das Wesen des Menschen, des Universums und unsere Unfähigkeit es zu erfassen. Aus diesem Grund ist der Roman, der zu einem ganzen Zyklus gehört, viel größer angelegt, enthält viel mehr Details und Hintergründe, als man in einen einzigen Film hätte packen können.



    Charakteristisch für „Dune” sind die riesigen Sandwürmer auf dem Planeten Arrakis, deren Anblick man nicht so leicht vergessen kann, genauso wie die eindrucksvoll zurückentwickelten Sets der Zukunft. Die Spezialeffekte der Schutzschilde wirken heutzutage leider leicht angestaubt. Die restlichen Effekte sind dafür umso effektiver. Genauso wie die einprägsame Musik von Toto, die einen in Lynchs Bilderwelt förmlich hineinzieht.

    Der damalige Newcomer Kyle MacLachlan spielt den Erlöser Paul Muhadib mit jugendlicher Leichtigkeit, unterstützt wird er von bekannten Gesichtern wie Max von Sydow (Flash Gordon), Jürgen Prochnow (Das Boot), Brad Dourif (Herr Der Ringe - Die Rückkehr des Königs, Herr der Ringe - Die zwei Türme) und Sänger Sting, aber auch Serien-Schauspieler Patrick „Captain Picard” Stewart (noch vor „Star Trek”) und Dean Stockwell („Battlestar Galactica”) geben ihr Stelldichein. Als herrlich hässlicher Bösewicht kann Baron Harkonnen (Kenneth McMillan), der krasse Gegensatz zum stillen Schönling Feyd (Sting), auftrumpfen. Der mit Pusteln überzogene fettleibige Baron, der Blutsauger mit seiner Anti-Schwerkraft-Maschine und der dreckigen Lache, schafft dem Film einen starken Widersacher. Das Hässliche hat hier seinen Platz, genau wie das Schöne.

    Lynch, dem zuvor der Regiesessel bei Die Rückkehr der Jedi-Ritter, dem letzten Teil der „Star Wars”-Saga angeboten worden war, fiel die Wahl auf den originellen Stoff „Dune” leicht. Er hoffte damit, seine eigene Vision zu schaffen, unabhängig von einem bereits bestehenden Franchise. Aber die Produzenten des 40 Millionen Dollar teuren Spektakels hatten schon genaue Vorstellungen davon, was aus Herberts populärem Roman zu machen war und übten Druck auf Lynch aus. Raffaella und Dino De Laurentiis verlangten nach einem kürzeren Film, den man öfter am Tag in den Kinos zeigen konnte, um so die Produktionskosten schneller wieder einzuspielen. Darum musste Lynch einige Szenen nachdrehen, eine Erzählerin einfügen und viele andere Szenen fielen der Schere zum Opfer. Die Strategie der Produzenten ging jedenfalls nicht auf. „Dune” erwies sich als kommerzieller Misserfolg.

    Man kann nur spekulieren, wie die ursprüngliche Vision des Regisseurs ausgesehen haben mag. Vielleicht war es gut, dass Lynch so feste Auflagen hatte, schließlich steht fest, dass „Dune” leichter zugänglich ist als andere Lynch-Filme, während er genau wie sie zu faszinieren vermag. Er birgt immer noch genug Rätselhaftes und Verschlüsseltes, hält sich aber gleichzeitig an eine klassische Handlungsstruktur und erzählt eine geradlinige Geschichte. Für „Star Wars”-Fans und alle, die es vor der neuen Trilogie waren, ist „Dune” jedenfalls eine ernsthafte Alternative.
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