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    Stolz und Vorurteil & Zombies
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Stolz und Vorurteil & Zombies
    Von Thomas Vorwerk
    Was in der Studentenküche der Tomatenketchup ist, sind in der Filmbranche (und bei Marvel-Comics) die Zombies: Sie geben jedem Rezept die wiedererkennbare Note, die richtige Würze, die auch leicht Verkochtes retten kann - solang man keine elitären kulinarischen Ansprüche hat. Auch wenn man auf den ersten Blick denken könnte: Ketchup auf Birnenjoghurt oder Thunfischsalat - schmeckt das überhaupt? Ähnlich seltsam ist die Kombination von „Stolz und Vorurteil & Zombies“. Jane Austens klassische Liebesgeschichte wird durch die Horror-Zutat von Vorlagenautor Seth Grahame-Smith (der übrigens auch den Roman „Abraham Lincoln, Vampire Hunter“ geschrieben hat) zwar auch im Kino für eine komplett unterschiedliche Zielgruppe interessant, aber ist es möglich, dass Regisseur Burr Steers („Igby“, „17 Again“) bei diesem absurd wirkenden Mash-Up aus Kostümfilm und Fun-Splatter sowohl die Freunde der feinen Ironie als auch die Liebhaber drastischer Make-Up-Effekte ansprechen kann? Die Antwort lautet: Ja, durchaus. Mit einigen Abstrichen gelingt dies tatsächlich.

    England zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mrs. Bennet, eine nicht immer mit Fingerspitzengefühl versehene Vertreterin des etwas abgewirtschafteten Landadels, ist schwer damit beschäftigt, ihre fünf Töchter, die sich allesamt im heiratsfähigen Alter befinden, mit angemessenen Herren bekannt zu machen. Und sie lässt sich davon auch von der seit längerer Zeit in der Gegend um London grassierenden Zombie-Epidemie kaum abhalten. Elizabeth Bennet (Lily Cole, „Cinderella“), die zweitälteste (und zweitschönste) der Töchter, ist nicht ganz so stark wie ihre Schwestern daran interessiert, sich einem wohlhabenden Verehrer unterzuordnen – schon gar nicht dem unterkühlten und stolzen Mr. Darcy (Sam Riley, „Control“), der sich zwar als versierter Zombie-Bekämpfer zeigt, aber seinem gutaussehenden Protegé Mr. Bingley (Douglas Booth) davon abrät, Liz' Schwester Jane (Bella Heathcote, „Dark Shadows“) den Hof zu machen, weil er befürchtet, Jane sei bei einem Zusammenstoß mit den lebenden Toten gebissen worden (Austen-Fans erkennen hier die Erkältung durch Regenwetter wieder).


    Die meisten Handlungsstränge des Films kann man 1:1 aus Jane Austens Original-„Stolz und Vorurteil“ wiedererkennen, nur dass die Bennet-Schwestern bei ihr nicht in orientalischen Kampfsportarten geübt sind. Außerdem wird aus dem schneidigen Mr. Darcy angesichts der Zombies ein veritabler Action-Held - und Mr. Wickham (Jack Huston) birgt hier Gefahren, die sich nicht nur auf den guten Ruf junger Frauen auswirken. Regisseur und Drehbuchautor Burr Steers hat einige Sparwitze aus der Vorlage von Seth Grahame-Smith gestrichen (dort verwechseln die sehr auf Gehirne versessenen „Unerwähnbaren“ ihre Leibspeise mitunter mit Blumenkohl), den Martial-Arts-Aspekt in den Hintergrund verdrängt und besonderes Augenmerk darauf gelegt, die Ironie der „Co-Autorin“ Jane Austen wieder hervorzuheben - wenn auch mit etwas gröberen Pinselstrichen.

    Was immerhin dazu führt, dass der Geistliche Mr. Collins („Doctor Who“ Matt Smith) hier seine vielleicht beste filmische Interpretation erfährt. Hin und wieder wirkt er zwar wie der ostdeutsche Comedian Olaf Schubert (nur ohne karierten Pullunder), aber die präzise Gratwanderung zwischen unerschrockener Peinlichkeit und einer fein angedeuteten Wertschätzung für „weltliche“ Belange wird hier zu einem Erlebnis und die Figur entwickelt bei aller Lächerlichkeit eine eigene Integrität. Ähnliches passiert auch bei dem Liebesgeplänkel zwischen Liz und ihrem Darcy, wobei es gleich zu mehreren Höhepunkten kommt: Neben einer absurden Szene mit Schmeißfliegen (die sind hier für ihre „Zombiewitterung“ bekannt) gehört dazu auch eine körperliche Auseinandersetzung, die fast an Brads und Angelinas episches Gerangel in „Mr. and Mrs. Smith“ heranreicht.

    Wer den Trailer zum Film sieht, sollte sich indes nicht täuschen lassen: Das dort zu erkennende oder zu erahnende produktionstechnische Niveau bietet der fertige Film fast nur in genau den Szenen, die schon in der Vorschau vertreten sind. Ansonsten wirkt es fast so, als wäre unterwegs das Geld ausgegangen, sodass es etwa beim Endkampf, in dem es immerhin um ein in Flammen stehendes London geht, nur noch für recht armselige CGI-Effekte gereicht hat, was den Gesamteindruck doch recht deutlich schmälert. Das Problem zieht sich durch fast alle Bereiche: die Kostüme, die inszenatorische Verdeutlichung der örtlichen und räumlichen Zusammenhänge, die Kampfchoreographien - alles lässt im Verlauf des Films zunehmend nach. So reichen auch die später auftauchenden Untoten bei weitem nicht mehr an den allerersten Zombie des Films heran, der dank aufwändiger und liebevoller Effekte dem Begriff „rotzig“ (wenn die halbe Nase fehlt) eine ganz neue Dimension verleiht. Es gibt viele nette Details und tolle Einzelszenen, aber als Ganzes überzeugt „Stolz und Vorurteil & Zombies“ daher weniger – auch weil die Hochzeit zwischen Romantik- und Zombiefilm ganz am Ende eher halbherzig ausfällt.

    Fazit: Auf die ultimative Umsetzung einer romantischen Komödie mit Zombies werden wir weiter warten müssen. Aber vieles überzeugt schon hier, nicht zuletzt das Schauspielensemble, das auch einer „herkömmlichen“ Austen-Verfilmung zur Ehre gereicht hätte.

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