Bon Appétit
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Bon Appétit

2,0


Von Lars-Christian Daniels

Nora Tschirner zählt derzeit zu den gefragtesten Schauspielerinnen der Nation – und das nicht nur aufgrund ihrer sympathischen Rolle als Kindergärtnerin in Til Schweigers Publikumsmagneten „Keinohrhasen" und „Zweiohrküken". Die Berlinerin beschränkte sich bisher vorwiegend auf Rollen in deutschen Filmen, macht sich nun aber auf, Europa zu erobern: Für die Romanze „Bon Appetit" stand sie an der Seite von Frauenschwarm Unax Ugalde in einer ambitionierten spanisch-deutsch-schweizerischen Co-Produktion vor der Kamera. Regisseur David Pinillos hatte die Ex-MTV-Moderatorin nicht etwa in Schweigers populären Kassenschlagern, sondern bereits vor sechs Jahren in Arno Sauls „Kebab Connection" entdeckt und fortan fest für sein Projekt im Hinterkopf behalten. Tschirner und Ugalde zeigen sich im Film zwar von ihrer Schokoladenseite, können ihn aber trotz ihrer harmonischen Performance nicht zu einer sehenswerten Lovestory aufwerten. Das Drehbuch erreicht nur gehobenes Rosamunde-Pilcher-Niveau und steht dem Filmtitel „Bon Appetit" in puncto Einfallslosigkeit leider in nichts nach.

Der Schweizer Sternekoch Thomas Wackerle (Herbert Knaup) leitet in Zürich ein renommiertes Nobelrestaurant. Hinter dem Rücken seiner Ehefrau führt er eine Affäre mit der deutlich jüngeren Hanna (Nora Tschirner), die über ein feines Näschen verfügt und als Sommelier für ihn arbeitet. Der spanische Koch Daniel (Unax Ugalde) ergattert ebenfalls einen Job in Wackerles Restaurant und trifft in der Gourmetküche auf den Italiener Hugo (Giulio Berruti), zu dem Hanna und er seit Jahren eine enge Freundschaft pflegen. Daniel entpuppt sich schnell als großes Kochtalent und läuft seinem Freund in der Gunst des Chefs zunehmend den Rang ab. Als Hanna und Daniel sich nach einem romantischen Abend bei Wein und Pasta näher kommen, bringt das ihr Leben und ihre Zukunftspläne gehörig durcheinander – nicht zuletzt, weil Hanna ein Kind von ihrem Geliebten Wackerle erwartet...

Fans der Tschirner-Filme „Keinohrhasen", „Zweiohrküken" oder „Soloalbum" seien ausdrücklich gewarnt: Wenngleich der Trailer den Anschein einer ähnlich gestrickten romantischen Komödie erwecken mag, köchelt die Ironie in „Bon Appetit" von Beginn an auf Sparflamme. Die Drehbuchautoren David Pinillo, Paco Cabezas und Juan Carlos Rubio servieren im Hauptgang eine seichte, aber in den seltensten Fällen witzige Schnulze und beleuchten ausführlich die Gefühlswelt ihrer Protagonisten. Das heimliche Techtelmechtel von Starkoch Wackerle und seiner Angestellten bildet dabei das Fundament eines dramaturgischen Grundgerüsts, das die Autoren leider auf Sand bauen. Dies liegt nicht an der einmal mehr bezaubernden Nora Tschirner oder dem gewohnt souveränen Herbert Knaup („Eichmanns Ende"), sondern daran, dass Hannas Faszination für ihren angesehenen Chef stets vorausgesetzt, aber nie wirklich ergründet wird. Die beiden wirken häufig eher wie Vater und Tochter als wie ein frisch verliebtes Pärchen. Weil der ambitionierte Nachwuchskoch Daniel ohnehin viel besser zu der verträumten Weinkennerin passt als ihr Arbeitgeber, ist es nur eine Frage der Zeit, wann Hanna sich von ihrem Geliebten löst und mit Daniel durchbrennt.

Unax Ugalde („Che") weiß als Ladykiller mit Leidenschaft für gutes Essen zu überzeugen, muss sich aber darauf beschränken, sämtliche Charme-Register zu ziehen und einen Schlafzimmerblick nach dem nächsten aufzusetzen. Auch die pikante Konkurrenzsituation zwischen Daniel und seinem Freund Hugo vermag den Zuschauer kaum mitzureißen, weil alles nach Schema F verläuft und Überraschungen ausbleiben. Auf die Romantisierung der Welt von Lafer, Mälzer und Schuhbeck wird aus gutem Grund verzichtet – schließlich weiß der Zuschauer dank des Einzugs der Küchenschlachten und Restauranttester in die TV-Landschaft längst, dass der stressige Alltag in einer Spitzenküche wenig mit liebevollem Anrichten und Experimenten zu tun hat. Anders als beispielsweise in Pixars Meisterwerk „Ratatouille" ist der Restaurantbetrieb als solcher aber recht austauschbar: Wenig würde sich an der Geschichte ändern, wäre Hanna Sekretärin und Betthäschen eines erfolgreichen Konzernchefs. Daran können auch Daniels improvisierte Minzbonbon-Pasta und die Weinprobe in „Sideways"-Manier wenig ändern. Auf der Zielgeraden bedient „Bon Appetit" zu allem Überfluss noch müde ein paar Schwangerschaftsklischees, ohne diese jedoch als Vorlage für den einen oder anderen gelungenen Gag zu nutzen.

Fazit: Warum der Film beim spanischen Filmfestival in Málaga unter anderem den Drehbuchpreis abräumte, erscheint angesichts der toll fotografierten, aber uninspiriert vor sich hin plätschernden Handlung mehr als rätselhaft. „Bon Appetit" taugt allenfalls als leichter Zwischengang und hechelt den eigenen Ansprüchen von Beginn an hinterher.

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