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Fast & Furious Five
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Fast & Furious Five
Von
Justin Lin besitzt ein gesundes Selbstvertrauen. Gerade erst ließ der für „Terminator 5" heiß gehandelte Regisseur verlauten, dass sich die Produzenten schon ganz schön ins Zeug legen müssten, um ihn für das Projekt zu begeistern. Er werde schließlich momentan mit lukrativen Angeboten bombardiert. Justin, wer? Ja, jener Justin Lin, der einst meinte, die „The Fast and the Furious"-Reihe würde auch ohne Vin Diesel und Paul Walker funktionieren. Ein fataler Irrtum, der das zuvor sehr erfolgreiche Action-Franchise mit dem dritten Teil „Tokyo Drift" beinahe beerdigt hätte. In einer Verzweiflungstat trommelten Produzent Neal H. Moritz und Justin Lin daraufhin für „Fast & Furious" das wesentliche Personal des Originals wieder zusammen und schafften so tatsächlich ein furioses Box-Office-Comeback. Die Qualität war auch okay und auf jeden Fall deutlich besser als „Tokyo Drift". Es spielte allen Beteiligten in die Karten, dass Vin Diesels Karriere dahinsiechte: Als peinlicher Zotenklopfer in „Der Babynator" und dem erfolglosen Versuch ernsthaften Schauspiels in „Find me guilty" steckte er in einer Sackgasse, weshalb er bei seinen zuvor unverschämten Gagenforderungen wieder etwas zurückstecken musste. Damit scheinen die Zeiten von „Tokyo Drift" endgültig vorbei. Einige Leute haben die richtigen Entscheidungen getroffen und das „The Fast And The Furious"-Franchise ist mit Teil 5 endlich auf der Höhe der Zeit angelangt: „Fast & Furious Five" rockt als krachendes Best-of aus gradlinigem Achtzigerjahre-Actionkino und den technischen Möglichkeiten des modernen Blockbuster-Kinos.

Profi-Autoklauer und Streetracer-Legende Dominic Torreto (Vin Diesel) wurde gerade zu 25 Jahren Knast ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Aber das ist längst kein Grund, nervös zu werden, wenn man gute Freunde wie Ex-FBI-Agent Brian O‘Connor (Paul Walker) und Schwesterchen Mia (Jordana Brewster) hat, die einen auch noch aus der aussichtlosesten Situation beherzt raushauen. Die drei setzen sich nach Rio de Janeiro ab und planen dort gemeinsam mit ihrem alten Weggefährten Vince (Matt Schulze), mittels eines Zugüberfalls sündhaft teure Edelkarossen zu erbeuten. Allerdings überwerfen sie sich dabei mit den Schergen von Rios allmächtigem Drogenbaron Hernan Reyes (Joaquim de Almeida). Fortan haben sie nicht nur die Häscher des skrupellosen Reyes am Hals, sondern auch den brandgefährlichen FBI-Söldner Luke Hobbs (Dwayne Johnson), der sich mit seinem Team in Brasilien an ihre Fersen heftet. Von Feinden umzingelt, beordert Dominic eine Gruppe alter Weggefährten (u.a. Tyrese Gibson, Ludacris, Sung Kang, Gal Gadot) in die Metropole am Zuckerhut, um den ultimativen Raubzug durchzuziehen und danach in den Ruhestand zu wechseln...



In „Fast & Furious" startete Doms Kriminellen-Kommune mit einem furiosen Überfall auf einen Tanklastzug in der Dominikanischen Republik – was gleichzeitig die beste Actionsequenz des Films darstellte. Wer nun aber denkt, dass Justin Lin mit der wüsten, aber nicht ganz so spektakulären Befreiungsaktion zu Beginn von „Fast & Furious Five" einen Gang zurückschaltet, irrt jedoch gewaltig. Denn nach dem zackigen Auftakt folgt wenig später eine überragend rasant inszenierte Actionsequenz, in der die Bande Luxusautos von einem fahrenden Zug stibitzt. Das ist so over the top, dass das Plausibilitätsbarometer in Regionen sinkt, die sonst nur James Bond zu seinen besten Zeiten oder Tom Cruise bei der Zugfahrt in „Mission: Impossible" erreichen. Trotzdem verbreitet die Sequenz einen Heidenspaß, weil das Ganze keineswegs in eine übertriebene CGI-Orgie ausartet. In ähnlich irrsinnigem Tempo geht es weiter. Der Film ist in ständiger Bewegung – nicht ganz mit der brutalen Konsequenz von Paul Greengrass in dessen Maßstäbe setzendem „Das Bourne Ultimatum", aber ziemlich nah dran. Lediglich im Mittelteil nimmt Lin für einen kurzen Moment den Fuß vom Gas, weil es doch einige Zeit dauert, bis Dom sein ganzes Team in „Ocean's Eleven"-Manier zusammengesammelt hat. Allerdings sehen die protzigen Hochglanz-Aufnahmen von Rio de Janeiro so unglaublich gut aus, dass man fast auf die Idee kommen könnte, seinen nächsten Familienurlaub – kriminelle Hochburg hin oder her - in den Favelas der Metropole zu buchen.

Der PS-Express von „Fast & Furious Five" bietet weniger klassisches Schauspiel als eine Aneinanderreihung breitbeiniger Posen. Wenn das Team mal gerade nicht durch die Gegend düst, sich prügelt oder wild um sich ballert, trifft man sich zum gemütlichen Bierchen beim Indoor-Grillen. Die Flasche eiskalt servierten Gerstensafts scheint wie festgeschweißt an den Händen der Protagonisten. Und immer wieder wird Loyalität innerhalb der Gruppe als oberste Kausa zelebriert. Attackiert werden eh nur die ganz bösen Jungs, denen sowieso der Garaus gemacht gehört. Die Dialoge bestehen zu einem Gutteil aus rotzig geraunten Onelinern und Satzfragmenten, die dem Film einen erstaunlichen Humor verleihen und immer einen Hauch von Selbstironie durchscheinen lassen. Jeder aus dem Ensemble bekommt seine Auftritte – unter der Führung des charismatischen Muskelklotzes Vin Diesel, der mit Dwayne Johnson („Faster", „Die etwas anderen Cops") einen ebenbürtigen Gegner bekommt, der aus demselben Holz geschnitzt ist. Der FBI-Jäger Hobbs ist nicht „Old School", er ist „Old Testament", wie an einer Stelle des Films treffend konstatiert wird. Denn das allgemeine Sequel-Motto „höher, schneller, weiter" greift auch bei den Gegnern: Dominics Bande kämpft einen Zwei-Fronten-Krieg – gegen die Spezialeinheit des FBI und Drogenbaron Reyes, der von Joaquim de Almeida herrlich schmierig gespielt wird.

Die löchrige Geschichte dient nur einem einzigen Zweck: Action. Eine Warnung: Wer in „Fast & Furious Five" auch nur einen Funken Anspruch sucht, wird mit gesenktem Haupt fluchend den Kinosaal verlassen. Der ganze Plot macht hinten und vorne wenig Sinn und hält keinerlei Abgleich mit der Realität stand. Es geht vielmehr darum, soviel Kirmes wie möglich auf der Leinwand zu komprimieren. Der Einfall, aus „The Fast And The Furious" eine Art benzingetränkes „Ocean's Eleven" mit hohlraumversiegelten Charakteren zu gestalten, die einen minutiös ausgeklügelten Plan aushecken, nur um dann davon abzurücken und doch die grobe Kelle zu schwingen, ist entwaffnend charmant und vor allem konsequent. In der finalen Sequenz, die sich im Ton an James Camerons Harrier-Jet-Action in „True Lies" und Len Wisemans Kampfflieger-Einlage in „Stirb langsam 4.0" anlehnt, überzieht der Film fast zu sehr, weil er ultimativ physikalische Gesetze ad absurdum führt. Aber selbst die abgehobensten Stuntszenen fügen sich stimmig in das Gesamtkonzept, so dass man sich lieber aufs Staunen statt aufs Meckern konzentrieren sollte.

Fazit: „Fast & Furious Five" ist pure Raserei! Das B-Movie im Gewand eines groß budgetierten Blockbusters überrascht als Highlight der Reihe mit überragend in Szene gesetzter Action, launigen Sprüchen und jeder Menge Tempo. Wer Freude am Wahnsinn hat und ein Augenzwinkern zu schätzen weiß, wird einen Riesenspaß haben. „Fast & Furious Five" ist ein Harte-Männer-Film, der diese überdrehte Attitüde immer wieder ironisch bricht und somit geschickt die Brücke zwischen Achtzigern und Moderne schlägt. Kleiner Tipp: Beim Abspann nicht gleich fluchtartig aus dem Kino türmen, denn Justin Lin traut sich noch einen abschließenden Twist zu, den der Regisseur eigentlich nur wagen konnte, weil er schon beim Dreh sicher davon ausging, dass es auf jeden Fall auch noch einen sechsten Teil geben wird.
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