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    Riddick
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Riddick
    Von Christoph Petersen

    Zum Ausklang eines Sommers voller Budget-Superlative (170 Millionen Dollar für „R.I.P.D. 3D“ oder 250 Millionen Dollar für „Lone Ranger“) kommt mit „Riddick“ ein Film in die Kinos, dessen Macher sich notgedrungen in extremer finanzieller Demut üben mussten. Neun Jahre nach dem Kinokassen-Scheitern des mehr als 100 Millionen Dollar teuren „Pitch Black“-Spin-offs „Die Chroniken von Riddick“ hat in der Traumfabrik kein Hahn mehr nach dem muskelbepackten Weltraum-Sträfling gekräht. Aber Riddick-Schöpfer David Twohy („Below“, Drehbuch zu „Auf der Flucht“) und sein Star Vin Diesel („Fast and Furious 6“) wollten den dritten Teil unbedingt machen und haben sich deshalb mit einem für ein Blockbuster-Sequel lächerlichen 38-Millionen-Dollar-Budget zufriedengegeben, wobei der Hauptdarsteller trotzdem noch für einen Teil der Summe persönlich einstehen musste und sogar sein eigenes Haus beliehen hat. Und was sollen wir sagen: Wer wagt, gewinnt! Ohne sich an die Hochglanz-Weichspül-Regeln für Blockbuster halten zu müssen, präsentiert Regisseur Twohy einen dreckig-fiesen Sci-Fi-Bastard und damit genau das, was der Badass-Figur Riddick am besten gerecht wird!

    Es gibt schlechte Tage und es gibt legendär schlechte Tage. Dies scheint einer dieser Tage zu werden!“ - Riddick

    Nach Jahren komfortablen Lebens als gekrönter Lord Marshal der Necromonger ist der immer noch gesuchte Weltraumflüchtling Riddick (Vin Diesel) nicht mehr so wachsam wie früher. Deshalb fällt er auch auf den verräterischen Plot seines Kommandeurs Vaako (Karl Urban) herein, der ihn auf einem einsamen, sonnenverbrannten Planeten zurücklässt. Hier muss sich der Ausgesetzte schon bald gegen aggressive Alien-Kreaturen zur Wehr setzen. Aber selbst nachdem die größten Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, kommt Riddick nicht zur Ruhe, denn am Horizont zieht ein todbringender Regen auf und ihm bleiben nur noch wenige Tage, um den Planeten zu verlassen. Also setzt er aus einer verlassenen Station einen Notruf ab, der sofort eine Gruppe von intergalaktischen Kopfgeldjägern anlockt. Auf den flüchtigen Sträfling Riddick ist nämlich eine hohe Belohnung ausgesetzt – und wer ihn tot statt lebendig abliefert, dem winkt sogar die doppelte Summe…


    Ich habe das schlimmste Verbrechen von allen begangen: Ich wurde zivilisiert. Jetzt ist es Zeit, die animalische Seite wiederzuentdecken!“ - Riddick

    Was macht Riddick, wenn er durch eine Wassergrube will, in der eine gefährlich-giftige Kreatur (eine Kreuzung aus Skorpion, Krokodil und dem Monster aus „Alien“) haust? Er schnappt sich eines von ihren Babys, zapft diesem sein Gift ab, führt damit zunächst Tierversuche durch, bevor er sich das Zeug anschließend solange selber injiziert, bis er immun geworden ist – dann kehrt er zurück zur Grube, lässt sich bewusst erwischen und schlägt dem in seinen Oberschenkel verbissenen Untier mit einem zur Machete umfunktionierten Riesenknochen den Schädel ab: Einen solchen Badass-Faktor hätten wir dem heutigen Hollywood gar nicht mehr zugetraut! Die gesamte erste halbe Stunde ist ähnlich rotzfrech-mitreißend – direkt von der ersten Szene an, in der Riddicks blutige, vermeintlich tot aus dem Boden ragende Hand einen neugierig pickenden Blutsaurier erwürgt. „Riddick“ ist Steinzeit-Science-Fiction mit einem Vin Diesel in der Form seines Lebens: „Predator“ trifft „Die Croods“ - was will der Genrefan mehr?   

    Mit der Ankunft von Santana (Jordi Mollà) und seiner Kopfgeldjäger-Truppe sowie der kurz darauf eintreffenden, viel besser ausgerüsteten Einheit des undurchsichtigen Johns (Matt Nable) geht der Pegel des Badass-O-Meters dann aber erst einmal fühlbar nach unten, was vor allem daran liegt, dass Regisseur Twohy (der auch das Drehbuch selbst geschrieben hat) offenbar keine anderen Götter neben seinem Riddick duldet: Denn obwohl sich mit dem Wrestler Dave Bautista („The Man with the Iron Fist“) und der Fanboy-Ikone Katee Sackhoff gleich zwei potenzielle Badass-Kandidaten in den Reihen der Widersacher finden, darf der stiernackige Ex-WWE-Fighter lediglich in einer viel zu kurzen Zehn-Sekunden-Prügelei mit Riddick glänzen, während die „Battlestar Galactica“-Amazone durch pubertäres Kampflesben-Geblubber auf unangenehme Weise sexualisiert wird und zwischendurch lediglich halbgare Oneliner und verschiedenfarbige Spezialpatronen aus ihrem Scharfschützengewehr abfeuern darf. Aber keine Angst: Im Finale kommen die Viecher vom Anfang wieder – und sie haben Verstärkung mitgebracht!

    So viel Freiheit sie den Machern auch gebracht hat, natürlich geht die drastische Budgetreduktion nicht völlig spurlos an solch einem Sci-Fi-Actioner vorbei. So sieht man dem Film immer wieder an, dass von vielen Kulissen nur kleine Teile im Studio gebaut wurden, während der Rest aus dem Computer stammt – und da ist es natürlich doppelt doof, dass die Green-Screen-Effekte nicht immer übergangsfrei gelungen sind. Gerade wenn Riddick & Co. auf ihren Hovercraft-Motorrädern über den felsigen Planeten düsen, dann sieht das auch nicht merklich besser aus als damals die ersten Ausflüge der Ewoks auf ihren Speeder Bikes in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ von 1983. Dafür hat Twohy sein knappes Geld am Ende allerdings genau dort investiert, wo es wirklich zählt: Die Designs und Animationen der Alien-Kreaturen von den skorpionartigen Monstern bis hin zu Riddicks treuem wolfsähnlichen Weggefährten sind absolut gelungen – und auch die wohl cool-trockenste Enthauptung (bzw. halbe Enthauptung, der Schnitt verläuft etwa in Höhe des Oberkiefers) aller Zeiten ist auch unter CGI-Gesichtspunkten nicht zu verachten!

    Fazit: Trotz eines Durchhängers im zweiten Drittel und leichten Abzügen in der Spezialeffekt-B-Note lässt sich letzten Endes doch guten Gewissens behaupten: „Riddick“ rockt!

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