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    Serena
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Serena
    Von Christoph Petersen
    Es ist eine faszinierende Vorstellung: „Die Tribute von Panem“-Amazone Jennifer Lawrence als paranoide Soziopathin. Nicht länger nur Everybody’s Darling, sondern klassische blondgelockte Hollywood-Femme-fatale in der Tradition solcher Golden-Age-Größen wie Barbara Stanwyck („Frau ohne Gewissen“) oder Olivia de Havilland („Der schwarze Spiegel“). Leider fällt das Ergebnis im Depressions-Ära-Drama „Serena“ jedoch bei weitem nicht so spektakulär aus, wie man es in Anbetracht der Beteiligten erwartet hätte: Immerhin agiert Lawrence in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ron Rash erneut an der Seite ihres Zwei-Filme-zwei-Meisterwerke-Leinwandpartners Bradley Cooper („Silver Linings“, „American Hustle“) und hinter der Kamera zeichnet mit Susanne Bier eine Regisseurin verantwortlich, die erst 2010 mit ihrem provokant-nihilistischen Drama „In einer besseren Welt“ den Auslands-Oscar für Dänemark gewonnen hat. Doch statt Lawrence die Bühne für eine nach der Ankündigung des Projekts fast schon sichergeglaubte vierte Oscar-Nominierung zu bieten, hält Bier das Publikum trotz der dramatischen Ereignisse immer auf Distanz und macht „Serena“ so zu einem merkwürdig kühlen Film.

    Als Erbe einer alten Holzfällerdynastie zählt George Temperton (Bradley Cooper) selbst zu Zeiten der Großen Depression im Jahr 1929 noch zu den Gewinnern. Und auch in der Liebe scheint ihm das Glück hold: Als er von einem Geschäftstrip nach Colorado seine frischangetraute Liebe-auf-den-ersten-Blick-Braut Serena (Jennifer Lawrence) mit in die Wälder North Carolinas zurückbringt, setzt sich diese keinesfalls nur ins gemachte Nest, sondern erarbeitet sich mit ihrer hemdsärmeligen Art und ihrer Expertise im Klapperschlangenjagen schnell den Respekt der Holzfäller. Und selbst der Umstand, dass George vor ihrem Kennenlernen eine andere Frau (Ana Ularu) geschwängert hat, stört Serena erst einmal nicht weiter. Doch dann bekommt das junge Glück erste Risse: Die geplante Gründung eines Nationalparks droht, das Holzimperium in den Ruin zu treiben, und als Serena nach einer Fehlgeburt nicht wieder schwanger werden kann, ist es ihr plötzlich auch alles andere als egal, dass George bereits einen Sohn hat, dessen Mutter er heimlich jeden Monat finanziell unterstützt…


    Ursprünglich hatte mal Darren Aronofsky („The Wrestler“, „Noah“) die Regie von „Serena“ inne, der den Roman mit Angelina Jolie in der Titelrolle verfilmen wollte. Und tatsächlich hätten mit dem Duo Aronofsky/Jolie zwei der größten Schwachstellen des Films womöglich vermieden werden können: Jennifer Lawrence ist mit ihren erst 24 Jahren bereits der größte weibliche Box-Office-Star Hollywoods und deshalb ist es kein Wunder, dass ihr andauernd Rollen angeboten werden, die eigentlich viel älter sind als sie selbst. Aber während sich diese Diskrepanz zuletzt in „Silver Linings“ und „American Hustle“ noch in Grenzen hielt und Lawrence sie locker überspielen konnte, nimmt man ihr die verbitterte, von allem Schmerz dieser Welt gezeichnete Soziopathin in „Serena“ einfach nicht ab. Das liegt auch am Drehbuch von Christopher Kyle („Alexander“), das vor allem in der zweiten Hälfte beträchtliche Holprigkeiten aufweist. Serenas Absturz in den Wahnsinn wird schließlich nur noch sprunghaft behauptet, aber kaum nachvollziehbar gemacht. Hier hätte allein schon die Ich-habe-in-meinem-Leben-wirklich-schon-eine-Menge-durchgemacht-Ausstrahlung der 15 Jahre älteren Jolie sicher einen großen Unterschied ausgemacht.

    Zum anderen hätte Aronofsky den schleichenden Wahnsinn sicher auch inszenatorisch eindrucksvoll unterstrichen – wie das geht, hat er schließlich schon in „Requiem for a Dream“ sowie in „Black Swan“ mit der dafür oscarprämierten Natalie Portman vorgemacht. Bier findet für das Amerika der Depressions-Ära nun zwar erlesenen-schöne Bilder (und auch die Ausstattung ist top), was in der ersten Hälft des Films wunderbar passt, hält diesen gediegenen Stil aber bis zum Ende bruchlos durch, weshalb sich zwischen der Inszenierung und dem Zustand der Protagonisten ein immer größer werdender Bruch auftut (und das Publikum damit emotional zunehmend außen vorbleibt). Hier hätte mehr Mut zum Ungewöhnlichen und Radikalen Abhilfe schaffen können, doch der fehlt hier komplett. Das zeigt auch ein Blick auf einige Weglassungen im Vergleich zur Vorlage: Denn Serena und George sind zwar in der Verfilmung ebenfalls absolute Unsympathen, aber an einige ihrer besonders unverzeihlichen Untaten aus dem Roman haben sich die Filmemacher dann doch nicht herangetraut, weshalb der Film auch als nihilistischer Schlag in die Magengrube des Zuschauers nicht die mögliche Wirkung entfaltet.

    Fazit: Jennifer Lawrence‘ Wandlung vom bodenständigen Kumpeltyp zur mordenden Furie gerät leider extrem abrupt und wirkt so mitunter eher unfreiwillig komisch als glaubhaft tragisch.
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