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clint eastwood ist für mich eine ikone. wie kein anderer wirft er einen kilometerweiten schatten auf 90% aller hollywood bediensteten. sei es als darsteller, damals wie heute in unnachahmlicher rauher manier oder als regiesseur mit hang zu aufrüttelenden themen verarbeitet in ganz großen filmen wie "the changeling", "letters from iwo-jima"/"flaggs of our fathers" oder "gran torino" sowie spannungsgeladenen werken wie "unforgiven". ein film aus der reihe der ersten sparte soll "j. edgar" sein. ein film über einen mann, der wie kein anderer macht und geheimniskrämerei -sowie aufdeckung in der geschichte der vereinigten staaten inne hatte. warum der film am ende nicht mehr als ein halbgares stück zeloloid ist und somit fast schon ein totalausfall nahekommt in anbetracht dessen, dass es ein eastwood ist, erläuter ich jetzt. eigentlich hatte "j. edgar" ein haufen potential gehabt. mit leonardo dicaprio - einer der aktuell besten akteure hollywoods - als galionsfigur lässt sich doch sicher etwas machen. auch die karriere des machthungrigen FBI-chefs hätte sicher eine gute story abgegeben. zumal das privatleben noch mehr anekdoten bereithält als das berufliche eh schon zu genüge tut. eastwood bemüht sich auch sehr, alles unter einen hut zu bekommen. das problem an der sache ist die immer wieder zwischen den epochen des jungen und alten hoovers switchende erzählweise. einen roten faden mit hohem spannungsbogen sucht man vergeblich und so beinhaltet der film ein paar längen und kann höchstens in einzelnen abschnitten überzeugen. so bekommt eastwoods als komplex angelegter film einen faden und teilweise auch drögen beigeschmack. zum glück sind alle darsteller bestens aufgelegt. natürlich glänzt dicaprio als größter stern am firmament. und auch wenn naomi watts im laufe des films immer mehr in den schatten dicaprios treten muss, spielt sie ihre rolle als "so-etwas-wie-eine-geliebte" zurückhaltend und trotzdem rührend. überraschend ist dagegen allerdings der auftritt des aus "the social network" bekannten armie hammer. dieser geht wie auch dicaprio mutig zu werke in szenen in denen sich die figuren der beiden näher kommen. die beziehung der beiden ist auch ein zentrales thema des films. hoovers unterdrückten homosexuellen gefühle stehen im krassen kontrast zu seinen erzkonservativen ansichten die ihm seine noch konservativere mutter - schaurig schön gespielt von judi dench - immer wieder während seiner jugend und auch im laufe des erwachsenwerdens verbal einprügelte. leider verrennt sich regiesseur eastwood im geschehen und man weiß nicht genau ob es sich nun um ein politisches biopic oder einem liebesdrama handelt. zum einen lässt eastwood geraume zeit verstreichen für die aufklärung des "lindberg-baby" falls und zeichnet doch recht gelungen den aufstieg des j. edgars vom ermittler zum chef seiner eigenen agentur. nur um im letzten drittel des films komplett auf das zwispältige liebesleben einzugehen. dieser spagat mag irgendwie nicht wirklich funktionieren und zündet bis zum ende hin nicht. dies mag zum teil auch an der maske/dt. synchro liegen. optisch betrachtet ist dicaprios älteres alter-ego höchste kunst. und durch das spiel von dicaprio ist man der illusion nahe man sehe einen gealterten leonardo dicaprio. doch warum sind wir gestraft mit der deutschen synchro. man kennt dicaprios stammsprecher aus allen filmen der letzten 10-15 jahre. man weiß, sie passt einfach. aber warum gibt sich eben dieser sprecher kaum mühe einen sichtlich gealterten mann auch so klingen zu lassen. das bisschen knarrzen in den stimmbändern reicht da nicht aus. ein mensch klingt im hohen alter lange nicht mehr so jugendlich. und so enstand jedenfalls für mich der eindruck, man sehe dicaprio - eben nur - mit maske. die authenzität litt meines erachtens erheblich was ich sehr schade fand. FAZIT: leider schnürrten meine hohen erwartungen ein so großes paket, welches auf eastwoods mehr als 80 jahre alten schultern keinen halt mehr hatte. bis auf ein paar einzelne abschnitte baut der film mehr langeweile als spannung auf. der film sich trotzdem über dem durchschnitt, ist aber dennoch im eastwood'schen kosmos fast schon ein totalausfall.
Hinzugefügt am 22.02.2012 um 21:13 Uhr Verstoß melden
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