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    Vamps - Dating mit Biss
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Vamps - Dating mit Biss
    Von Sophie Charlotte Rieger

    Dass Amy Heckerling einmal mit einem ihrer Werke auf dem Fantasy Filmfest vertreten sein würde, darauf hätte wohl kaum jemand gewettet. Bekannt geworden ist die amerikanische Regisseurin weniger durch gruselige oder actionreiche Filme, sondern mit auf eigene Art „fantastischen" Komödien wie „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald", „Kuck mal wer da spricht" und „Clueless – Was sonst!". Bei genauerem Hinsehen unterscheidet sich Heckerlings neuester Film „Vamps - Dating mit Biss" jedoch gar nicht so wesentlich von seinen Vorgängern. Nicht zuletzt auf Grund des Wiedersehens mit Alicia Silverstone, für die „Clueless" einst den Durchbruch bedeutete. Im Grunde genommen hat Amy Heckerling die Geschichte von der modebewussten Blondine nur ins Vampir-Genre übersetzt, denn wieder dreht sich alles um das passende Outfit und natürlich die Liebe. Was nun klingt wie ein lauwarmer Aufguss eines zigmal verfilmten Plots, ist tatsächlich ein intelligentes, durchgängig unterhaltsames Genre-Spiel, in dem obendrein einige politische Seitenhiebe ausgeteilt werden.

    Goody (Alicia Silverstone) ist seit über 150 Jahren Vampirin. In den 1980er Jahren hat sie in Stacy (Krysten Ritter) endlich eine beste Freundin gefunden, mit der sie die Vorzüge der ewigen Jugend teilt. Kaum aus dem Sarg geklettert, dreht sich bei den Mädels alles um Klamotten, Männer und natürlich die blutige Nahrungsaufnahme. Goody und Stacy gehören einer Gemeinschaft von Vampiren an, die sich ausschließlich von Tieren, vorzugsweise Ratten, ernährt und stellen somit keine Gefahr für die Menschen dar. Abgesehen davon, dass Goody zunehmend Schwierigkeiten hat, mit den rasanten Entwicklungen der modernen Welt Schritt zu halten, verläuft das Leben der beiden Frauen weitestgehend unkompliziert. Bis Stacy vollkommen unerwartet als Geschworene nominiert wird und damit tagsüber ins Gericht muss. Und dann ist da noch ihr neuer Freund Joey (Dan Stevens), dessen Nachname Van Helsing nichts Gutes vermuten lässt. Haben die unbeschwerten Nächte ein Ende?

    Von Beginn an wird deutlich, dass sich Amy Heckerling auch in „Vamps" in bekannten Gefilden bewegt. Goody und Stacy wären auch in einer College-Komödie nicht fehl am Platz. Zunächst scheint es fast so, als wäre das größte Problem der jungen Damen die Unmöglichkeit, ihre Outfits im Spiegel zu betrachten. Doch spätestens wenn sie mit Strohhalmen genüsslich Rattenblut schlürfen, offenbart sich die vergnügliche Absurdität des Films, dessen Witz in erster Linie aus der Gegenüberstellung von Vampirismus und der modernen Welt entsteht. Dabei arbeitet Heckerling, die auch das Drehbuch verfasste, nicht mit Slapstick-Humor, sondern vor allem mit Wortspielen und dem richtigen Maß an Ironie. Dazu verleiht sie ihrer nur scheinbar trivialen Vampir-Lovestory durch Anspielungen auf Patriot Act und Homeland Security eine unerwartete politische Ebene und zeigt kritisch, auf welche Weise diese umstrittenen Antiterror-Instrumente die Privatsphäre der US-Amerikaner einschränken.

    Zwar ist der leichtfüßig und frech daherkommende „Vamps" meilenweit entfernt von der überhöhten Melodramatik der „Twilight"-Saga, aber Heckerling profitiert durchaus von deren Popularität, die sie immer wieder für ironische Anspielungen nutzt. Dabei setzt sie sich vor allem in der Figurenzeichnung von Stephenie Meyers Blutsaugern ab: Während die weibliche Hauptfigur dort mehr oder weniger hilflos einen überlebensgroßen Vampir-Schönling anschmachtet, steht hier eine Frau im Mittelpunkt, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt. Auch wenn sie in ihrer uferlosen Selbstlosigkeit gerade gen Ende an Glaubwürdigkeit verliert, bleibt diese Rollenumkehrung ein bemerkenswerter Aspekt von „Vamps".

    Neben dem Comeback von Alicia Silverstone, die ganz in ihrer Rolle aufgeht, hält die Besetzung von „Vamps" weitere Überraschungen parat. Vor allem Sigourney Weaver ist für ihren Part als Vampirmutter Cisserus wie geschaffen: Mit einer Mischung aus Weiblichkeit, Sexappeal, Dominanz und Grausamkeit verlieht sie ihrer Figur Witz und Glaubwürdigkeit. Weitere komische Akzente setzen unter anderem Richard Lewis („Lass es Larry"), Wallace Shawn („Toy Story") und Malcom McDowell („Uhrwerk Orange"), dazu überzeugt an Silverstones Seite Krysten Ritter („Zu scharf, um wahr zu sein", „Breaking Bad") als quirlige Jung-Vampirin, die trotz aller Umtriebigkeit niemals die Nerven des Publikums überstrapaziert.

    Fazit: Amy Heckerling ist sich mit „Vamps - Dating mit Biss" treu geblieben. Oberflächlich betrachtet eine eher seichte Komödie, ist auch ihr sehr unterhaltsamer Ausflug in die Welt der Blutsaugerinnen viel mehr: ein Schuss Trash, viel Ironie und politische Anspielungen zeugen von der Reife der Filmemacherin und verleihen dem Werk fast einen gewissen Kultfaktor.

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