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Crazy Stupid Love
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Crazy Stupid Love
Von
Bereits mit ihrem Regie-Debüt „I Love You Phillip Morris" sind die Drehbuchautoren John Requa und Glenn Ficarra angetreten, festgefahrene Film-Konventionen aufzubrechen: ein schwules Liebespaar als Protagonisten in einer Hollywood-Komödie, das traut sich schließlich auch nicht jeder. Diesen Weg setzt das Duo in der temporeichen romantischen Screwball-Comedy „Crazy Stupid Love" fort, indem es leichthändig mit den Klischees des sonst so berechenbaren Genres hantiert und mit allerlei überraschenden Wendungen aufwartet. Nicht nur mit dieser Originalität hebt sich „Crazy Stupid Love" wohltuend von der alltäglichen Hollywood-Produktion ab, denn das ironische Spiel mit den Erwartungen geht tatsächlich mit einer guten Prise großer Gefühle einher.

Der Mittvierziger Cal Weavers (Steve Carell) hat sich in seiner gutbürgerlichen Existenz mit Ehefrau Emily (Julianne Moore) und den beiden Kindern Robbie (Jonah Bobo) und Molly (Joey King) gemütlich eingerichtet. Aber er machte es sich offensichtlich ein bisschen zu bequem, denn Emily eröffnet ihrem Gatten, dass sie sich scheiden lassen wolle und gesteht eine Affäre mit ihrem Arbeitskollegen David Lindhagen (Kevin Bacon) ein. Cal ist schockiert und zieht schon am nächsten Tag wie ein geprügelter Hund von dannen. Allabendlich hängt er in einer Szenebar rum und droht in Selbstmitleid zu ertrinken, bis ihm der praktizierende Womanizer Jacob (Ryan Gosling) schließlich ein Angebot macht, das Cal nicht abschlagen kann: Er will ihm seine verlorene Männlichkeit zurückgeben und ihm zeigen, was das Singleleben an Möglichkeiten offeriert. Trotz kurzer Affären ist Cal aber immer noch in Emily verliebt und will sie zurückgewinnen. Ernste Probleme in Sachen Liebe hat auch Cals und Emilys 13-jähriger Sohn Robbie, der hoffnungslos in seine vier Jahre ältere Babysitterin Jessica (Analeigh Tipton) verliebt ist. Hannah (Emma Stone) wiederum, die offiziell erste Frau, die den unwiderstehlichen Jacob bei einem Annährungsversuch hat abblitzen lassen, steuert auf die Ehe mit dem Langweiler Richard (Josh Groban) zu und kann von ihrer besten Freundin Liz (Liza Lapira) nur schwerlich davon abgehalten werden.


Was „Crazy Stupid Love" von der Masse der romantischen Komödien unterscheidet, wird schnell offensichtlich: Drehbuchautor Dan Fogelman („Rapunzel - Neu verföhnt", „Bolt - Ein Hund für alle Fälle") bietet nicht nur jedem Mitglied des nicht kleinen Ensembles genügend Platz, sich auszutoben, sondern versteht es auch, immer wieder unerwartet den Tonfall oder die erzählerische Richtung zu wechseln – was in einem kolossalen Plot-Twist in einer Sequenz am Ende des zweiten Aktes mündet, die sowieso zu den Höhepunkten des Films zählt, weil dort die gesammelten Konflikte der Story mit einem urkomischen, tragischen, aber auch berührenden Knalleffekt aufeinanderprallen. Auf dem Weg dorthin macht sich das Regie-Duo John Requa und Glenn Ficarra einen Spaß daraus, allseits bekannte Genreklischees auf den Kopf zu stellen oder zu ironisieren... um ihnen am Ende doch zu huldigen. Denn bei aller Lust an der Abwandlung und der Demontage der vertrauten Muster, bleiben die Filmemacher dem romantischen Kern fast aller Hollywood-Lovestorys treu und feiern die Idee der einen ganz großen Liebe.

Die selten gelingende Mischung aus ironischer Entzauberung und ernstgemeinter Emotionalität geht auch in „Crazy Stupid Love" nicht immer auf, aber der Film ist über weite Strecken sehr clever erzählt, gelegentlich anrührend und fast immer lustig. Viele Szenen vor allem zu Beginn sind konsequent auf Gags ausgelegt, die temporeiche Überspitzung des Geschlechterclinchs lässt beste Screwball-Traditionen aufleben. Dass dabei nicht jede Pointe sitzt, liegt in der Natur der Sache. So bleibt kaum einer der Beteiligten von weniger amüsanten Albernheiten verschont, wenn zum Beispiel Ryan Gosling seinem Männlichkeitseleven Cal in einer Szene permanent sein Gemächt vor die Nase hält oder wenn die als Sidekick eingesetzte Oscarpreisträgerin Marisa Tomei („Mein Vetter Winnie", „The Wrestler") als nymphomane Lehrerin dem Affen (Cal) nicht nur Zucker geben muss. Die Gag-Dichte von „Crazy Stupid Love" ist hoch, die Trefferquote beachtlich und die Dialoge sind pointiert, scharf und knackig. Auch der strapazierte, aber umso lustigere Running Gag um Emilys Affäre David Lindhagen, dessen Namen sich sowieso niemand merken kann und der immer dann mit einem dämlichen Grinsen auftauchen muss, wenn ein Schuldiger für die Schlamassel der Protagonisten gesucht wird, trägt bestens.

Bei aller forcierten und auf die Spitze getriebenen Komik setzen die Regisseure geschickt Kontrapunkte mit traurigen und fast tragischen Momenten, die – und das ist die Kunst – größtenteils funktionieren. Dazu stimmt auch die Leinwandchemie zwischen den verschiedenen Paaren, so dass die Romantik nicht verkümmert, denn trotz aller Heiterkeit dreht sich alles um die Liebe. Etwas zu einfach macht es sich Drehbuchautor Fogelman dabei allerdings mit der Verknappung der amourösen Möglichkeiten. Laut „Crazy Stupid Love" gibt es in der Liebe, der sämtliche Figuren unermüdlich hinterherjagen, nur zwei Erfolgsmodelle. Entweder ist man ein das andere Geschlecht ohne Rücksicht auf Verluste dauerverführender Egomane wie Dandy Jacob oder der Typ, der seinen Seelenverwandten sucht, um ein Leben lang mit ihm zusammenzubleiben. Natürlich steht letztere Variante am Ende des Films als die einzig wahre da und abgesehen von den genannten Extremen scheint in der Welt des Films gar kein Liebesglück möglich zu sein. So ist „Crazy Stupid Love" letztlich doch wieder in der vorher so sorgsam ausgehebelten Formelhaftigkeit aus der Kunstwelt Hollywoods gefangen und der glückliche Ausgang ist nur eine mit Augenzwinkern präsentierte Konvention.

Während die erzählerische Quadratur des Kreises nicht ganz gelingt, erfüllt das hochkarätig besetzte Ensemble alle Erwartungen mühelos. Vollblutkomiker Steve Carell („Little Miss Sunshine") ist als zunächst schwächlicher und später aufblühender Jedermann, der seine Liebe nicht aufgeben will, exzellent. Die verwobenen Storyfäden laufen über seine Figur zusammen, er ist Herz und Zentrum des Films. Erneut überraschen kann an Carells Seite das Multitalent Ryan Gosling. Der hat seine Vielseitigkeit vom Independent-Kino („Half Nelson", „Blue Valentine") bis zum Hochglanzblockbuster („Das perfekte Verbrechen") schon nachhaltig demonstriert und darf in „Crazy Stupid Love" erstmals seine komische Seiten so richtig ausleben. Seine kalkuliert klischeehafte Figur macht der als makelloser Beau inszenierte Mime mit geballter Ironie zum undurchschaubaren Verführer. Trotzdem fliegen zwischen ihm und Emma Stone („Einfach zu haben", „Zombieland") glaubwürdig die Funken. Was natürlich auch an Stone liegt, die nicht nur unglaublich sexy ist, sondern wohl auch die derzeit außergewöhnlichste weibliche Stimme Hollywoods besitzt. Aber nicht nur mit ihrem markanten Organ punktet Stone, es sind die kleinen sympathischen Gesten, die ihr Tiefe verleihen. Daneben gefallen Jonah Bobo („Zathura") und Analeigh Tipton („The Green Hornet") als ungleiches „Paar", das niemals eines sein wird und Julianne Moore („The Kids Are All Right") ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, auch wenn sie den undankbarsten Part hat, weil sie sich ausschließlich an den ernsten Aspekten der Geschichte abarbeiten muss und ihr Part vergleichsweise wenig ausgefeilt ist.

Fazit: „Crazy Stupid Love" ist die etwas andere romantische Komödie und bringt frischen Wind ins in Konventionen erstarrte Genre. Das hochkarätige Ensemble spielt in großer Form auf und die Geschichte ist so geschickt verschachtelt, dass trotz der satten Laufzeit von knapp zwei Stunden nicht ein Funken Langeweile aufkommt. Und wer wissen möchte, wozu Patrick Swayzes legendäre Hebefigur aus „Dirty Dancing" gut sein kann, der sollte sowieso unbedingt eine Kinokarte lösen.
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